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KANDLER, C. (2010)

Analyse des nächtlichen Verhaltens von Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) in Menschenobhut unter Anwendung chronoethologischer Methoden.

Analyses of the nocturnal behavior of African elephants (Loxodonta africana) in captivity with chronoethological methods.

Dissertation

147 Seiten

Neurobiologie Circadianer Rhythmen, Prof. Dr. G. Fleissner
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
Opel-Zoo Kronberg

Diese Dissertation steht außerhalb der Universitätsbibliothek Frankfurt leider (aus urheberrechtlichen Gründen) nicht im Volltext zur Verfügung, die CD-ROM kann (auch über Fernleihe) bei der UB Frankfurt am Main ausgeliehen werden.

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Zusammenfassung:

Elefanten sind die größten landlebenden Säugetiere und werden schon seit Jahrhunderten in Menschenobhut gehalten. In der heutigen Zeit liegt der Schwerpunkt der Elefantenhaltung auf dem Unterbringen dieser anspruchsvollen Tiere in verhaltensgerechten Bedingungen, die auch das Wohlbefinden der Tiere berücksichtigen. Es mangelt jedoch an langfristigen Studien, die Veränderungen im Verhalten und im Wohlbefinden von Elefanten in Menschenobhut erforschen. Vor allem das nächtliche Verhalten fand bisher wenig Beachtung, obwohl Studien im natürlichen Lebensraum als auch in Menschenobhut zeigen, dass Elefanten den größten Teil der Nacht aktiv sind. Die vorliegende Studie konzentriert sich daher auf eine langfristige Überwachung des nächtlichen Verhaltens von Afrikanischen Elefanten und stellt, unter Anwendung chronoethologischer Methoden, die haltungsbedingten Einflüsse auf das Verhaltensmuster dar. Es wurden insgesamt 16 Afrikanische Elefanten (Loxodonta africana) mit Zeitraffer-Videoaufnahmen überwacht, im Opel-Zoo in Kronberg 600 Nächte, im Tiergarten Schönbrunn in Wien 300 Nächte und im Wuppertaler Zoo 70 Nächte. Dies ergibt bei einer Erfassungszeit von jeweils 16:00 Uhr bis 8:00 Uhr für alle Elefanten zusammen eine Summe von 64.320 Stunden Verhaltensregistrierung. Es konnte nachgewiesen werden, dass das nächtliche Verhalten von Elefanten durch die Haltungsbedingungen beeinflusst wird. Drei Haltungssysteme konnten zum ersten Mal in einer Studie direkt miteinander verglichen und Unterschiede aufgezeigt werden. Auch eine saisonale Abhängigkeit des nächtlichen Verhaltens konnte beobachtet werden. Es stellte sich heraus, dass Elefanten im Winter mehr und früher schlafen als im Sommer. Dies muss im nächtlichen Management berücksichtigt werden. Soziale Kontakte beeinflussen das nächtliche Verhalten ebenfalls. Es konnte erstmals beschrieben werden, dass Elefanten sich gegenseitig aus dem „Schlaf im Liegen“ aufwecken und dieses „Aufwecken“ einen Einfluss auf die Schlafdauer im Liegen hat. Die Verfügbarkeit von Nahrung ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Es konnte gezeigt werden, wie Elefanten zu unterschiedlichen Zeiten der Nacht auf zusätzliche Futtergaben reagieren und dass sie zu bestimmten Zeiten durch das zusätzliche Nahrungsangebot gestört werden. Unter Anwendung chronoethologischer Methoden konnte herausgearbeitet werden, dass Störungen im nächtlichen Verhaltensmuster durch vermehrtes „Weben“ erhöhte „Lokomotion“ und Reduzierung des Schlafverhaltens angezeigt werden. Beim Auftreten von Krankheiten mit Schmerzen wird die schmerzende Stelle gekühlt, indem sie mit z.B. Matsch beworfen wird. Die in dieser Studie dargestellten Einflüsse auf das nächtliche Verhalten von Afrikanischen Elefanten wurden vorher noch nicht beschrieben oder systematisch untersucht. Sie stellen wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Haltung und das Management von Elefanten dar, sowohl im Hinblick auf eine weitere Optimierung als auch in Bezug auf die Beurteilung ihres Wohlbefindens.

Abstract:

Elephants are the biggest mammals living on land and they live in captivity for hundreds of years. In this day and age the focus in elephant husbandry is on keeping conditions which fulfil the behavioral needs of elephants and consider animal welfare. There is a lack of studies in which elephants in captivity were observed over a longer period of time to see changes in behavior and animal welfare. Especially there is only little research about the nocturnal behavior, even though studies in the wild and captivity show that elephants are active most of the time during night. This study has the focus on a long time observation of nocturnal behavior of captive African Elephants. The aim of the study was to analyze the influence of keeping conditions on the time pattern behavior, based on the use of chronoethological methods. In total 16 African Elephants (Loxodonta africana) were observed with time-lapse video recordings, in the Opel-Zoo for 600 nights, in the Vienna zoo 300 nights and in the zoo Wuppertal 70 nights. The monitoring lasts from 16:00 to 8:00 (16 h per night) and for all elephants together 64.320 hours of behavioral recordings.
With this long time study it was possible to show the influences of husbandry conditions on the nocturnal behavior of African elephants in captivity. Three different keeping conditions could be compared directly in one study for the first time and differences in behavior could be shown. Also a seasonal dependency was shown in the elephant nocturnal behavior. Elephants sleep more and earlier in winter than in summer. It is necessary to keep this in mind for a better husbandry. Furthermore the sleep of elephants is influenced through social contacts. Elephants wake the other herd members when they lie down for sleep and this has influence on the duration of sleep in a lying position. The availability of food is an important factor too. It was possible to show how elephants react on additional food given at variable times during night and that they feel disturbed at certain times within the night. Disturbances in the nocturnal time pattern were indicated on the one hand by an increase of the behavioral categories “weaving” and “locomotion” and on the other hand by a decrease in sleep. In addition elephants increase to throw things on their body when they are ill and have pain.
The influences on the nocturnal time pattern were not described or systematically studied prior to that study. Important conclusions for husbandry and better keeping conditions in future could be drawn from this study, as well as for evaluation of elephant well-being.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx