Kloaken- und Beuteltiere

Matschie-Baumkänguru

Matschie-Baumkängurus (Dendrolagus matschiei) im Kölner Zoo Matschie-Baumkängurus (Dendrolagus matschiei) im Kölner Zoo
© Ulrike Joerres, Düren

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D EN 650

Matschie-Baumkänguru

Dendrolagus matschiei • The Matschie's Tree Kangaroo • Le dendrolague de Matschie

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Matschie-Baumkänguru (Dendrolagus matschiei) im Zoo von Singapur © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Verbreitung in Europa gehaltener Baumkängurus. Blau: D. goodfellowi, rot: matschiei

 

 

 

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Matschie-Baumkänguru (Dendrolagus matschiei) im Kölner Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Matschie-Baumkänguru (Dendrolagus matschiei) im Kölner Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Junges Matschie-Baumkänguru (Dendrolagus matschei), ehemals im Zoo Zürich © Jürg Klages †, Zürich

 

 

 

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Junges Matschie-Baumkänguru (Dendrolagus matschei) im Toronto Zoo © Jonathan Nightingale / Toronto Zoo

 

 

 

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Matschie-Baumkänguru (Dendrolagus matschei). Illustration zur Originalbeschreibung von FÖRSTER, F. & ROTHSCHILD, L. W. (1907) in Novitates Zoologicae, Pl. IV. Gemeinfrei. Anmerkung: Die helle Gesichtszeichnung ist nicht dargestellt [siehe 6].

 

 

 

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Das Matschie-Baumkänguru ist eine auffällige Erscheinung und eignet sich daher gut als Botschafter für Natur- und Artenschutz in Neuguinea. In Europa wird die Haltung zugunsten des Goodfellow-Baumkängurus aufgegeben, währenddem in Nordamerika ein koordiniertes Zuchtprogramm weiterläuft.

Körperbau und Körperfunktionen

Dendrolagus matschiei ist eine kleinere Baumkänguru-Art ohne markanten Geschlechtsdimorphismus. Beide Geschlechter sind in etwa gleich groß. Die Kopf-Rumpflänge beträgt etwa 51-66 cm, die Schwanzlänge 45-68 cm, und das Gewicht liegt zwischen 7 und 10.5 kg. Das kontrastreiche Fell ist kurz und wollig. Mitten auf dem Rücken befindet sich ein Paar Haarwirbel. Die Färbung ist ähnlich wie beim Goodfellow-Baumkänguru, jedoch fehlen die hellen Längsstreifen auf dem Rücken. [1; 10].

Verbreitung

Neuguinea: Papua-Neuguinea, höhere Lagen der Huon-Halbinsel. Ferner gibt es eine vermutlich eingeführte Population auf der Vulkaninsel Umboi. Das Artareal umfasst etwa 14'000 km² [10].

Lebensraum und Lebensweise

Das Matschie-Baumkänguru besiedelt Regenwälder in Höhenlagen von 1'000 bis 3'300 m. Über sein Sozialverhalten im Freiland ist wenig bekannt. Vermutlich lebt es einzeln bzw. als Mutter-Kind-Gruppe. Es nutzt Streifgebiete von rund 140 ha, was im Vergleich zu anderen Baumkängurus sehr viel ist. Es ernährt sich am Boden oder auf Bäumen von Blättern verschiedener Bäume und Büsche, Schlingpflanzen und Farnen und bisweilen auch von Blüten oder Früchten [8; 10].

Weibchen werden mit etwa 25 Monaten geschlechtsreif. Paarungen können während des ganzen Jahres stattfinden. Nach einer Tragzeit von rund 44-45 Tagen wird in der Regel ein einzelnes Junges geboren. Kurz vor der Geburt reinigt das Weibchen akribisch seinen Beutel. Das Junge beginnt mit rund 9 Monaten festes Futter zu sich zu nehmen. Es steigt erstmals mit 10 Monaten aus dem Beutel und verlässt ihn mit etwa 13 Monaten definitiv. Danach begleitet es die Mutter für weitere 2-3 Monate [2; 4; 8].

Gefährdung und Schutz

Das Matschie-Baumkänguru hat bereits natürlicherweise eine geringe Populationsdichte und ein kleines Verbreitungsgebiet (begrenzt auf höhere Lagen). Durch die Jagd und den Lebensraumverlust werden die Bestände noch weiter dezimiert. Ein weiteres Problem besteht darin, das alle Tiere nur einer einzigen Subpopulation angehören. Deshalb wird die Art (ohne Berücksichtigung der Umboi-Population) als stark gefährdet beurteilt (Rote Liste: ENDANGERED) [10].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte: Auf der Huon-Halbinsel betreibt der Woodland Park Zoo, Seattle, ein Schutzprojekt, das von weiteren nordamerikanischen Zoos unterstützt wird und mittlerweile zur Schaffung eines Schutzgebietes in der Morobe-Provinz geführt hat [9].

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Das Matschie-Baumkänguru wird auf der Huon-Halbinsel Neuguineas traditionell zur Fleischgewinnung bejagt [10].

Haltung

Matschie-Baumkängurus sollten in Gehegen mit ausreichend Klettermöglichkeiten und erhöht angebrachten Futterstellen untergebracht werden. Idealerweise sollte die Umgebungstemperatur für diese Tiere tropischer Bergwälder bei 18-22ºC liegen, jedoch ertragen Matschie-Baumkängurus ohne Schaden zu nehmen erhebliche Temperaturschwankungen. Im Zoo von Adelaide, wo sie zusammen mit anderen Känguruarten ganzjährig in einem größeren Außengehege gehalten wurden, schwankten die Temperaturen zwischen 0°C im Winter und 47.6°C im Sommer. Bei hohen Temperaturen lecken sich die Baumkängurus die Unterarme, um abzukühlen [1]. Meist werden sie paarweise oder als Trios gehalten. Eine Vergesellschaftung mit Schnabeligeln, Klein- oder Rattenkängurus, Flughunden oder Vögeln ist möglich.

Das älteste, von WEIGL erfasste Matschie-Baumkänguru, ein Weibchen, starb in einer amerikanischen Institution im Alter von 26 Jahren und 11 Monaten [7].

Es gibt ein Internationales Zuchtbuch, das am Lincoln Children's Zoo, Nebraska, geführt wird. Dieses umfasst 73 lebende Individuen in 27 Einrichtungen [IZY 52, Daten bis Juni 2014].

Haltung in europäischen Zoos: Die ersten Matschie-Baumkängurus gelangten in den 1930er-Jahren in den Londoner Zoo, wo es 1932 zur Erstzucht kam. 1936 gelangte das erste Tier in den Frankfurter Zoo und damit aufs europäische Festland [6]. wird gegenwärtig (2020) nur noch in zwei Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste. Das 1990 ins Leben gerufene, vom Krefelder Zoo koordinierte Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wurde aufgegeben. Es wird versucht, in Europa einen Bestand an goodfellowi aufzubauen, währenddem sich die amerikanischen Zoos auf matschiei konzentrieren.

Früher wurde die Art relativ häufig in Europa gehalten. In den 1970er-Jahren war der Zoo Zürich der erste europäische Zoo, der wieder Matschie-Baumkängurus aus Papua-Neuguinea erhielt. Von 1971-1982 wurden dort 16 Jungtiere geboren und aufgezogen (JB und Tierbestandslisten Zoo Zürich). Die deutsche Erstzucht gelang dem Zoo Berlin im Jahr 1976.

Forschung im Zoo: Unter Beteiligung zahlreicher Zoos wurde eine umfangreiche Arbeit über das Ruheverhalten verschiedener Känguru-Arten, darunter Dendrolagus matschiei, durchgeführt [5]. Die Kenntnisse über das Fortpflanzungsverhalten beruhen weitgehend auf einer Dissertation, die Lisa DABEK in Seattle durchgeführt hat [2; 8].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt ein fakultatives Außengehege mit einer Mindestfläche von 40 m² für ein Paar und 10 m² für jedes weitere Tier an. Das Innengehege soll 16 m² groß und 3 m hoch sein, und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 8 m² zu erhöhen.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für 1- 2 Tiere je ein Innen- und ein Außengehege von 16 m²/40m³ vor. Für jedes weitere Tier sind die Grundflächen um jeweils 4 m² zu erhöhen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für ein Paar ein Außen- und ein Innengehege von je 20 m²/60 m³. Für jedes weitere Tier ist die Fläche außen wie innen um 2 m² zu erhöhen.

Nach JACKSON soll für 2 Tiere eine Gehegefläche von 40 m² nicht unterschritten werden [3].

Taxonomie und Nomenklatur

Das Matschie-Baumkänguru wurde 1907 dem deutschen Naturforscher Friedrich Förster und dem englischen Bankier und Zoologen Lionel Walter Rothschild anhand eines Exemplars aus dem damaligen Deutsch-Neuguinea unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. Zeitweilig wurden goodfellowi und spadix als Unterarten von matschiei angesehen, aber diese werden jetzt als selbständige Arten anerkannt [8]. Sie sind aber nahe mit dem Matschie-Baumkänguru verwandt. Die Artareale von goodfellowi und matschiei stoßen aneinander und in Menschenobhut hybridisieren die beiden Arten leicht. Eventuell gibt es auch im Freiland eine Übergangszone.

Literatur und Internetquellen

  1. CROOK, G. A. & SKIPPER, G. (1987)
  2. DABEK, L. (1994)
  3. JACKSON, S. M. (2003)
  4. OLDS, T. J. & COLLINS, L. R. (1973)
  5. SCHÜRER, U. (1978)
  6. SCHÜRER, U. (2019)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WOODLAND PARK ZOO - YUS CONSERVATION AREA
  10. ZIEMBICKI, M. & POROLAK, G. (2016). Dendrolagus matschiei. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T6433A21956650. http://www.iucnredlist.org/details/6433/0. Downloaded on 15 June 2018.

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Gelesen 890 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 13 Februar 2020 09:21
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx