Lappen- und Seetaucher

Zwergtaucher

Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) im Tierpark Bern Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) im Tierpark Bern
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Lappentaucherartige (Popdicipediformes)
Familie: Lappentaucher (Podicipedidae)

D LC 650

Zwergtaucher 

Tachybaptus ruficollis • The Little Grebe or Dabchick • Le grèbe castagneux

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Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) im Vogelpark Marlow © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung des Zwergtauchers (Tachybaptus ruficollis), brütend und nicht-brütend

 

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Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) im Tierpark Nordhorn © Ina Deiting, TP Nordhorn

 

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Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) im Vogelpark Marlow © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Küken im Zoo Dresden © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) im Welt-Vogelpark Walsrode © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Ei des Zwergtauchers (Tachybaptus ruficollis) © Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

 

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Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) mit Küken. Illustration aus John GOULD (1873): The Birds of Great Britain, Vol. 5. Gemeinfrei.

 

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Der nicht-gefährdete Zwergtaucher ist als einheimische Art, als kleinster Fischfresser unter den Wasservögeln und wegen seines Verhaltens zoopädagogisch interessant. Er wird in Zoos nicht oft gehalten, ist aber derjenige Lappentaucher, der am ehesten anzutreffen ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Zwergtaucher erreicht eine Gesamtlänge von 25-29 cm, eine Flügelspannweite von 40-45 cm und ein Gewicht von 200-300 (117-315) g. Es gibt keinen Geschlechtsdimorphismus. Im Brutkleid sind Oberseite und Augengegend schwärzlich, Kopf und Hals rotbraun und die Unterseite weißlich Auffällig ist ein weißer Fleck am Schnabelwinkel. Im Ruhekleid sind die Oberseite dunkel bräunlichgrau, Kehle, Hals und Flanken blass hellbraun, und die Unterseite weißlich [2; 5; 7; 8].

Verbreitung

Der Zwergtaucher ist weitverbreitet in Europa, Asien (bis Papua-Neuguinea) und Afrika. Die Rote Liste gibt etwa 145 Länder oder abhängige Gebiete an, in denen die Art als Jahr-, Brut- oder regelmäßiger Gastvogel vorkommt [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Zwergtaucher ist der kleinste fischfressende Wasservogel. Seine Nahrung besteht aber überwiegend aus Insekten und deren Larven, daneben frisst er Mollusken, kleine Frosch- und Schwanzlurche und Fische bis maximal 11 cm Länge. Er lebt vorzugsweise im Schilfgürtel stehender oder langsam fließender Gewässer, wo die Paare ihre Anwesenheit im Frühjahr durch ein lautes, trillerndes Liebesduett kundtun und ein schwimmendes Nest bauen. Auf dem Zug nutzt er auch Tümpel und überflutete Felder. Im Winter ist er ferner auf größeren Seen, die nicht zufrieren, und in Hafenanlagen anzutreffen. Meistens werden im Frühling 4-5 (2-7) weiße, ca. 37x26 mm große Eier gelegt, die von beiden Partnern während drei Wochen bebrütet werden. Verlassen die Vögel kurzfristig das Nest, decken sie die Eier mit Wasserpflanzen zu. Die Jungen sind mit etwa 8 Wochen selbständig. Später im Jahr kann eine zweite Brut erfolgen. In Ruhe schwimmende Zwergtaucher tragen das Gefieder gesträubt, vor dem Tauchen legen sie die Federn an und pressen die Luft heraus. Meistens tauchen sie weniger als 1 m tief, können aber bis auf über 6 m Tiefe hinuntergehen. Zwergtaucher sind überwiegend tagaktiv, ziehen aber nachts.  [2; 4; 5; 7; 8].
       
Die west- und mitteleuropäischen Zwergtaucher sind mehrheitlich Standvögel, die osteuropäischen und asiatischen Kurzstreckenzieher [7].

Gefährdung und Schutz

Das Verbreitungsgebiet und die Gesamtpopulation des Zwergtauchers sind sehr groß. Mit einem geschätzten Gesamtbestand, der zwischen 610'000 und 3.5 Millionen Individuen liegt, gilt die Art nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt. Die Art unterliegt nicht der Europäischen Vogelschutzrichtlinie. Sie fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und unter Anhang 2 des African-European Waterbird Agreements (AEWA).

Situation in Mitteleuropa: In den deutschsprachigen Ländern ist der Zwergtaucher geschützt. Der Rückgang der Schilfgürtel und das Verschwinden von Kleingewässern hat manchenorts zu einem Bestandsrückgang geführt. Von der auf 129'000-208'000 Brutpaare geschätzten europäischen Population brüten 12-19'000 Paare in Deutschland, 800-1'300 in der Schweiz, 700-1'000 in Österreich, 90-100 in Luxemburg und 4-8 in Liechtenstein. Der Winterbestand liegt in Deutschland bei 8'000-20'000 Stück, in der Schweiz wurden im Januar 2020 3'461 Individuen gezählt [1; 6; 7].

Bedeutung für den Menschen

Der Zwergtaucher wird gebietsweise (z.B. im Iran) als Sport oder zur Gewinnung von Fleisch bejagt [1].

Haltung

Die Haltung erfolgt in der Regel in Volieren in Gesellschaft mit anderen Arten, wobei zu beachten ist, dass sich Zwergtaucher und Zwergsäger nicht gut vertragen. Das Höchstalter in Menschenobhut wird mit 9 Jahren angegeben [4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 15 Zoos und gehalten, von denen sich über drei Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Seit 2021 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm ("New Style"-EEP) , das vom Zoo London koordiniert wird.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Lappentaucher. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) sind sie in Außenanlagen mit offenen Wasserflächen und angrenzendem Landteil zu halten. Bei Volierenhaltung sind pro Paar 4 m² Fläche bei einer Höhe von 2 m vorzusehen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Zwergtaucher wurde 1764 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte, als "Colymbus ruficollis" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Tachybaptus wurde 1853 vom sächsischen Zoologen Heinrich Gottlieb Ludwig REICHENBACH eingeführt. Es werden 9 Unterarten anerkannt. Die Nominatform ist in Europa bis zum Ural und in Nordwestafrika verbreitet [2].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2019). Tachybaptus ruficollis (amended version of 2017 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T22696545A155540155 https://www.iucnredlist.org/species/22696545/155540155 und (2015). Tachybaptus ruficollis. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22696545A60144256. Downloaded on 26 December 2019.
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  3. EIDGENÖSSISCHE JAGDSTATISTIK
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. KNAUS, P., SATTLER, T., SCHMID, H., STREBEL, N. & VOLET, B. (2020)
  7. MAUMARY, L. et al. (2007)
  8. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)

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Gelesen 14632 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 16 März 2022 17:58
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx