Eulen und Schleiereulen

Brasilien-Sperlingskauz

Brasilianischer Sperlingskauz (Glaucidium brasilianum) im Zoo Berlin Brasilianischer Sperlingskauz (Glaucidium brasilianum) im Zoo Berlin
© Carlos Frey, Berlin

Ordnung: Eulen (STRIGIFORMES)
Familie: Echte Eulen (Strigidae)
Unterfamilie: Kleine Eulen und Käuze (Surniinae)
Tribus: Kleineulen (Surniini)

D LC 650

Brasilianischer Sperlingskauz

Glaucidium brasilianum • The Ferruginous Pygmy Owl • La chouette chevêchette brune

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Brasilianischer Sperlingskauz (Glaucidium brasilianum) im Zoo Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Brasilianischen Sperlingskauzes (Glaucidium brasilianum)

 

 

 

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Brasilianischer Sperlingskauz (Glaucidium brasilianum) im Zoo Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

 

 

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Brasilianischer Sperlingskauz (Glaucidium brasilianum) im Zoo Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

 

 

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Der Brasilien-Sperlingskauz ist als Art nicht gefährdet und sieht seinem europäischen Vetter ziemlich ähnlich. Das Interesse an seiner Haltung beschränkt sich daher weitgehend auf Vogelparks, spezialisierte Eulenparks und Privathalter.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Brasilien- oder Strichel-Sperlingskauz erreicht eine Gesamtlänge von 13-14 cm, eine Flügelspannweite von ca. 38 cm und ein Gewicht von 46-78 cm bei den Männchen und 64-90 g bei den Weibchen. Seine Gefiederfärbung kann eher grau oder aber rostrot sein. Auch die Zeichnung (z.B. Schwanzbinden) ist sehr variabel. Die unterschiedlichen Farbmorphen sind im Freiland innerhalb desselben Verbreitungsgebietes zu beobachten. Die Farbe dient den Eulen nicht als Erkennungsmerkmal, vielmehr unterscheiden sich die Individuen verschiedener Arten anhand des Eulengesangs, der aus einer Reihe von Pfiffen besteht, deren Tonhöhe, Länge, Frequenz und Anzahl artspezifisch sind [2; 4; 5].

Verbreitung

Nord-, Mittel und Südamerika: Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ekuador, El Salvador, Französisch Guiana, Guatemala, Guyana, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, Uruguay, USA, Venezuela [1]

Lebensraum und Lebensweise

Der Brasilianische Sperlingskauz ist ein territorialer Höhlenbrüter, der sein Revier in den unterschiedlichsten Lebensräumen haben kann. Er bevorzugt bewaldete Flusstäler und dichten Regenwald, kommt aber auch in offenem Gelände mit Buschwerk und einzelnen Bäumen sowie in mit Säulenkakteen bestandenen Wüsten vor. Häufig jagen die Vögel am Tag, wobei sie auf einer Warte sitzend auf Großinsekten, Echsen oder anderes Kleingetier passen. Die 2-5 fast kugeligen Eier werden in einer Baum- oder Kakteenhöhle oder in einem Termitenbau abgelegt. Die Brutzeit variiert regional [2].

Gefährdung und Schutz

Der Brasilianische Sperlingskauz hat eine außerordentlich weite Verbreitung, die von den südlichen USA bis zum La Plata reicht und gilt daher aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 trotz tendenziell abnehmender Bestände global als nicht gefährdet, (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nach Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Von 2001-2018 wurden in der CITES-Statistik Exporte von nur 10 Wildfängen aus Peru registriert, ferner wurden 115 Nachzuchtvögel, die meisten aus Belgien, sowie Wissenschaftsmaterial erfasst [4].

Haltung

Als Höchstalter werden 17 Jahre angegeben, erreicht im Tierpark Berlin [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 15 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: 1995 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Diese werden gegenwärtig (Juli 2019) überarbeitet und sollen als Leitlinien zur Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) neu herausgegeben werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für 1-2 kleine Eulen eine Voliere mit einer Grundfläche von 10 m² und einem Volumen von 20 m³ vor. Für jede weitere ist die Grundfläche um 1 m² zu vergrößern. Die Vorgängerverordnung sah eine Fläche von 4 m² und ein Volumen von 10 m³ vor. Die Erhöhung erfolgte ohne Angabe von Gründen. Ein allfälliger Innenraum muss eine Grundfläche von 2 m² je Vogel haben.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für die Haltung von 1-2 kleinen Eulen eine Voliere mit einer Grundfläche von 5 m² bei 2 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 1 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Brasilien-Sperlingskauz wurde 1788 von dem aus Tübingen stammenden und später in Göttingen tätigen Mediziner und Naturwissenschaftler Johan Friedrich GMELIN als "Strix brasiliana" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Glaucidium wurde 1826 von Friedrich BOIE, einem Juristen und Naturkundler aus Holstein, eingeführt. Gegenwärtig werden 12 Unterarten anerkannt [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Glaucidium brasilianum. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T61815999A95181606. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T61815999A95181606.en . Downloaded on 25 June 2019.
  2. BURTON, J. A. (1984)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J., eds. (1999)
  5. ECK, S. & BUSSE, H. (1973)
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx