Ibisse und Löffler

Mähnenibis

Mähnenibis (Lophotibis cristata) in der Masoala-Halle des Zoo Zürich Mähnenibis (Lophotibis cristata) in der Masoala-Halle des Zoo Zürich
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Stelzvögel (Ciconiiformes)
Familie: Ibisse und Löffler (Threskiornithidae)
Unterfamilie: Ibisse (Threskiornithinae)

Lophotibis ist eine monotypische Gattung.

D NT 650

Mähnenibis, Schopfibis

Lophotibis cristata • The Madagascar Crested Ibis • L'ibis huppé

211 005 006 001 lophotibis ZRH PD(1)
Mähnenibis (Lophotibis cristata urschi) in der Masoala-Halle des Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

211 005 006 001 lophotibis map
Approximative Verbreitung des Mähnenibis (Lophotisbis cristata)

 

211 005 006 001 lophotibis ZRH PD(2)
Mähnenibis (Lophotibis cristata urschi) in der Masoala-Halle des Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

211 005 006 001 lophotibis ZRH PD(4)
Mähnenibis (Lophotibis cristata urschi) in der Masoala-Halle des Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

211 005 006 001 lophotibis cristata urschi walsrode KR1
Mähnenibis (Lophotibis cristata urschi) im Weltvogelpark Walsrode © Klaus Rudloff, Berlin

 

211 005 006 001 lophotibis cristata urschi BER KR1
Mähnenibisse (Lophotibis cristata urschi) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

211 005 006 001 lophotibis HD ClaudiaKrauss
Mähnenibis (Lophotibis cristata urschi) mit Nestlingen im Zoo Heidelberg © Claudia Krauss, Zoo Heidelberg

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Der Mähnenibis ist in seiner Madagassischen Heimat potenziell gefährdet. In Europa war er bis vor dem Ersten Weltkrieg vereinzelt zu sehen, aber erst ab 1998 konnte mit importierten Vögeln eine Zoopopulation aufgebaut werden, die sich seitdem gut entwickelt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Mähnenibis erreicht eine Gesamtlänge von 50 cm und ist damit der größte Vertreter der Avifauna der madagassischen Wälder. Weiße, rote und schwarze Federn von Oberkopf und Genick bilden einen großen Schopf. Die unbefiederten Gesichtspartien sind rot. Das Gefieder ist rotbraun mit weißen Flügeln [2; 3; 4].

Verbreitung

Endemisch auf Madagaskar [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Mähnenibis bewohnt paarweise sowohl die Trocken- als auch die Regenwälder sowie Mangrovensümpfe und Plantagen vom Tiefland bis auf eine Höhe von 2'000 m. Er ist ein ausgesprochene Bodenbewohner, der sich in erster Linie von Insekten und deren Larven ernährt, die er durch ständiges Stochern im Boden ausfindig macht, nistet aber auf hohen Bäumen. Die Brutperiode fällt in den Beginn der Regenzeit. Das Gelege umfasst 2-4 Eier, die während 23 Tagen bebrütet werden. Die Jungvögel werden mit 28 Tagen flügge [2; 3].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in den Wäldern Madagaskars weit verbreitet aber mit einem geschätzten Bestand von 10'000 Individuen nicht sehr häufig. Wegen teilweise durch den Klimawandel bedingten Verlusts an Lebensraum und illegaler Bejagung gilt sie als potenziell gefährdet (Rote Liste: NEAR THREATENED) [1].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wegen seines Fleischs wird der Mähnenibis intensiv bejagt bzw. mit Fallen gefangen, und Eier, Nestlinge und sogar Altvögel werden aus den Nestern genommen. Der Bestand könnte wegen Übernutzung bald abnehmen [1].

Haltung

Der Mähnenibis wird in der Regel paar- oder gruppenweise und mit anderen Vogelarten, bisweilen auch mit Lemuren vergesellschaftet in großen, oft für das Publikum begehbaren Volieren oder Tropenhallen gehalten.

Haltung in europäischen Zoos: 1998/99 konnte der Weltvogelpark Walsrode Mähnenibisse aus Madagaskar beziehen, eine Art, die damals in Zoos nicht vertreten war. Im Jahr 2000 kam es in Walsrode zur Welterstzucht in menschlicher Obhut. Ausgehend von 12 Gründertieren konnte bis 2018 ein Bestand in 13 Zoos aufgebaut werden, wobei es in den meisten Haltungen, die sich überwiegend im deutschsprachigen Raum befinden, zur Zucht kam. Für Details siehe Zootierliste.

Wie Mähnenibisse gehalten werden (Beispiel):

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Ibisse.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 12 Ibisse eine Voliere mit 40 m² Fläche und 160 m³ Volumen mit Wasserbecken und Aufbaummöglichkeiten vor. Für jeden weiteren adulten Vogel ist die Fläche um 2 m² zu vergrößern. Für nicht winterharte Vögel muss ein Innenraum mit einer Grundfläche von 0.5 m² pro Vogel vorhanden sein. Die Vorgängerverordnung hatte für 6 Vögel eine Voliere von 20 m²/50 m³ und für jeden weiteren adulten Vogel 2 m² mehr gefordert. Die Erhöhung der Anforderungen erfolgte ohne Anlass und ohne Angabe von Gründen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind Ibisse in Gruppen zu halten. Für bis zu 6 Ibisse muss die Außenvoliere eine Fläche von 20 m² bei einer Mindesthöhe von 3 m haben, für jeden weiteren Vogel 1 m² mehr; Die Voliere muss über ein Wasserbecken und Aufbaummöglichkeiten verfügen. Die Vögel sind warm zu überwintern. Die Innenanlage muss eine Fläche von 10 m² und für jedes weitere Tier 0,5 m² zusätzlich sowie eine Mindesttemperatur von 10°C aufweisen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Mähnenibis wurde 1783 von dem niederländischen Arzt und Naturforscher Pieter BODDAERT unter dem Namen "Tantalus cristatus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Eudocimus wurde 1832 von dem an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätigen Zoologen Johann Georg WAGLER eingeführt. Es werden zwei Unterarten anerkannt [4]. Die in Europa gehaltenen Vögel gehören der Unterart L. cristata urschi aus West-Madagaskar an.

 Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Lophotibis cristata. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22697504A93617414. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22697504A93617414.en . Downloaded on 09 December 2019
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1992)
  3. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)

Zurück zu Übersicht Strauße bis Flamingos

Weiter zu  Brauner Sichler (Plegadis falcinellus)

 

Gelesen 3784 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 19 Dezember 2019 10:15
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx