Habichtartige

Weissrückengeier

Weißrückengeier (Gyps africanus) im der Volerie des Aigles, Kientzheim (Elsass) Weißrückengeier (Gyps africanus) im der Volerie des Aigles, Kientzheim (Elsass)
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Greifvögel (ACCIPITRIFORMES)
Unterordnung: Habichtartige und Fischadler (ACCIPITRES)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Altweltgeier (Aegypiinae)

D CR 650

Weißrückengeier, Zwerggänsegeier

Gyps africanus • The White-backed Vulture • Le vautour africain

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Weißrückengeier (Gyps africanus) im Vogelpark Steinen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Weißrückengeiers (Gyps africanus). Dunkelblau: aktuelle Verbreitung; rot: ausgestorben oder vermutlich ausgestorben

 

 

 

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Weißrückengeier (Gyps africanus) im Vogelpark Steinen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Weißrückengeier (Gyps africanus) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Weißrückengeier (Gyps africanus) in der Volerie des Aigles, Kientzheim (Elsass) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Weißrückengeier (Gyps africanus) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Weißrückengeier (Gyps africanus) im Vogelpark Steinen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Als Folge verschiedener Faktoren, u.a. des fortgesetzten Einsatzes des nicht nur für Insekten hochtoxischen Pflanzenschutzmittels Carbofuran, das seit 2007 in der EU verboten ist, haben die Bestände des Weißrückengeiers in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. Im Zoo, wo er mit mittlerer Häufigkeit zu sehen ist, kann er daher dazu dienen, über den Einsatz von umweltschädlichen Stoffen in der Landwirtschaft zu diskutieren, längerfristig müsste wohl auch an ein Zuchtprogramm zum Aufbau einer nachhaltigen Reservepopulation gedacht werden.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Weißrückengeier erreicht eine Gesamtlänge von etwa 94 cm, eine Flügelspannweite von ca. 218 cm und ein Gewicht von 5'450 (4'150-7'200) g. Er ist dem Gänsegeier sehr ähnlich, jedoch kleiner und hat ein etwas dunkleres, fein gestricheltes Gefieder. Hinterrücken und Unterflügeldecken sind grauweiß. Die nackte Haut im Gesicht und am Hals ist schwärzlich, Wachshaut, Schnabel, Läufe und Füße sind schwarzbraun [3; 5].

Verbreitung

Afrika südlich der Sahara : Angola, Äthiopien, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Elfenbeinküste, Eritrea, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Kongo Dem., Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Sambia, Simbabwe, Sierra Leone, Senegal, Somalia, Südafrika, Südsudan, Sudan, Swasiland, Tansania, Togo, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik [1].

Lebensraum und Lebensweise

Weißrückengeier besiedeln Trockenwälder, Savannen und Steppen.  Sie ernähren sich fast ausschließlich von Aas, hauptsächlich von wilden Großtieren und landwirtschaftlichen Nutztieren. Ein totes Impala kann bis zu 200, ein Elefantenkadaver bis zu 1000 Vögel anziehen. Das Nest wird zuoberst auf einem Baum errichtet. Das Gelege besteht aus nur einem Ei, das abwechselnd von beiden Eltern während 56 Tagen ausgebrütet wird. Das Junge wird mit 125 Tagen flügge, wird aber bis zum Alter von sechs Monaten noch am Nest von den Eltern gefüttert [4].

Gefährdung und Schutz

Der Weißrückengeier hat von allen afrikanischen Geierarten zwar die weiteste Verbreitung, aber die Bestände nehmen aus mehreren Gründen so rapide ab, dass er aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2012 als stark gefährdet eingestuft und 2015 gar in die Kategorie der unmittelbar vom Aussterben bedrohten Arten umgeteilt wurde  (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt. Die Art fällt unter die Anhänge I und II des Bonner Übereinkommens über wandernde Tierarten.

Bedeutung für den Menschen

Weißrückengeier werden im südlichen Afrika für die Zwecke der traditionellen Medizin getötet und namentlich in Westafrika für den internationalen Tierhandel gefangen [1].

Von 2001-2018 gelangten aus den Ursprungsländern 918 Wildfänge in den legalen internationalen Handel, davon kamen 727 aus Guinea. Unter dem gehandelten toten Material befanden sich 60 Jagdtrophäen. Im selben Zeitraum wurden weltweit 13 Nachzuchtvögel bei der Ausfuhr registriert [2].

Haltung im Zoo

In ausreichend großen Volieren mit genügend Rückzugsmöglichkeiten ist eine Vergesellschaftung mit Neuwelt- und anderen Altweltgeiern möglich, so z.B. im Tierpark Berlin. Als Höchstalter werden 33 Jahre und 8 Monate angegeben, erreicht von einem Vogel im Tiergarten Schönbrunn [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa 60 zoologischen Einrichtungen gehalten, von denen sich rund ein Sechstel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: 1995 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Diese werden gegenwärtig (Oktober 2019) überarbeitet und sollen als Leitlinien zur Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) neu herausgegeben werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für 1-2 große Geier eine Voliere mit einer Grundfläche von 60 m² und einem Volumen von 240 m³ vor. Für jeden weiteren adulten Vogel ist die Grundfläche um 15 m² zu vergrößern. Die Vorgängerverordnung sah halb so große Dimensionen vor. Die Erhöhung erfolgte ohne Angabe von Gründen. Für Schauflüge eingesetzte Vögel dürfen nur im nicht öffentlich zugänglichen Bereich der Tierhaltung an der Fessel gehalten werden.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für die Haltung von 1-2 Weißrückengeiern eine Voliere mit einer Grundfläche von 60 m² bei 3 m Höhe sowie ein unbeheizter Schutzraum erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 15 m² zu erweitern. Für die falknerische Haltung gelten besondere Anforderungen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Weißrückengeier wurde 1865 von dem italienischen Arzt und Ornithologen Graf Tommaso SALVADORI Adlard unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Art ist monotypisch. Bisweilen wird sie als Gattung Pseudogyps abgetrennt, weil ihr Schwanz nur 12, nicht 14, Steuerfedern hat [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Gyps africanus. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22695189A126667006. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22695189A126667006.en . Downloaded on 21 October 2019.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J., eds. (1999)
  4. GINN, P.J., McILLERON, W.G. & MILSTEIN, P. le S. (1999)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)

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