Hörnchen-Verwandte

Harris-Antilopenziesel

Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii) im Darwineum des Zoo Rostock Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii) im Darwineum des Zoo Rostock
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erdhörnchen (Xerinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)

D LC 650

Harris-Antilopenziesel

Ammospermophilus harrisii • The Harris's Antelope Squirrel • L'écureuil-antilope d'Harris

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Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii) im Arizona Sonora Desert Museum, Tucson © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Harris-Antilopenziesels (Ammospermophilus harrisii)

 

 

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Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii) im Darwineum des Zoo Rostock © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii) im Darwineum des Zoo Rostock © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Die Anlage für Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii) im Darwineum des Rostocker Zoos will einen Eindruck vom Lebensraum der Tiere vermitteln © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii) im Darwineum des Zoo Rostock © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii) im Arizona Sonora Desert Museum © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Der Harris-Antilopenziesel ist eine von vier Arten der Gattung Ammospermophilus. Es handelt sich um eine nicht gefährdete, aber an sich attraktive und interessante Tierart, die in europäischen Zoos das Schicksal anderer nordamerikanischer Arten teilt, d. h. nur selten gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Harris-Antilopenziesel ist ein eher kleines Erdhörnchen mit kurzem bis mittellangem Schwanz. Er erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 229-246 (216-267) mm, eine Schwanzlänge von 71-84 (67-92) mm und ein Gewicht von ca. 122-126 (113-150) g. Der Kopf ist klein mit großen, weiß eingefassten Augen und kurzen Ohren. Der Schwanz ist buschig. Der Rücken ist graubraun, stellenweise rötlich- bis gelblich-braun mit einem dünnen weißen Längsstreifen auf beiden Seiten. Der Bauch ist gelblich-weiß. Die Schwanzhaare sind schwarz und weiß, insgesamt wirkt der Schweif oberseits grau bis schwärzlich meliert, unterseits ist er grau. Die Färbung variiert etwas je nach Unterart und Jahreszeit [1; 4; 6].

Verbreitung

Nordamerika: Mexiko (Sonora), USA (Arizona) [4].

Lebensraum und Lebensweise

Der Harris-Antilopenziesel kommt in verschiedenen Wüstentypen in Höhenlagen bis 1'350 m vor. Der Colorado River trennt seine Verbreitung von jener des Weißschwanz-Antilopenziesels (A. leucurus). Die Ziesel sind tagaktiv und dies auch über Mittag, wenn es in der Wüste am heißesten ist. Sie halten keinen Winterschlaf. Sie sind Allesfresser, die sich von Opuntien, Flechten, Sämereien, z.B. Mesquite-Bohnen (Fabaceae: Propopis) oder Yucca-Samen, und Arthropoden ernähren. Für den Transport ihrer Nahrung verfügen sie über große Backentaschen [2; 3; 4; 6].

Die Weibchen bringen in der Regel einen Wurf von im Mittel 6-7 Jungen pro Jahr. Diese sind bei der Geburt 3.6 Gramm schwer, nackt und blind. Sie öffnen die Augen mit 4-5 Wochen. Mit 7 Wochen werden sie entwöhnt, mit sieben Monaten sind sie ausgewachsen [2; 3; 6].

Gefährdung und Schutz

Der Harris-Antilopenziesel hat eine weite Verbreitung. In den Vereinigten Staaten ist er nicht häufig, kommt aber im benachbarten Mexiko in guten Beständen vor. Er wird nicht gezielt bejagt, kommt in mehreren Naturschutzgebieten vor und gilt daher aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [4].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Gebietsweise können Harris-Antilopenziesel Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen anrichten. Sie können ein Reservoir für Zoonosen wie z.B. die Pest (Yersinia pestis) sein [2].

Haltung

WEIGL gibt als Altersrekord 10 Jahre und 7 Monate an, erreicht von einem in einem amerikanischen Zoo gehaltenen Weibchen [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird gegenwärtig (2021) einzig im Darwineum des Rostocker Zoos gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll die Grundfläche des Geheges für 2 Tiere 4 m² nicht unterschreiten. Für jedes weitere Tier kommt 1 m² zur Basisfläche dazu. Die Tiere müssen sich eingraben können.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 5 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche 20 m² misst. Angaben für zusätzliche Tier fehlen. Es muss eine Grabschicht von 80 cm Tiefe vorhanden sein

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für bis zu 5 Zieseln eine Fläche von 40 m² erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 4 m² zu vergrößern. Die Anlage muss mit Naturboden, der zum Graben von Höhlen geeignet ist, ausgestattet sein. Die Tiere sind in Familien oder Kolonien zu halten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Harris-Antilopenziesel wurde 1854 durch John James AUDUBON & John BACHMAN, die zusammen das Werk "Viviparous Quadrupeds of North America" verfasst hatten, als "Spermophilus harrisii" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der Gattungsname Ammospermophilus wurde 1892 von dem aus New York stammenden Zoologen Clinton Hart MERRIAM eingeführt [6].

Der Name Antilopenziesel kommt daher, dass die Nager beim Davonrennen ihren Schweif in die Höhe halten, sodass die bei drei der vier Arten weiße Schwanzunterseite  augenfällig wird. Damit bieten sie im Kleinformat ein ähnliches Bild wie die im Amerikanischen „antelope“ genannten Gabelböcke [1].

Literatur und Internetquellen

  1. ALLEN, T. B. (1979)
  2. ANIMAL DIVERSITY WEB
  3. BEST, T. L., TITUS, A. S., CAESAR, K. & LEWIS, C. L. (1990)
  4. TIMM, R., ÁLVAREZ-CASTAÑEDA, S.T., CASTRO-ARELLANO, I. & LACHER, T. 2016. Ammospermophilus harrisii (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T42399A115189204. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T42399A22251385.en. Downloaded on 14 April 2019.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D.E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 4514 mal Letzte Änderung am Freitag, 16 April 2021 16:57
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx