Kugel- und Plattfische

Steinbutt

Steinbutt (Scopthalmus maximus) im Zoo Basel Steinbutt (Scopthalmus maximus) im Zoo Basel
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Ordnung: Plattfische (Pleuronectiformes)
Familie: Steinbuttverwandte (Scopthalmidae)

D VU 650

Steinbutt

Scopthalmus maximus • The Turbot • Le turbot

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Steinbutt (Scopthalmus maximus) im Vivarium des Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Steinbutts (Scopthalmus maximus)

 

 

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Junger Steinbutt (Scopthalmus maximus) im Océarium Le Croisic © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Im Zentrum für Aquakulturforschung (ZAF) in Bremerhaven werden verschiedene Aspekte der Aquakultur als Grundlagen für diesen Zukunftsmarkt erforscht. Hier wird Steinbutt auf Marktfähigkeit getestet. Bild: http://www.bremerhaven.de

 

 

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Steinbutt (Scopthalmus maximus) im SeaLife Center Scheveningen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Steinbutt (Scopthalmus maximus) im Biodiversarium Banyuls © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Junger Steinbutt (Scopthalmus maximus) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Junger Steinbutt (Scopthalmus maximus) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

10 Zl.-Münze, Polen, 1971
10 Zl.-Münze, Polen, 1971

 

 

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Als größter in europäischen Gewässern vorkommender Plattfisch und wichtiger Speisefisch, der es gar zu literarischen Ehren gebracht hat, ist der Steinbutt von zoopädagogischem Interesse und wird daher häufig in europäischen Zoos und Schauaquarien gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Steinbutt ist ein Bodenfisch mit einem fast kreisrunden Körper. Er kann eine Länge von über einem Meter und ein Gewicht von 25 kg erreichen. Durchschnittlich wird er bis zu 70 cm groß. Die Augen befinden sich auf der linken Körperseite, das untere etwas vor dem oberen. Das Maul ist groß, endständig und mit vorstehendem Unterkiefer. Die Haut ist schuppenlos. Die Oberseite ist gepunktet und je nach Aufenthaltsort unterschiedlich gefärbt, sodass sich der Fisch kaum von seiner Umgebung unterscheidet. Die Unterseite ist weiß [6; 7].

Verbreitung

Atlantik: Nordost-Atlantik, Mittelmeer und Schwarzes Meer, Ostsee. Im Schwarzen Meer eigene Unterart Scophthalmus maximus maeoticus [4; 6].

Lebensraum und Lebensweise

Steinbutte leben auf sandigem oder felsigem Untergrund, oft in Brackwasser. Sie ernähren sich von Krebsen, Muscheln und kleinen Bodenfischen. Sie laichen zwischen April und August in 10-80 m Tiefe. Die Eier treiben im Plankton. Die Larven, die noch eine normale, d.h. symmetrische Fischform aufweisen, schlüpfen nach wenigen Tagen. Sie leben in den oberen Wasserschichten- Nach 4-6 Monaten haben sie eine Länge von 2.5 cm und beginnen, sich zum bodenlebenden Plattfisch umzuwandeln [7].

Gefährdung und Schutz

Es gibt keine konkreten Bestandsschätzungen, aber aufgrund der abnehmenden Fangzahlen wird davon ausgegangen, dass der Bestandstrend negativ ist. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 wurde die Art daher als potenziell gefährdet eingestuft. Eine zweite, nur auf Europa bezogene (was aber fast identisch ist) Überprüfung aus dem Jahr 2013 erhöhte den Gefährdungsstatus auf "gefährdet" (Rote Liste: VULNERABLE).

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Die Fischereipolitik der EU hat verheerende Folgen für den Steinbutt, wie auch für andere wertvolle Speisefische. Mehr als 80% der wirtschaftlich genutzten Fischbestände in den EU-Gewässern sind überfischt und befinden sich in einem schlechten Zustand. Vom Steinbutt gibt es nur noch wenige große Exemplare und in Norwegen wurde daher intensiv nach Möglichkeiten geforscht, den Steinbutt auch zu züchten [2; 3].

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Der europäische Jahresfang liegt bei etwa 10'000 Tonnen, das dürfte etwa 5 Millionen Tieren entsprechen. Im Mittelmeer sank die jährliche Fangmenge von 5'000 Tonnen in den 1980er-Jahren auf nur noch 1'000 Tonnen um das Jahr 2000. Da der Bedarf durch Wildfänge nicht gedeckt werden kann, wurde der Steinbutt in den 1970er-Jahren in die Aquakultur eingeführt. Er ist dafür besonders gut geeignet, weil er in Intensivhaltung gehalten werden kann und in drei Jahren über 3 kg zulegt, was für eine Kaltwasserart vergleichsweise viel ist. Heute werden in Europa rund 10'000 Tonnen im Rahmen von Aquakulturen produziert. China produziert etwa 60'000 Tonnen. Gezüchtete Steinbutte benötigen etwa 26-30 Monate bis sie ihr Handelsgewicht von 1.5 bis 2 kg erreicht haben. Die Produktion findet zumeist in Anlagen mit offen-zirkulierendem Seewasser statt. Die Produktion in rezirkulierenden Kreislaufanlagen gewinnt jedoch mehr und mehr an Bedeutung. Die Haltung im Meer in Netzkäfigen spielt nur eine untergeordnete Rolle [2; 3; 6].

Während die europäische Kommission für das Jahr 2016 ein Verbot des Steinbuttfangs im Schwarzen Meer beabsichtigt hatte, beschloss der Rat, die zulässige Gesamtfangmenge auf 86,4 Tonnen festzulegen; dies entspricht der 2015 genehmigten Menge [2; PM EU-Kommission vom 14-12-2015].

Kulturelle Bedeutung: Der Steinbutt ist Gegenstand einer Satire des römischen Dichters JUVENAL [5]. Polen hat 1971 eine 10-Zlotych-Münze mit einem Steinbutt herausgegeben.

Durch das plattdeutsche Märchen vom "Fischer und syner Fru" ist der Steinbutt weltberühmt geworden. 1977 gelangte er durch den Roman "Der Butt" von Günter Grass zu weiteren literarischen Ehren. Anders als im Märchen ist bei Grass der Mann das unersättliche Wesen, das immer mehr wollte.

Grimm: Vom Fischer un syner Fru, plattdeutsch

Grimm: Vom Fischer und seiner Frau, hochdeutsch

Haltung

Aquakulturen bieten sich als Bezugsquelle für junge Steinbutte an.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 70 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich gegen ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen: In Deutschland und Österreich gibt es keine konkreten Mindestnormen. In der Schweiz gibt Anhang 2, Tabelle 8 der Tierschutzverordnung an, wie viele Liter Wasser pro cm Gesamtkörperlänge (ohne Schwanzflosse) der gehaltenen Fische angeboten werden müssen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1759 von Carl von LINNÉ als "Pleuronectes maximus" beschrieben. Die Gattung Scophthalmus wurde 1810 von dem in Marseille aufgewachsenen, hauptsächlich in den USA tätigen Universalgelehrten Constantine Samuel RAFINESQUE aufgestellt. Oft wird das aus dem Jahr 1839 stammende Synonym Psetta maxima verwendet. Die Schwarzmeerform wird je nach Autor als Unterart oder eigenständige Art angesehen [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. BUNDESVERBAND AQUAKULTUR
  3. EU FISCHEREI
  4. FISH BASE
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. MUUS, B. J. & NIELSEN, J. G. (2013)
  7. TEROFAL, F. (1986)
  8. GOLANI, D., KADA, O., NOUAR, A., QUIGNARD, J.P. & CUTTELOD, A. (2011). Scophthalmus maximus. The IUCN Red List of Threatened Species 2011: e.T198731A9089507. https://www.iucnredlist.org/species/198731/9089507 und https://www.iucnredlist.org/species/198731/45790581. Downloaded on 12 April 2020.

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Gelesen 989 mal Letzte Änderung am Sonntag, 12 April 2020 08:10
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx