Plattschweif-Sittiche

Hornsittich

Hornsittich (Eunymphicus cornutus) im Weltvogelpark Walsrode Hornsittich (Eunymphicus cornutus) im Weltvogelpark Walsrode
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Papageienvögel (PSITTACIFORMES)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Plattschweifsittiche (Platycercini)

D VU 650

Hornsittich

Eunymphicus cornutus • The Horned Parakeet • La perruche cornue

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Hornsittich (Eunymphicus cornutus) im Loro Parque, Puerto de la Cruz, Tenerife © Loro Parque

 

 

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Verbreitung des Hornsittichs (Eunymphicus cornutus)

 

 

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Hornsittich (Eunymphicus uvaeensis) im Welt-Vogelpark Walsrode © Jirka Schmidt, Riesa

 

 

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Hornsittich (Eunymphicus uvaeensis) im Zoo Wuppertal © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Hornsittich (Eunymphicus cornutus). Illustration von Joseph SMIT (1882) in den Proceedings of the Zoological Society of London. Gemeinfrei.

 

 

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Hornsittich (Eunymphicus cornutus). Illustration von Joseph SMIT (1882) in den Proceedings of the Zoological Society of London. Gemeinfrei.

 

 

 

 

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Der in seiner Heimat Neukaledonien gefährdete Hornsittich wird nur selten in europäischen Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Hornsittich erreicht eine Gesamtlänge von 32 cm  und ein Gewicht von 80-100 g. Sein Schnabel ist grauschwarz mit mit hellgrauer Oberschnabelbasis, die Iris orange, und die Füße sind dunkelgrau. Das Gefieder ist grün bis gelbgrün mit einem roten Stirnband und schwarz und tiefgelber Kopfzeichnung. Auf dem Scheitel befinden sich bis 8 cm lange, schmale schwarze Federn mir roter Spitze. Die Weibchen sind etwas kleiner und haben schmalere und kürzere Scheitelfedern und eine blassere Gesichtsmaske [1; 5; 6; 8; 9]. 

Verbreitung

Australasien: Neukaledonien [2].

Lebensraum und Lebensweise

Der Hornsittich  besiedelt Feucht- und Trockenwälder und sucht zeitweilig Trockensavannen auf. Die Vögel leben einzeln, in Paaren oder kleinen Gruppen. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Samen, Beeren, Nüsse, Blätter, Knospen und vermutlich auch Insekten. Gebrütet wird oft in bodennahen Baumhöhlen, unter Wurzeln oder schräg wachsenden Baumstämmen und in Spalten zwischen Felsblöcken. Das Gelege besteht aus 3-4 (2-5) Eiern, die allein vom Weibchen während 21-22 Tagen ausgebrütet werden, wobei sich das Männchen oft mit in die Bruthöhle setzt. Die Jungen verlassen das Nest mit 35-45 Tagen [1; 6; 9] 

Gefährdung und Schutz

Diese Art wurde 2009 auf der Roten Liste zurückgestuft. Nach neuesten Bestandsaufnahmen gibt es wieder mehr als 5'000 erwachsenen Vögel. Sie wird nun als gefährdet taxiert, weil die Population immer noch relativ klein ist und es nicht mehrere Subpopulationen gibt (Rote Liste: VULNERABLE) [2].

Zumindest teilweise war der frühere Bestandsrückgangs des Hornsittichs durch gebietsfremde, eingeführte Tierarten bedingt: Timorhirsche (Rusa timorensis) trugen zur Habitatverschlechterung bei. Ratten werden verdächtigt, Nester auszurauben, und mit Psittaziden wurde ein hochansteckendes Circovirus eingeschleppt, das die „Feder- und Schnabelkrankheit der Papageien“ (Psittacine Beak and Feather Disease, PBFD) verursacht, eine zumeist tödlich verlaufende Krankheit [2].

Der internationale Handel war nach CITES-Anhang II geregelt bis die Art im April 2000 nach Anhang I transferiert wurde.

Bedeutung für den Menschen

Die Vögel werden für den lokalen Heimtiermarkt gefangen [2]. CITES behandelt uvaeensis als Unterart von cornutus und weist die Handelszahlen nicht separat aus. Kombinbiert (cornutus / uvaeensis) wurden von 1981-2018 aus Neukaledonien 31 Wildfänge ausgeführt, letztmals im Jahr 1993. Im selben Zeitraum wurden weltweit bei der Ausfuhr 454 Nachzuchtvögel registriert. Davon kamen 148 aus der Schweiz [4].

Haltung

Als Höchstalter werden 19 Jahre und 8 Monate angegeben. Die Erstzucht glückte bereits 1881 in Frankreich: Der heutige europäische Bestand geht im Wesentlichen auf die Einfuhr von 10 Paaren im Jahr 1976 in die Schweiz zurück. Ungeachtet tieferer gesetzlicher oder behördlicher Mindestanforderungen sollte den Vögeln eine 3-4 m lange Außenvoliere mit anschließendem leicht temperierten Schutzraum angeboten werden. Eine Vergesellschaftung mit anderen Arten ist möglich: Im Weltvogelpark Walsrode z.B. werden Hornsittiche zusammen mit Pflaumenkopfsittichen gehalten, im Walter Zoo in Gossau SG in einer begehbaren Voliere zusammen mit Wellensittichen, Colletsittichen und Rosakakadus [1; 3; 9].

Die Art wird in rund einem Dutzend Zoos gezeigt, von denen sich ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 2 m² und einer Höhe von 1 m erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind  Hornsittiche mindestens paarweise zu halten. Für 6 (!) Vögel ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.5 m² und einer Höhe von 60 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.05 m² zu erweitern. Dies ist für die Art sicher nicht adäquat. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 4 x 2 m Fläche und einer Höhe von 2 m sowie einen frostfreien Schutzraum von 2 m² / 1 m Höhe vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Hornsittich wurde im Rahmen der zweiten Weltumseglung (1772-75) von James COOK von dem aus der Danziger Gegend stammenden Naturforscher Johann Reinhold FORSTER und dessen Sohn Johann Georg auf Neukaledonien gesammelt, gezeichnet und danach von John LATHAM in seiner "General Synopsis of Birds" (1781-85) beschrieben und 1788 von Johann Friedrich GMELIN im Rahmen der 13. Auflage des "Systema Naturae" als "Psittacus cornutus"wissenschaftlich benannt. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Eunymphicus wurde 1937 von James Lee PETERS, dem Vogelkurator des Zoologischen Museums der Harvard Universität eingeführt. Bis vor Kurzem wurde uvaeensis als Unterart von cornutus angesehen [6; 7; 10].

Literatur und Internetquellen

  1. ASMUS, J. & LANTERMANN, W. (2012)
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Eunymphicus cornutus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22685185A93062058. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22685185A93062058.en . Downloaded on 26 August 2019.
  3. BROUWER, K., JONES, M. L., KING, C. E. und SCHIFTER, H. (2000)
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. DE GRAHL, W. (1979/82)
  6. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  7. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  8. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  9. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  10. STRUNDEN, H. (1984)

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Gelesen 830 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 10 Juni 2020 10:20
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx