Barsche (Süßwasser) ohne Buntbarsche

Ghiozzo

Ghiozzo (Padogobius bonelli) im Alpenzoo Innsbruck Ghiozzo (Padogobius bonelli) im Alpenzoo Innsbruck
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Grundelartige (Gobioidei)
Familie: Grundeln (Gobiidae)
Unterfamilie: Eigentliche Grundeln (Gobiinae)

D LC 650

Ghiozzo, "Gardasee-Grundel"

Padogobius bonelli • The Padanian Goby • Le ghiozzo

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Ghiozzo (Padogobius bonelli) im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative autochthone Verbreitung des Ghiozzo (Padogobius bonelli). In weiteren Gebeiten Italiens wurde er angesiedelt.

 

 

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Ghiozzo (Padogobius bonelli) im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Ghiozzo, dessen nähere Verwandte alle im Meer leben, ist nur ausnahmsweise in europäischen Zoos und Schauaquarien anzutreffen, im Jahr 2018 z.B. nur in Österreich.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Ghiozzo ist ein bodenbewohnender Kleinfisch von 6-8 cm Länge [6].

Verbreitung

Südeuropa: Entgegen ihrem in Aquarianerkreisen üblichen Namen "Gardasee-Grundel" ist die Art nicht auf den Gardasee beschränkt, sondern weit verbreitet. In Italien im Einzugsgebiet der Adria, von den Marken an nordwärts, namentlich im Einzugsgebiet von Po, Tessin und Etsch, östlich der Adria in Slowenien und Kroatien bis zu den Flusssystemen Zrmanje und Krka. In der Schweiz ist sie auf Luganer- und Langensee (Lago Maggiore) beschränkt. In Italien wurde sie in vielen Regionen außerhalb ihres natürlichen Artareals angesiedelt, wo sie nun den dort heimischen Padogobius nigricans bedrängt [2; 5; 6].

Lebensraum und Lebensweise

Der Ghiozzo besiedelt langsam fließende Bäche, Flüsse und Seen mit kiesigem oder felsigem Untergrund. In schnell fließendem Wasser kann er sich mit seinen zu einem saugnapfähnlichen Trichter umgewandelten Bauchflossen an Steinen festhalten. Ökologisch entspricht seine Stellung in etwa jener der Groppe (Cottus gobio). Wie jene lebt er stark bodengebunden, frisst hauptsächlich aquatische Insektenlarven und Kleinkrebse und benötigt zur Fortpflanzung Steine oder andere Hartstrukturen,  um abzulaichen. Das Weibchen legt etwa 100 Eier, eventuell in mehreren Portionen. Das Brutrevier wird vom Männchen verteidigt [5; 6]. 

Gefährdung und Schutz

Der Ghiozzo ist eine relativ weitverbreitete und widerstandsfähige Art, die global nicht gefährdet ist. In der Roten Liste der Schweiz ist er dagegen als stark gefährdet aufgeführt [2; 3].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Der Ghiozzo fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, wo er unter den nicht gültigen Bezeichnungen Padogobius fluviatilis und martensii aufgeführt ist.

Bedeutung für den Menschen

Früher wurde der Ghiozzo im Tessin (und wohl auch anderswo) als Bartfisch oder Köder genutzt. Heute ist er fast in Vergessenheit geraten [6].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in nur ganz wenigen europäischen Einrichtungen gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen: In Deutschland und Österreich gibt es keine konkreten Mindestnormen. In der Schweiz gibt Anhang 2, Tabelle 8 der Tierschutzverordnung an, wie viele Liter Wasser pro cm Gesamtkörperlänge (ohne Schwanzflosse) der gehaltenen Fische angeboten werden müssen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde ursprünglich 1846 von Prinz Charles Lucien BONAPARTE als "Gobius bonelli" beschrieben. Die Gattung Padogobius wurde 1932 von dem russischen Ichthyologen Lev Semyonovich BERG für die Art martensii augfgestellt, die effektiv mit bonelli identisch ist. Der Ghiozzo ist unter verschiedenen, nicht gültigen wissenschaftlichen Bezeichnungen (Synonymen) bekannt: Padogobius panizzae oder panizzai, Padogobius martensii, Gobius bonelli, fluviatilis und martensii. Padogobius panizzae ist die Adriagrundel und wird heute in eine eigene Gattung, Knipowitschia, gestellt [1; 2; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. FISH BASE
  2. FREYHOF, J. (2006). Padogobius bonelli. The IUCN Red List of Threatened Species 2006: e.T41541A10495695. http://www.iucnredlist.org/details/41541/0. Downloaded on 13 March 2018.
  3. KIRCHHOFER, A., BREITENSTEIN, M. & ZAUGG, B. (2007)
  4. SCHINDLER, O. (1959)
  5. SCHLIEWEN, U. (2009)
  6. ZAUGG, B., STUCKI, P., PEDROLI, J.C. & KIRCHHOFER A. (2003)

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