Trut-, Raufuß-, Perlhühner

Haselhuhn

Haselhenne (Bonasa bonasia) im Tierfreigelände des Nationalparks Bayerischer Wald Haselhenne (Bonasa bonasia) im Tierfreigelände des Nationalparks Bayerischer Wald
© Rainer Simonis, Nationalpark Bayerischer Wald

Ordnung: Hühnervögel (GALLIFORMES)
Unterordnung: Fasanenverwandte (PHASIANI)
Familie: Raufußhühner (Tetraonidae)

D LC 650 

Haselhuhn

Bonasa bonasia • The Hazel Hen • La gélinotte des bois

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Haselhahn (Bonasa bonasia) im Tierfreigelände des Nationalparks Bayerischer Wald © Rainer Simons, Nationalpark Bayerischer Wald

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Haselhuhns (Bonasa bonasia)

 

 

 

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Haselhahn (Bonasa bonasia) im Tierpark Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Haselhahn (Bonasa bonasia) im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzoo

 

 

 

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Haselhahn (Bonasa bonasia) - Aquarell von Johann Friedrich Naumann (1780-1857)

 

 

 

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Jahresstrecken Haselhahn (Bonasa bonasia) in Österreich (REIMOSER & REIMOSER, 2006)

 

 

 

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Als einheimische und gebietsweise gefährdete oder stark gefährdete Art ist das Haselhuhn von zoopädagogischem Interesse. Es wird allerdings deutlich seltener gehalten als seine auffälligeren und spektakuläreren Verwandten Auer- und Birkhuhn.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Haselhuhn erreicht eine Gesamtlänge von 35-37 cm, wovon 11-13 cm auf den Schwanz entfallen, eine Flügelspannweite von 48-54 cm und ein Gewicht von 315-500 g. Das Gefieder ist oberseits grau- und rostbraun und wirkt baumrindenartig, die Brust ist weiß mit brauner Fleckung. Der Hahn hat eine schwarze Kehle, bei der Henne ist sie weißlich. Die Vögel haben eine kleine Haube, die bei Erregung aufgestellt wird [3; 5; 7; 8; 12].

Verbreitung

Paläarktis: Zentral-, Ost- und Nordeuropa, Nördliche Regionen Asiens [1].

Lebensraum und Lebensweise

Das Haselhuhn bewohnt große, reich strukturierte Nadel- und Mischwälder mit gut entwickelter Kraut- und Strauchschicht. Auch reine Laubwälder und Wald-Wiesenmosaike werden besiedelt. Die Nahrung besteht im Winter hauptsächlich aus Knospen, Kätzchen und Trieben von Weichholzbäumen, während der Vegetationsperiode kommen Blüten, Blätter, Beeren Eicheln und Nüsse dazu. Auch Insekten und andere Wirbellose werden gefressen, während der ersten 10 Lebenstage stellen Arthropoden beinahe die ausschließliche Nahrung der Küken dar. Haselhühner leben paarweise. Im Herbst und im Frühjahr gibt es je eine Balzperiode. Die meist 7-11 cremefarbenen, 41x29 mm großen Eier werden gewöhnlich in der zweiten Hälfte April oder im Mai gelegt. Die Küken schlüpfen nach 22-25 Tagen. Sie sind schon mit zwei Wochen flugfähig, bleiben aber bis im August bei der Henne [3; 5; 6, 7; 8].

Gefährdung, Schutz und jagdliche Nutzung

Mit einer weiten Verbreitung und einem Bestand der irgendwo zwischen 9 und 20 Millionen erwachsenen Vögeln liegt, ist die Art weltweit nicht gefährdet [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume sowie unter die Anhänge I und II(B) der Vogelschutz-Richtlinie der EU.

Situation in Mitteleuropa: Mit 7'500-9'000 Brutpaaren hat die Schweiz die größte Haselhuhnpopulation Mitteleuropas. Hier besiedeln die Haselhühner Nadel- oder Mischwälder des Juras und der Alpen in Höhenlagen von 1'000-1'600 m, wo sie dank ihres Zeichnungsmusters im wechselvollen Licht des Waldbodens hervorragend getarnt sind. Seit 1961 ist die national als gefährdet (VULNERABLE) eingestufte Art geschützt [7].

In Österreich ist die Art im Alpenraum weit verbreitet, außerdem gibt es ein außeralpines Teilareal im Mühl- und Waldviertel. Die Art ist nicht auf der Roten Liste, sie ist jagdbar, die Jahresstrecke nahm bis Mitte der 70er-Jahre deutlich ab und lag in den letzten Jahren unter 200 Haselhähnen, die zur Hauptsache in Kärnten und der Steiermark erlegt wurden. In Vorarlberg, Salzburg, Niederösterreich und Wien ist die Art ganzjährig geschont [10].

In Deutschland gibt es das Haselhuhn im Prinzip in Höhenlagen über 400 m, allerdings ist die Art nur noch inselartig im Harz, Bayerischen Wald, Siegerland und in den Alpen verbreitet und gilt als stark gefährdet (ENDANGERED). Im Schwarzwald ist sie in den letzten Jahren ausgestorben. Schuld daran ist die Umwandlung von Misch- und Niederwäldern in Hochwälder mit hohem Nadelholzanteil, deren licht- und krautarme Böden für die Hühnervögel nicht nutzbar sind. Die Art ist jagdbar, wird aber nicht mehr bejagt.

Im Fürstentum Liechtenstein ist die auf das unterste Saminatal beschränkte Art [11] jagdbar, wird aber ganzjährig geschont.

In der autonomen Provinz Südtirol ist die Art geschützt [2].

Bedeutung für den Menschen

Haselhühner werden laut IUCN als Sport oder zur Fleischgewinnung gejagt und für den internationalen Tierhandel gefangen [1], wobei Letzteres ziemlich irrelevant sein dürfte.

Haltung im Zoo

Haselhühner wurden ab 1977 in Deutschland erfolgreich gezüchtet, dies bei paarweiser Haltung in Volieren die 24 bzw. 32 m² groß und 2 m hoch waren [9].

Eine Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten, wie Tauben, Drosseln oder kleinen Käuzen ist möglich [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in nur sehr wenigen Zoos gezeigt, die sich überwiegend im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. 

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Hühnervögel.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs sind Hühnervögel ihren sozialen Bedürfnissen entsprechend paarweise, in Gruppen oder außerhalb der Brutzeit einzeln zu halten. Die Volieren müssen für ein Paar kleine Hühner (z.B. Frankoline) eine Mindestfläche von 4 m² und eine Höhe von 2 m mit teilweiser Überdeckung oder Schutzraum aufweisen. Haselhühner fallen zwar größenmäßig in diese Kategorie, aber die vorgegebene Fläche ist für sie sicher nicht adäquat.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Haselhuhn wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Tetrao bonasia" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Bonasa wurden 1819 von dem englischen Zoologen James Francis STEPHENS eingeführt. Zeitweilig wurden das Haselhuhn und das Schwarzbrust-Haselhuhn (B. sewerzowi) als Gattung Tetrastes vom amerikanischen Kragenhuhn (Bonasa umbellus) abgetrennt. Es werden 12 Unterarten anerkannt, von denen 7 in Europa vorkommen [3; 4].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERBATIONAL (2016). Bonasa bonasia. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22679494A85936486. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22679494A85936486.en und (2015). Bonasa bonasia. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22679494A59946524. Downloaded on 04 October 2019.
  2. CARMIGNOLA, G. (2007)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al (eds., 1992-2013)
  4. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. MAUMARY, L. , VALLOTTON, L. & KNAUS P. (2007)
  8. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)
  9. RAETHEL, H. S. (1988)
  10. REIMOSER, S. & REIMOSER, F. (2006)
  11. WILLI, G. (1984)
  12. WISSEL, C. von, STEFANI, M. & RAETHEL, H.-S. (1966)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx