Schlank- und Stummelaffen

Nilgiri-Langur

Nilgirilangur (Presbytis johnii) im ZooPark Erfurt Nilgirilangur (Presbytis johnii) im ZooPark Erfurt
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
Tribus: Schlankaffen (Presbytini)

D VU 650

Nilgiri-Langur

Semnopithecus johnii • The Nilgiri Black Langur • Le semnopithèque des Nilgiris

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Nilgiri-Langur (Trachypithecus johnii) im ZooPark Erfurt © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Nilgiri-Langurs (Trachypithecus johnii)

 

 

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Nilgiri-Langur (Trachypithecus johnii) im ZooPark Erfurt © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Nilgiri-Langur (Trachypithecus johnii) im ZooPark Erfurt © Elias Neideck

 

 

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Nilgiri-Langur (Trachypithecus johnii),im ZooPark Erfurt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Nilgiri-Langur (Trachypithecus johnii) im ZooPark Erfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Nilgiri-Langur (Trachypithecus johnii) im natürlichen Lebensraum © © M. A. Nazeer, www.nilgirimarten.com, veröffentlicht in Wikimedia Commons unter einer Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 India license.

 

Weitere Bilder auf BioLib

Der in seiner Heimat gefährdete Nilgiri-Langur hat in Europa ein Gastspiel gegeben, das gegen 60 Jahre dauerte und auf sehr wenige importierte Tiere zurückging, deren letzte Nachkommen 2016 das Zeitliche segneten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Java-Haubenlangur gehört zu den größeren Vertretern der Schlankaffen. Die Kopf-Rumpflänge beträgt bei den Männchen 78-80 cm, bei den Weibchen 58-60 cm. Die Schwanzlänge variiert von 68-96 cm. Männchen werden etwa 11.8-13.6 kg schwer, Weibchen 9.8-11.3 kg. Rund um das unbehaarte Gesicht befindet sich ein Kranz nach vorne gerichteter Haare. Das Fell ist schwarz, am Kopf hell goldbraun, was nach den Bildern aus dem ZooPark Erfurt offenbar nicht für alle Tiere zutrifft. Als Farbe des Gesichts wird in der Literatur ein verwaschenes Braun mit purpurrötlicher Tönung angegeben [1; 7].

Verbreitung

Indien: Bundesstaaten Karnataka, Kerala, Tamil Nadu [5]

Lebensraum und Lebensweise

Der Nilgiri-Langur lebt, wie z.B. der Wanderu, in den Westghats, wo er verschiedene Waldtypen in Höhenlagen von 300 bis 2000 m bewohnt. Er frisst vornehmlich Laub, nimmt aber auch Blüten und Knospen und sucht Gärten auf, um sich an Gemüse gütlich zu tun. Typischerweise leben die tagaktiven Nilgiri-Languren in Haremsgruppen, die meist 9-10 Tiere umfassen. Überzählige Männchen bilden Junggesellenverbände. Die  Streifgebiete  der Gruppen haben einen Umfang von 5-260 ha [5; 7].

In Abständen von 1.5-2 Jahren bringen die Weibchen jeweils ein einzelnes Jungtier zur Welt, das ein helles Gesicht und ein rotbraunes Jungenkleid hat. Innerhalb von 4-5 Monaten dunkelt die Farbe ab. Die Jungen werden meist von Mai bis November geboren [7].

Gefährdung und Schutz

Der geschätzte Bestand von 20'000 Tieren (9'500-10'000 Adulte) verteilt sich auf mehrere fragmentierte Subpopulationen, von denen keine mehr als 1'000 erwachsene Individuen umfasst. Die Affen werden illegal bejagt, kommen andererseits auch in mehreren Schutzgebieten vor, aber generell nehmen Lebensraumqualität und Bestände ab. Aus diesen Gründen gilt die Art aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008, letztmals überprüft 2015, als gefährdet (Rote Liste: VULNERABLE) [2].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Der Nilgiri-Langur wird zur Gewinnung von Fleisch, von Häuten, die zur Herstellung von Trommeln verwendet werden, sowie von weiteren Körperteilen für die Zwecke der traditionellen Medizin bejagt [5].

Von 1977-2017 wurden keinerlei Exporte aus Indien registriert. Im selben Zeitraum wurden auch keine Nachzuchttiere über internationale Grenzen verschoben [4].

Haltung

WEIGL gibt als Höchstalter 34 Jahre  an, erreicht von einem während 32 Jahren und 8 Monaten in den Zoos von Hannover und Erfurt im Erfurter ZooPark gehaltenen Weibchen [6].

Haltung in europäischen Zoos: Um die 1960er Jahren hielten mehrere Zoos Nilgiri-Languren, die über den Tierhandel (George MUNRO) nach Europa gelangt waren.  Die Haltungsdauer und noch mehr die Zuchterfolge waren aber meist bescheiden. 1969 trafen 2.1 Nilgiri-Languren im ZooPark Erfurt ein. Die beiden Männchen lebten nur 4 bzw. 5 Jahre in Erfurt, das Weibchen dagegen 31 Jahre. 1972 gebar sie einen Sohn, mit dem sie später vier Nachkommen hatte. Von diesen lebte das erste nur zwei Tage, ein Sohn 24 Jahre und 1.1 waren 2014 noch im Bestand. Es waren dies die einzigen Nilgiri-Languren außerhalb Indiens [2]. Sie starben 2016 im Alter von 27 und 29 Jahren (ELIOMYS 2016 (2): 25-27).

Mindestanforderungen an Gehege: Die Vorgaben des Säugetiergutachtens 2014 des BMEL, der Schweizerischen Tierschutzverordnung und der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs entsprechen jenen für den Hulman.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Nilgiri-Langur wurde 1829 von dem deutschen Arzt und Naturforscher Johann Baptist FISCHER aus München unter dem Namen "Cercopithecus johnii" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Später kam er in die vom sächsischen Zoologen Heinrich Gottlieb Ludwig REICHENBACH aufgestellte Gattung Kasi, die in der Folge als Untergattung von Presbytis [1; 3], später von Trachypithecus [5; 8] galt. Neuerdings wird die Art aufgrund molekulargenetischer Kriterien in die Gattung Semnopithecus gestellt [7].

Literatur und Internetquellen

  1. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  2. BLASZKIEWITZ, B. (2012)
  3. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. SINGH, M., KUMARA, H.N. & KUMAR, A. 2020. Semnopithecus johnii. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T44694A17958623. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T44694A17958623.en . Downloaded on 28 February 2021.
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 2650 mal Letzte Änderung am Sonntag, 28 Februar 2021 15:34
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx