Seekatzen

Gefleckte Seeratte

Gefleckte Seeratte (Hydrolagus colliei) in der Wilhelma Stuttgart Gefleckte Seeratte (Hydrolagus colliei) in der Wilhelma Stuttgart
Pressefoto Wilhelma

Unterklasse: Holocephali
Überordnung: Holocephalimorpha
Ordnung: Seekatzen (Chimaeriformes)
Unterordnung: Rezente Seekatzen (Chimaeroidei)
Familie: Kurznasenchimären (Chimaeridae)

D LC 650

Gefleckte Seeratte

Hydrolagus colliei • The White-spotted Ratfish • La chimère tachetée

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Gefleckte Seeratte (Hydrolagus colliei) in der Wilhelma Stuttgart Pressefoto Wilhelma

 

 

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Approximative Verbreitung der Gefleckten Seeratte (Hydrolagus colliei)

 

 

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Gefleckte Seeratte (Hydrolagus colliei) im Zoo-Aquarium Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Gefleckte Seeratte (Hydrolagus colliei) im Zoo-Aquarium Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Bild zur Originalbeschreibung der Gefleckten Seeratte

 

 

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Spöke (Chimaera monstrosa) (=Europäische Seeratte). Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Die Gefleckte Seeratte ist nur in wenigen europäischen Zoos und Schauaquarien zu sehen. Sie ist aber die einzige Art ihrer Ordnung, die in Europa überhaupt ausgestellt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Alle Seeratten-Arten kennzeichnen der gestreckte, walzige Leib, der dünne, lang ausgezogene Schwanz, der dicke, kegelförmige Kopf, die von einem fingerförmigen Deckelknorpel geschützte einzige Kiemenöffnung, durch welche die vier Kiemenspalten münden, ungewöhnlich große Brustflossen, die beträchtliche, vorne durch säbelförmig gekrümmte Stacheln gestützte Rückenflosse, die sehr lange, zweite Rückenflosse und die zu beiden Seiten des langen Schwanzes angesetzte Schwanzflosse sowie das kleine, quer gespaltene Maul, welches mit einfachen, schnabelförmig vortretenden, hinten platten, vorne zugeschärften Zahnplatten bewehrt ist [2].

Nach BREHM besitzen Seekatzen "nur eine ungetheilte Rückensaite mit oberen knorpeligen Bogen und Schaltstücken dazwischen und mit unteren knorpeligen Ansätzen, welche den Querfortsätzen der Fischwirbel entsprechen. Diese Rückensaite setzt sich nach vorne unmittelbar in die dicke, kegelförmige Schädelkapsel fort, deren vorderer Rand die fehlenden Oberkiefer ersetzt, so daß die oberen Zahnplatten unmittelbar auf der unteren Fläche dieses vorderen Randes der Schädelkapsel aufsitzen. Die Augenhöhlen sind ungemein groß, ebenso die Augen; Lider fehlen. Die große, vielfach gewundene Nasenkapsel öffnet sich auf der Unterseite der von vielfachen Schleimgängen durchzogenen Schnauze. Mit Ausnahme dieser Eigenthümlichkeiten stimmt die Anatomie der Eingeweide, namentlich der vielen Klappen des Aortenstieles, der schraubenförmigen Spiralplatten des Darmes usw., mit der Ordnung der Haifische überein" [2].

Die Weibchen der Gefleckten Seeratte werden mit einer Gesamtlänge von rund 25, die Männchen von 20 cm geschlechtsreif. Ausgewachsen erreichen die Tiere eine Gesamtlänge von etwa einem Meter, wovon gut ein Drittel auf den Schwanz fällt [1].

Verbreitung

Ost-Pazifik: Amerikanische Pazifikküste von Südwestalaska bis Niederkalifornien und dem Golf von Kalifornien, ferner an der Küste Costa Ricas [1; 6].

Lebensraum und Lebensweise

Die Gefleckte Seeratte bevorzug Meeresbereiche über weichen, schlammigen Böden. Sie kommt bevorzugt in Tiefen von 100-900 m vor, kann aber auch an der Oberfläche beobachten werden. Die Nahrung besteht aus bodenbewohnenden Wirbellose und Fischen, wobei die eigenen Nachkommen nicht verschont werden. Gefleckte Seeratten legen in Abständen von 10-14 Tagrn jeweils zwei Eier. Die Jungen schlüpfen nach einem Jahr und haben dann eine Gesamtlänge von ca. 14 cm [1; 6].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weitverbreitet und gebietsweise häufig. Die Bestände scheinen stabil zu sein. Sie gilt daher aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2014 als weltweit nicht gefährdet [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Im Rahmen der modernen kommerziellen Fischerei werden Seeratten nicht mehr genutzt, sondern als Beifang entsorgt [1].  Zur Nutzung der Europäischen "Spöke" im 19. Jahrhundert schreibt BREHM: "Das Fleisch ist zäh und ungenießbar, die Eier hingegen gelten als Leckerbissen. In Norwegen wird mehr als alles andere die Leber geschätzt. Wenn sie ... in einem Glase auf eine warme Stelle gesetzt wird, so zerfließt sie von selbst nach und nach in Oel, da denn diese Salbe in allerhand Wunden und Schäden so vortrefflich ist, daß ein wohlerfahrener Apotheker mir gesagt hat, er ließe alle seine Medikamente stehen und ergriffe dieses Mittel, wenn er selbst einen oder den anderen äußerlichen Schaden hätte" [2].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in weniger als 10 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich einzelne im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Die Welterstzucht gelang 2013 im Seattle Aquarium [5].

Mindestanforderungen: In Deutschland und Österreich gibt es keine konkreten Mindestnormen. Die "Mindestanforderungen für das Halten von Fischen zu Zierzwecken" der Schweizerischen Tierschutzverordnung dürften auf Knorpelfische nicht anwendbar sein.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1839 von  den Naturkundlern George Tradescant LAY  und  Edward Turner BENNETT im Rahmen des Werks "The Zoology of Captain Beechey's Voyage" als "Chimaera colliei" beschrieben. 1862 wurde sie in ie neue Gattung Hydrolagus umgeteilt [3]. Der deutsche Name "Seeratte" kommt daher, dass das spitz zulaufende hintere Ende so gar nicht wie ein Fischschwanz aussieht [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BARNETT, L.A.K. et al. (2015). Hydrolagus colliei. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T60191A80678052. http://www.iucnredlist.org/details/60191/0. Downloaded on 26 January 2018.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. FISH BASE
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. SEATTLE AQUARIUM
  6. SHARK REFERENCES

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Gelesen 991 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 16 Mai 2019 06:32
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx