Aras und Keilschwanz-Sittiche

Kolumbiasittich

Kolumbiasittiche (Aratinga w. wagleri) im Loro Parque, Tenerife Kolumbiasittiche (Aratinga w. wagleri) im Loro Parque, Tenerife
Loro Parque

Ordnung: Papageienvögel (PSITTACIFORMES)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)

D NT 650

Kolumbiasittiche

Aratinga (=Psittacara) wagleri / frontatus • The Red-fronted Conure • La conure de Wagler

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Kolumbiasittich (Aratinga wagleri minor) im Loro Parque, Tenerife © Jirka Schmidt, Riesa

 

 

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Approximative Verbreitung der Kolumbiasittiche. Dunkelblau: A. w. wagleri mit transilis, rot: A. w. frontatus mit minor

 

 

 

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Der Artkomplex der Kolumbiasittiche, der nach gegenwärtiger Beurteilung aus zwei potenziell gefährdeten Arten besteht, war in europäischen Zoos nie häufig und ist heute nur noch selten zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Kolumbiasittich wird 36-40 cm lang und 162-217 g schwer. Der Schnabel ist hornfarben, die Iris rötlich, der recht breite unbefiederte Augenring weiß. Stirn und Scheitel sind rot, teilweise ist ein rotes Halsband vorhanden.  Der Flügelbug ist je nach Unterart rot oder grün. Ansonsten ist das Gefieder grün [3; 4; 6; 7]. 

Verbreitung

Südamerika: frontatus: Ekuador, Peru; wagleri: Kolumbien, Venezuela [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Kolumbiasittich besiedelt unterschiedliche Waldtypen und Buschland, hauptsächlich in Höhenlagen von 350-3000 m. Über seine Ernährung im natürlichen Verbreitungsgebiet gibt es keine Informationen, abgesehen davon, dass er gelegentlich Maisfelder heimsucht. Das Gelege besteht aus 2-4 Eiern, die während etwa 23 Tagen bebrütet werden. Die Küken werden mit etwa 50 Tagen flügge [1; 4].

Gefährdung und Schutz

Die Gesamtpopulation wurde noch nicht bestimmt, aber die Bestände scheinen eher zurückzugehen. Trotzdem wurde der Kolumbiasittich nicht als gefährdet betrachtet, da er ein sehr großes Verbreitungsgebiet hat und noch häufig ist. Nachdem aber Aratinga wagleri in zwei Arten, Psittacara wagleri und P. frontatus aufgesplittet wurde, wurden beide "Arten" 2014 als potenziell gefährdet eingestuft (Rote Liste: NEAR THREATENED) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die vier Ursprungsländer registrierten von 2001-2018 keinerlei Ausfuhren von Wildfängen. Im selben Zeitraum wurde weltweit nur ein Nachzuchtvogel bei der Ausfuhr erfasst [2].

Haltung

Die Erstzucht gelang erst 1957 in den Vereinigten Staaten [7]. Das  Höchstalter in Menschenobhut wird mit 24 Jahren und 10 Monaten angegeben [9].

Haltung in europäischen Zoos: Beide Formen werden nur selten in europäischen Zoos gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 2 m² und einer Höhe von 1 m erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) sind Kolumbiasittiche mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.7 m² und einer Höhe von 120 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.1 m² zu erweitern. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 4 x 2 m Fläche und einer Höhe von 2 m sowie einen Schutzraum von 2 m² / 1 m Höhe mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Den Vögeln müssen ganzjährig geeignete Schlafkästen zur Verfügung gestellt werden. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Kolumbiasittich wurde 1845 von dem britischen Zoologen George Robert GRAY als "Conurus wagleri" erstmals wissenschaftlich beschrieben und wurde später der von SPIX bereits 1824 eingeführten Gattung Aratinga zugeordnet [4].

Aratinga wagleri ist eine von sechs Vogelarten, die zu Ehren des Zoologen Johann Georg WAGLER (1800-1832) benannt wurden. WAGLER war Assistent des berühmten Naturwissenschaftlers Johann Baptist Ritter von SPIX und wurde nach dessen Tod schon in jungen Jahren Direktor des Zoologischen Museums der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er vor allem Material bearbeitete, das SPIX in Brasilien gesammelt hatte. 1832 verfasste er eine Monographia Psittacorum, in der er auch den Spix-Ara beschrieb [8].

Den Molekulargenetikern sei Dank wird der Kolumbiasittich seit 2008 in die Gattung Psittacara gestellt, ferner wurden die bisherigen vier Unterarten auf zwei Arten verteilt [5].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Psittacara wagleri. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T62293391A95196807. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T62293391A95196807.en . Downloaded on 07 August 2019.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. DE GRAHL, W. (1979/82)
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  6. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  7. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  8. STRUNDEN, H. (1984)
  9. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx