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BRASE-BÄUMER, K. (2004)

Zum Kenntnisstand des Schneeleoparden (Uncia uncia) - eine Literaturstudie unter besonderer Berücksichtigung seines Verhaltens und seiner Erkrankungen sowie des angewandten Artenschutzes.

Vet.med. Diss. Tierärztliche Hochschule Hannover. 198 Seiten.

Volltext: http://studylibde.com/doc/7232961/zum-kenntnisstand-des-schneeleoparden---ti

Zusammenfassung:

Ziel dieser Arbeit ist es, den gegenwärtigen Wissenstand über den Schneeleoparden oder Irbis (Panthera uncia) weitestgehend zu erfassen. Es wurden Literaturquellen zusammengetragen, die Aufschluss über seine Biologie, insbesondere Verhalten und Verbreitung geben. Verwendet wurden Quellen mit Beobachtungen und Untersuchungen an Irbissen in ihrem natürlichen Lebensraum, sowie in Gefangenschaft lebender Tiere. Erstmalig wurde eine umfassende Aufstellung der Krankheiten des
Irbisses und deren Therapie erstellt. Besondere Berücksichtigung erhielt der Artenschutz der vom Aussterben bedrohten Raubkatze. Da der Schneeleopard in seinem natürlichen Lebensraum nur sehr selten beobachtet werden kann, basieren viele Literaturquellen auf Untersuchungen von in Gehegen lebenden Tieren.

Taxonomisch ist der Irbis, nicht zuletzt durch Untersuchungen der Chromosomenstruktur (GRIPENBERG et al. 1982) den Pantherinae zuzuordnen, wobei diese Einordnung aufgrund anatomischer Daten Unklarheiten aufwirft. Einige Autoren (ROGERS 2001; NOWELL & JACKSON 1995; GRZIMEK 1978) stellen ihn in die eigene Gattung Uncia zwischen Felidae und Pantherinae.

Der Schneeleopard ist eine Raubkatze, die wenig Aggressivität sowohl gegen Artgenossen als auch gegen den Menschen zeigt. Sein ausgeprägtes Vokalrepertoire ist während der Ranz und beim Deckakt besonders auffällig. Zwar ist das adulte Tier ein Einzelgänger und verweilt nur während der Paarungszeit unter Artgenossen, es zeigt aber ein hohes Maß an sozialem Verhalten. Wenn es in Gehegen gehalten wird, geht es enge Partnerbindungen ein, die über Jahre bestehen können.
Als geschickter Jäger reißt der Irbis gelegentlich Beutetiere, die dreimal so groß und schwer sind wie er selbst. Dringt er in Nutztierherden ein, so kann er großen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Nach mehreren aufeinanderfolgenden Kopulationen bringen die Weibchen nach einer Tragezeit von durchschnittlich 100 Tagen meist 1-4 Junge zur Welt. Die Welpen bleiben bis zu einem Alter von 19-20 Monaten bei der Mutter.

Der Lebensraum der seltenen Großkatze umfasst 14 Länder und liegt in einem Gelände, das für den Menschen nur schwer zugänglich ist. Im Allgemeinen bevorzugt der Schneeleopard felsige Gegenden, steile Klippen, Grate und Hänge, selten findet man ihn unterhalb der Baumgrenze. Die Raubkatze hat sich hervorragend an kaltes Klima adaptiert und ist mit ihrem hellen, mit dunklen Rosetten überzogenen Fell in ihrer natürlichen Umgebung gut getarnt. So gestalten sich die für den Artenschutz wichtigen Zählungen der meist dämmerungs- und nachtaktiven Katze schwierig.

Einige der Ursprungsländer des Schneeleoparden befinden sich in politisch schwierigen Situationen. Die Menschen leben in Armut und der Schutz von Flora und Fauna ist ihnen nur schwer nahe zu bringen. Die Ausbreitung der Dörfer und Weiden in Irbis-Territorien sowie die ehemals zugelassene intensive Bejagung und die jetzige Wilderei der Katze und ihrer Beutetiere hatten in den letzten Jahrzehnten einen drastischen Rückgang ihrer Population zur Folge. Hohe Schwarzmarktpreise, illegaler Handel mit Tiermaterial und vergleichsweise geringe Strafen bei Missachtung der Gesetze führen dazu, dass Schneeleoparden noch immer gewildert werden. Um den Irbis als Art zu erhalten, ist der Schutz nicht nur in den Ländern, in denen er vorkommt, wichtig. Es gilt auch in anderen Ländern auf den Schutz dieser Tiere hinzuweisen, um so beispielsweise den Markt für Schneeleopardenfelle zu unterbinden. Dieses betrifft auch und insbesondere die westlichen Industrienationen.

Europäische, amerikanische und asiatische Hilfsorganisationen haben sich den internationalen Schutz des Schneeleoparden zum Ziel gemacht und verzeichnen gute Erfolge. So gibt es Erhaltungspläne, die die Einwohner der Verbreitungsländer über den Irbis aufklären, ihnen Hilfe im Umgang mit den Tieren bieten und ihnen die Wichtigkeit der Arterhaltung zu vermitteln versuchen. Nationalparks wurden errichtet und Tötung und Handel in allen Ursprungsländern verboten. Ein Kernpunkt der Artenschutzbemühungen in situ wären tierärztliche Hilfsprogramme zur Optimierung des Haustiermanagements in Extensivhaltung, um die ökonomische Bedeutung von Haustierrissen durch den Schneeleoparden zu verringern. Weltweit werden die Tiere in Zoos und Parks gehalten und mit Erfolg gezüchtet. Ein internationales Zuchtbuch besteht seit 1978. Es wird vom Zoo in Helsinki, Finnland, geführt.

Erkrankungen des Schneeleoparden sind im Allgemeinen wie die von Großkatzen zu behandeln. Die Größe und Wehrhaftigkeit der Katze, sowie die erhebliche Stressbelastung beim Fang in Netzen oder beim Unterbringen in Zwangkäfigen machen eine Behandlung unter Narkose in den meisten Fällen notwendig. Beschreibungen von speziell beim Irbis vorkommenden Infektionen und deren Therapieansätze stammen vorrangig aus Zoos und Parks, da über Erkrankungen frei lebender Tiere nur sehr wenig bekannt ist.

Die häufigsten Todesursachen der in Gehegen lebenden Jungtiere sind Infektionskrankheiten. Panleukopenie und Infektionen mit dem Felinen Immundeficiency Virus (FIV) sind für den Irbis die häufigsten viralen Erkrankungen im Zoo, wobei eine FIV Infektion in freier Wildbahn aufgrund mangelnder Übertragungswege nahezu ausgeschlossen wird. Umfangreiche Impfungen haben sich bewährt. Die erfolgreiche Nachzucht und Haltung von Irbissen in Zoos und Parks bestätigen die Richtigkeit der Maßnahmen. Unter den Organkrankheiten werden sehr häufig Hepatopathien, insbesondere die Leberfibrose und -zirrhose beschrieben.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx