Kakadus

Nasenkakadu

Nasenkakadu (Cacatua tenuirostris) im Zoo Berlin Nasenkakadu (Cacatua tenuirostris) im Zoo Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Papageienvögel (Psittaciformes)
Familie: Kakadus (Cacatuidae)
Unterfamilie: Graue und Weiße Kakadus (Cacatuinae)

D LC 650

Nasenkakadu

Cacatua tenuirostris • The Long-billed Corella • Le cacatoès nasique

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Nasenkakadus (Cacatua tenuirostris) im Loro Parque, Tenerife © Matthias Reinschmidt, ehemals Loro Parque

 

 

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Approximative Verbreitung des Nasenkakadus (Cacatua tenuirostris). Blau: autochthone Verbreitung; rot: eingeführte Populationen

 

 

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Junger Nasenkakadu (Cacatua tenuirostris) im Loro Parque, Tenerife © Matthias Reinschmidt, ehemals Loro Parque

 

 

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Der in seiner Heimat nicht gefährdete Nasenkakadu hat als Alleinstellungsmerkmal einen stark verlängerten Oberschnabel. In europäischen Zoos ist er nicht oft zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der englische Name dieses 38 (37-40) cm langen Kakadus, "Long-billed corella", ist treffender als das deutsche "Nasenkakadu", denn es ist der Oberschnabel, der auf bis zu 53 mm stark verlängert ist und zum Ausgraben von Nahrung eingesetzt wird. Das Gefieder ist vorwiegend weiß mit roten Federpartien im Gesicht und einem roten Band quer über die Kehle. Die Flügel- und Schwanzunterseiten sind gelb. Der Schnabel ist hell hornfarben, die Iris dunkelbraun, der unbefiederte Augenring blau und die Füße sind grau [2; 4; 6; 7].

Verbreitung

Australien: Südaustralien, Victoria und New South Wales. Eingeführt in anderen Teilstaaten Australiens [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Nasenkakadu besiedelt lockere Eukalyptuswälder und Grasland in Regionen mit 250-800 mm Jahresniederschlag. Außerhalb der Fortpflanzungsperiode fliegen die Vögel in großen Schwärmen aufs offene Land, wo sie die Bodenoberfläche nach Fressbarem absuchen oder nach Wurzeln und Knollen graben, was sie bei den Landwirten nicht gerade beliebt macht. Genistet wird dagegen im Wald. Das Nest befindet sich meist in einer Baumhöhle in einem hohen Eukalyptus in Wassernähe. Das Gelege besteht aus zwei, selten drei Eiern, die während 24-28 Tagen von beiden Eltern bebrütet werden. Die Küken werden mit 50-70 Tagen flügge [4; 6; 7]. 

Gefährdung und Schutz

Obwohl der Nasenkakadu nur ein beschränktes Verbreitungsgebiet hat, existieren wahrscheinlich noch mehr als 100'000 Tiere und die Bestände nehmen eher zu. Er wurde deshalb letztmals 2016 nicht als gefährdet beurteilt (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Von 2001-2018 wurden aus Australien nur etwas Wissenschaftsmaterial, aber keine lebenden Wildfänge ausgeführt. Im selben Zeitraum wurden weltweit 391 Nachzuchtvögel bei der Ausfuhr registriert. Davon kamen 157 aus Neuseeland [3].

Haltung

Nasenkakadus sollen bereits 1854 in Italien erfolgreich gezüchtet haben. Kakadus können sehr alt werden. 1958 starb im Londoner Zoo ein Nasenkakadu, der 106 Jahre alt gewesen sein soll [8]. Eine andere Quelle gibt 43 Jahre und 5 Monate an [9].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 20 Zoos gezeigt, von denen sich wenige im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 2 m² und einer Höhe von 1 m erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) sind kleine Kakadus mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.7 m² und einer Höhe von 120 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.1 m² zu erweitern. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 6 m² Fläche und einer Höhe von 2m sowie bei Außenhaltung einen Schutzraum von 1 m² Fläche / 2 m Höhe und einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar ist die Fläche um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Wissenschaftlich wurde der Nasenkakadu 1820 vom Hanauer Naturforscher Heinrich KUHL in seinem "Conspectus Psittacorum" als "Psittacus tenuirostris" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Cacatua war bereits 1817 von dem französischen Ornithologen Louis Jean Pierre VIEILLOT eingeführt worden. Früher wurden C. tenuirostis und C. pastinator als Unterarten derselben Art betrachtet [4; 5; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Cacatua tenuirostris. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22684820A93048181. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22684820A93048181.en . Downloaded on 10 August 2019.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  6. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  7. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  8. STRUNDEN, H. (1984)
  9. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx