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GEIDEL, C. (2007)

Untersuchungen zur bioakustischen Individualerkennung adulter Uhus (Bubo bubo).

 Diplomarbeit

89 Seiten

Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung
Hochschule Anhalt (FH), Bernburg und Tiergarten Bernburg (Betreuung Andreas Filz), sowie Bayerwaldtierpark Lohberg, Tierpark „Hexentanzplatz“ Thale, Wildpark „Alte Fasanerie“ Klein-Auheim, Wildpark Hundshaupten, Tierfreigelände des Nationalparks Bayerischer Wald

Zusammenfassung:

Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Problematik der individuellen Erkennung und Identifizierung nachtaktiver Arten wie dem Uhu. Dabei sollte die akustische Individualerkennung als mögliche Alternative zu konventionellen Unterscheidungs- und Erkennungstechniken hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit im Feld und ihrer Eignung für künftige populationsbiologische Analysen erprobt werden.

Auf Grundlage einer Studie von Thierry Lengagne aus dem Jahr 2001 wurden von 24 Uhus, 18 aus zoologischen Einrichtungen und 6 aus freier Wildbahn, mit einem Richtmikrofon und einem 2-Kanal-Digitalrecorder Tonaufnahmen angefertigt. Diese wurden mit einer speziellen Audiosoftware bearbeitet. Für jeden Ruf konnten so sechs verschiedene Zeit- und Frequenzparameter ermittelt werden, die anschließend statistisch durch die Diskriminanzfunktionsanalyse in SPSS verglichen und ausgewertet wurden.

Die Rufe aller untersuchten Einzeltiere konnten anhand dieser Parameter zu 82,5% korrekt identifiziert werden. Dabei wurden die Rufe der männlichen Individuen zu 85,8% und die der weiblichen zu 77,3% dem entsprechenden Vogel korrekt zugeordnet. Die Identifizierungswahrscheinlichkeit bei den Wildtieren lag bei 92,3%.

Diese Ergebnisse machen drei Dinge deutlich:
1. Die Quote korrekter Rufidentifizierungen ist bei den Wildtieren am größten,
2. Die Konstanz im Rufbild der weiblichen Individuen scheint hinter der der männlichen zurückzuliegen, und
3. Die Wahrscheinlichkeit, die Einzelrufe dem jeweiligen Vogel korrekt zuzuordnen, sinkt mit der Anzahl der untersuchten Tiere.

Die Unterscheidung und Erkennung von Uhus mittels der akustischen Individualerkennung ist aufgrund dieser Ergebnisse möglich und bestätigt die Ergebnisse ähnlicher Studien. Ihre Anwendung für zukünftige populationsbiologische Studien ist trotz des eingeschränkten
Identifizierungspotentials der Diskriminanzfunktionsanalyse bei sehr großen Stichproben denkbar. Für großflächige Studien eignet sich die akustische Individualerkennung nur begrenzt.

Sie stellt jedoch eine sehr gute Möglichkeit für die Klärung spezifischer Fragestellungen dar, wie beispielsweise der Häufigkeit des Partnerwechsels einzelner Individuen, Fluktuationen zwischen
verschiedenen Brutplätzen oder der Revierpaarwechsel an bestimmten Brutplätzen auf regionaler Ebene. Darauf aufbauend könnten die Ansprüche sowie die Gefährdungssituation der Art zukünftig besser beurteilt und spezielle Schutzmaßnahmen präziser formuliert und umgesetzt werden.

Bioakustik, Individualerkennung, Rufidentifizierung, Populationsbiologie, Revierwechsel, Brutplatzwechsel, Partnerwechsel, Methodik

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx