Eulen und Schleiereulen

Wiederansiedlung Uhu

Uhu (Bubo bubo) Uhu (Bubo bubo)
Natur- und Tierpark Goldau

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Wiederansiedlung des Uhus in Deutschland

Tierpark Berlin, Zoo Vivarium Darmstadt, Zoo Duisburg, Ruhr-Zoo Gelsenkirchen, Zoo Schwerin, Wilhelma Stuttgart, Zoo Wuppertal und weitere

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Uhu mit Küken in der Stuttgarter Wilhelma (2008)
In Westdeutschland starb der Uhu in Schleswig-Holstein um 1875 aus, in Niedersachsen ebenfalls im 19. Jahrhundert, bis auf den Harz, wo er bis etwa 1940 überlebte. In Nordrhein-Westfalen verschwand er um 1910, in Hessen um 1911, im Saarland um 1922 und in Baden-Württemberg um 1937. Zu Beginn der 1960er-Jahre gab es in der Bundesrepublik Uhus nur noch in Bayern und in der damaligen DDR in Thüringen [2;4].

Ursachen für das Verschwinden waren Abschuss und Fang, wofür im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts noch staatliche Prämien ausgerichtet wurden, sowie die Aushorstung von Jungvögeln für den Tierhandel [7].

Grundsätzlich wird die Wiederansiedlung von in Menschenobhut geborenen Eulen als sinnvoller Beitrag zum Artenschutz angesehen [4; 6], sofern bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten werden. Zwischen 1910 und 1937 gab es unkoordinierte Wiederansiedlungversuche. Trotzdem nahm der Bestand von rund 200 Brutpaaren auf rund die Hälfte ab. Um 1970 wurde unter der Ägide des Deutschen Bundes für Vogelschutz, des heutigen NABU eine Aktion zur Wiederauswilderung des Uhus (AZWU) initiiert, an der sich zahlreiche Zoos und auch Privathalter durch das Bereitstellen von Nachzucht-Uhus beteiligten. Diese konnten pro Jahr etwa 80 Jungvögel bereitstellen, weitere Vögel wurden importiert [4]. An einer ersten Serie von Freilassungen im Südschwarzwald von 1967-1971 beteiligte sich der Zoo Wuppertal mit drei Vögeln [7]. Im Harz begann das Wiederansiedlungsprogramm 1973 [2]. Von 1982 bis 1993 gab das Zoo Vivarium Darmstadt insgesamt 30 drei bis fünf Monate alte Jungvögel zur Wiederansiedlung in der Eifel an das Projekt ab. Von 1976 bis 1993 steuerte auch die Wilhelma Stuttgart 35 Vögel bei, und vom damaligen Ruhr-Zoo Gelsenkirchen erhielt die Aktion in den 1980er-Jahren 30 Vögel. Nicht wenige der Uhunachzuchten des Duisburger Zoos wurden in Nordrhein-Westfalen ausgewildert, wo das Programm 1993 mit einem Bestand von 219 Brutpaaren abgeschlossen werden konnte.

Auch aus der Schweiz wurden Vögel geliefert, so sandte der Zoo Zürich zwei Uhus für das Programm an den Saupark Springe [3].

Insgesamt wurden in Deutschland zwischen 1974 und 1994 fast dreitausend Uhus ausgewildert [1]. Dem Programm war ein voller Erfolg beschieden. 1980 gab es in Deutschland wieder etwa 200 Brutpaare, im Jahr 2000 waren es bereits rund 700 [5].

Literatur und Internetquellen:

  1. BERGERHAUSEN, W. (1994)
  2. BEZZEL, E. (1985)
  3. DOLLINGER, P. & GESER, S. (2005)
  4. FRANKENBERG, O. von, HERRLINGER, E. & BERGERHAUSEN, W. (1983)
  5. LINGENHÖHL, D. (online)
  6. RADLER, K. & BERGERHAUSEN, W. (1988)
  7. ROCKENBAUCH, D. (1978)
  8. VELTE, V. (2012)
  9. AG Eulen
  10. EGE-Eulen

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Bestandsstützung und Wiederansiedlung in der Schweiz

Zoo Basel, Tierpark Bern, Natur- und Tierpark Goldau, Zoo Zürich und weitere

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Verbreitung des Uhus in der Schweiz 1950-59. Quelle: Schweizerische Vogelwarte Sempach

 

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Verbreitung des Uhus in der Schweiz 2013-2016. Quelle: Schweizerische Vogelwarte Sempach

In der Schweiz erloschen ab dem 19. Jahrhundert die Brutvorkommen im Jura, im Mittelland, in den nordwestlichen Nordalpen und in der Zentralschweiz. 1926 wurde ein Jagdverbot eingeführt. Anfangs der 1960er Jahre gab es aber trotzdem landesweit erst wieder 30-50 Brutpaare und die Verbreitung beschränkte sich auf den Alpenraum, namentlich die Ostalpen [3].

Im Jura begannen die Kantone der Nordwestschweiz 1972 ein Wiederansiedlungsprogramm, in dessen Rahmen  mindestens 162 Uhus freigelassen wurden [3]. Mindestens 50 dieser Vögel stammten aus den Zoos von Basel, Bern, Goldau und Zürich sowie weiteren Parks [1]. 1976 wurde die erste Freilandbrut festgestellt und heute ist der Bestand gesichert.

Weitere Auswilderungen fanden in den Kantonen Zürich und Schaffhausen mit insgesamt 106 Vögeln statt [3].

2013-2016 wurde der Schweizer Bestand auf 200-230 Paare geschätzt. Die meisten Uhus brüten entlang der grösseren Alpentäler, viele auch im Jura und einzelne im Mittelland [2].

Literatur und Internetquellen:

  1. DOLLINGER, P. & GESER, S. (2005)
  2. KNAUS, P., ANTONIAZZA, S., WECHSLER, S., GUÉLAT, J., KÉRY, M., STREBEL, N. & SATTLER, T. (2018)
  3. MAUMARY, L. , VALLOTTON, L. & KNAUS P. (2007)

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Wiederansiedlungen in Schweden

Furuviks Parken, Järvzoo, Kolmårdens Djurpark, Nordens Ark Orsa Rovdjurspark, Skansens Djurpark, Skånes Djurpark 

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Anzahl der bis 1996 in den einzelnen Landesteilen ausgewilderten Uhus. Schraffiert: Vorkommen der ursprünglichen Restpopulation. Nach OLSSON (1997)

1959, als der Uhu in Schweden unter Schutz gestellt wurde, war er bis auf einen kleinen Restbestand entlang der Ostseeküste im Südosten des Landes aUsgerottet. Im Rahmen eines 1968 initiierten nationalen Programms wurden von 1969-2000 wurden 3'381 Nachzuchtvögel in fast allen Teilen Schwedens ausgewildert, wobei eine Pufferzone zur bestehenden Population ausgespart wurde. 1982 war die Brutpopulation der ausgewilderten bzw. von diesen abstammenden Vögeln etwa gleich groß wie der ursprüngliche Bestand. In den 1990er-Jahren begannen sich die beiden Populationen zu vermischen, und 1996 lag der Gesamtbestand bei etwa 400, im Jahr 2000 bei 475 Brutpaaren [1; 2]. Er stieg vorerst noch weiter an, hat aber in den letzten Jahren wieder abgenommen und dürfte gegenwärtig unter 500 Paaren liegen [4].

Die Wiederansiedlung gliederte sich in die Teilprojekte Südwest, Norrland, Dalarna, Småland und Schonen. Manche davon sind inzwischen abgeschlossen, in einzelnen Regionen werden aber immer noch Junguhus ausgewildert. Der Zoo Nordens Ark in Åby säteri (Bohus Län, Südwestschweden) war von Anfang an und ist heute noch an dem Programm beteiligt [3].

Literatur und Internetquellen:

  1. OLSSON, V. (1997)
  2. JÄRVZOO
  3. NORDENS ARK
  4. SLU - ARTDATABANKEN. Abgerufen am 94.02.2022

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx