Insektenfresser und Fledertiere

Kalong

Malaiischer Riesenflughund (Pteropus vampyrus) in der Wilhelma Stuttgart Malaiischer Riesenflughund (Pteropus vampyrus) in der Wilhelma Stuttgart
Pressefoto Wilhelma

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Fledertiere (CHIROPTERA)

Unterordnung: Flederhunde (Megachiroptera)
Familie: Flughunde (Pteropodidae)
Unterfamilie: Langnasenflughunde (Pteropodinae)

D NT 650

Malaiischer Riesenflughund, Kalong

Pteropus vampyrus • The Large Flying-Fox • La roussette de Malaisie

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Malaiische Riesenflughunde (Pteropus vampyrus) in der Wilhelma Stuttgart. Pressefoto Wilhelma

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Malaiischen Riesenflughunds (Pteropus vampyrus)

 

 

 

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Malaiischer Riesenflughund (Pteropus vampyrus) in der Wilhelma Stuttgart. Pressefoto Wilhelma

 

 

 

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Malaiischer Riesenflughund (Pteropus vampyrus) im Zoo von Singapur © Simon J. Tonge, Paignton Zoo. Veröffentlicht unter Creative Commons Attribution 3.0 Unported-Lizenz

 

 

 

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"Kalong (Pteropus edulis)" . Abbildung aus BREHMs Thierleben (1882-1887)

 

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Malaiische Riesenflughunde sind wegen ihrer Größe beeindruckende Gestalten, die möglichst in Tropenhallen und, als reine Vegetarier, auch in Schmetterlingshäuser als Botschafter für ihren gefährdeten Lebensraum, die Regenwälder Südostasiens, wirken können. In europäischen Zoos sind sie allerdings nicht so häufig, weil stärker gefährdete Arten mit kleinerem Verbreitungsgebiet bevorzugt werden.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Körperlänge von ungefähr 30 Zentimetern, einer Unterarmlänge von 18-22 cm, einer Flügelspannweite von rund 1.5 m und einem Gewicht von 0.6-1.1 kg gehört der Malaiische Riesenflughund zu den größten fliegenden Säugetieren der Welt. Seine Ohren sind lang und spitz. Wegen ihres fuchsähnlichen Kopfs und ihres oft fuchsroten Haarkleids wird die Art auf Deutsch auch Flugfuchs genannt. Die Fellfarbe kann allerdings regional und altersbedingt variieren. Die Flughäute, die zwischen den verlängerten Fingerknochen aufgespannt sind, sind im Kontrast dazu braunschwarz gefärbt [1; 3].

Verbreitung

Südostasien: Brunei, China, Indonesien, Malaysia, Myanmar, Ost-Timor, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Flugfuchs besiedelt Primär- und Sekundärwälder und geht zur Nahrungssuche auch in landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Er bildet Schlafkolonien von bis zu 20'000 Individuen. Diese hängen frei in großen Bäumen, häufig Kapok- (Ceiba pentandra) oder Durianbäumen (Durio zibethinus), und verbreiten oft einen großen Lärm. In den Abendstunden machen sich die Tiere zu ihren Nahrungsgebieten auf, die über 50 Kilometer weit entfernt liegen können. Die Männchen halten sich einen Harem von bis zu 10 Weibchen. Diese gebären nach einer Tragzeit von 140-192 Tagen ein Junges mit einem durchschnittlichen Geburtsgewicht von 133 g, seltener zwei. Das Junge wird wenige Tage mitgetragen, danach am Schlafplatz zurückgelassen, wenn die Mutter auf Futtersuche geht. Mit 2-3 Monaten wird es entwöhnt und erreicht Geschlechtsreife mit etwa 2 Jahren [1; 2; 3].

Gefährdung und Schutz

Wegen Übernutzung für den Lebensmittelhandel und des Rückgangs der primären Regenwälder haben die Bestände der Art deutlich abgenommen. Sie wird daher als potenziell gefährdet eingestuft (Rote Liste: NEAR THREATENED) [1].

Der internationale Handel mit Exemplaren aller, auch nicht gefährdeter Arten der Gattung Pteropus ist nach CITES-Anhang II geregelt. Dies deshalb, weil getötete Flughunden zu Speisezwecken tiefgefroren in Blöcken gehandelt werden, was eine Artidentifikation erschwert.

Bedeutung für den Menschen

Der Flugfuchs wird zur Fleischgewinnung bejagt - bei BREHM heißt er deshalb "Pteropus edulis", der essbare Flughund.  Für den Zeitraum 2001-2017 weist die CITES-Handelsstatistik allerdings keinen internationalen Hanel mit Fleisch aus. Lebende Wildfänge wurden während dieses Zeitraums 1'535 aus Indonesien und 18 aus Malaysia nach einer Vielzahl von Ländern ausgeführt. Ferner kann der Flugfuchs Schäden an Obstkulturen, namentlich Mango, anrichten [2; 3; 4].

Haltung

Die Haltung erfolgt in Nachttierhäusern oder in geräumigen Tropenhallen. Eine Vergesellschaftung ist mit vielen Tierarten möglich. Kalongs können recht alt werden, eine Gruppe von 4 Tieren des Singapur-Zoos war nach einer Haltungsdauer von 20 Jahren und 11 Monaten noch am Leben [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund einem Dutzend Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Forschung im Zoo: Im Rahmen einer Forschungsarbeit konnte nachgewiesen werden, dass bei in einer Tropenhalle gehaltenen Malaiischen Riesenflughunden ein Adaptationserfolg an das künstliche Habitat stattgefunden hat. Die Tiere zeigen viele Verhaltensweisen die auch im natürlichen Habitat zu ihrem Verhaltensrepertoir zählen. Auch wurde festgestellt, dass die Besucher keinen negativen Einfluss auf das Verhalten der Tiere hatten [5].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für bis zu 20 große Flughunde eine Grundfläche von mindestens 30 m² bei einer Höhe von 3 m haben. Für jedes weitere Tier kommt 1 m² zur Basisfläche dazu. Dies bedeutet gegenüber dem Gutachen’96 eine Erhöhung der Grundfläche um 50%. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos stellten dazu fest, dass es dafür keine wissenschaftlichen Grundlagen gäbe und dass aufgrund praktischer Haltungserfahrung kein Anlass für eine solche Erhöhung des minimalen Raumangebots bestehe.

Die Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 20 Tiere ebenfalls ein Innengehege von 30 m² mit einer Mindesthöhe von 3 m und für jedes weitere Tier 1 m² mehr vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) sind für 20 Tiere eine Grundfläche von 100 m² und eine Höhe von 5 m erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 10 m² zu erhöhen. Letzteres ist unsinnig, nachdem für die ersten 20 nur eine Fläche von 5 m² pro Tier verlangt wird.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter der Bezeichnung "Vespertilio vampyrus" beschrieben und kam später in die 1762 von dem französischen Zoologen Mathurin Jacques BRISSON aufgestellte Gattung Pteropus. Es werden 6 Unterarten differenziert [7].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. BATES, P. et al. (2008). Pteropus vampyrus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T18766A8593657. http://www.iucnredlist.org/details/18766/0. Downloaded on 15 May 2018.
  3. BREHM, A. E. (1882-1887)
  4. CITES TRADE DATABASE
  5. NARLOCH, M. (2011)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx