Kugel- und Plattfische

Eigentliche Igelfische

Gewöhnlicher oder Gepunkteter Igelfisch (Diodon hystrix) im Zoo-Aquarium Berlin Gewöhnlicher oder Gepunkteter Igelfisch (Diodon hystrix) im Zoo-Aquarium Berlin
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Ordnung: Kugelfischverwandte (Tetraodontiformes)
Familie: Igelfische (Diodontidae)

Vorbemerkung

Igelfische, die am Körper Stacheln haben, die deutlich größer und kräftiger sind als jene der Kugelfische, entsprechen mit ihrem rundlichen Kopf und den großen Augen dem LORENZ'schen Kindchenschema und wirken so als Sympathieträger. Sie lassen sich daher gut als Botschafter für den Meeres- und Korallenriffschutz einsetzen. Dementsprechend sind sie recht oft in europäischen Zoos und Schauaquarien zu sehen.

Bedeutung für den Menschen

Igelfische werden gebietsweise gegessen, sind aber von untergeordneter Bedeutung für die gewerbliche Fischerei. Sie werden in kleinen Mengen für den internationalen Aquarienfischhandel gefangen und für den Handel als Souvenirs gesammelt [3; 4; 6].

Mindestanforderungen an die Haltung (für alle Arten)

In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestnormen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs fordert für 1-2 Tiere von Arten mit über 20 cm Länge ein Beckenvolumen von mindestens 1'000 l und für jedes weitere Tier 200 l mehr. In der Schweiz gibt Anhang 2, Tabelle 8 der Tierschutzverordnung an, wie viele Liter Wasser pro cm Gesamtkörperlänge der gehaltenen Seepferdchen angeboten werden müssen.

D LC 650

Gepunkteter oder Gewöhnlicher Igelfisch

Diodon hystrix • The Spot-fin Porcupinefish • Le poisson porc épic armé

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Gepunkteter Igelfisch (Diodon hystrix) im Zoo-Aquarium Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

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Approximative Verbreitung des Gepunkteten Igelfischs (Diodon hystrix)

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Gepunkteter Igelfisch (Diodon hystrix) im Zoo-Aquarium Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

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Unten: Gepunkteter Igelfisch ("Paradiodon hystrix" = Diodon hystrix), oben Lagocephalus spadiceus. Illustration aus P. BLEEKER (1865). Atlas ichthyologique des Indes orientales néêrlandaises Band V, Tafel CCVII. Public Domain.

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Igelfisch (Diodon hystrix). Bild aus aus BREHMs Thierleben (1882-1887). Public domain.

 

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Körperbau und Körperfunktionen

Gepunktete Igelfische werden meist 40 cm lang und können im Extremfall 85(-91) cm erreichen. Das höchste publizierte Gewicht betrug 2.8 kg. Auffällig sind die extrem großen Augen und die den ganzen Körper bedeckenden Stacheln. Diese liegen eng an und werden nur aufgestellt, wenn der Fisch sich aufbläst.  Die runden Stacheln haben drei Wurzeln, von denen eine die Fortsetzung des Stachels selbst ist, und liegen schuppig über einander. Ihre Länge kann 5 cm betragen. In der Rückenflosse stehen 14, in der Brustflosse 21, in der Afterflosse 17, in der Schwanzflosse 10 Strahlen [1; 2; 3].

Verbreitung

Atlantik und Indo-Pazifik: Der Gepunktete Igelfisch ist in fast allen tropischen Meeren zu finden, hauptsächlich in Fels- oder Korallenriffen, auch in größeren Tiefen bis etwa 50 m. Sie kommt in den Territorialgewässern von über 120 Staaten oder abhängigen Gebieten vor, in Europa in Frankreich, Gibraltar, Italien, Portugal und Spanien. Der erste Nachweis aus dem Mittelmeer stammt aus dem Golf von Tarent und datiert von 1963 [3; 6].

Lebensraum und Lebensweise

Igelfische sind, wie die Kugelfische, langsame aber sehr wendige Schwimmer. Sie sind überwiegend dämmerungsaktiv. Ihr Gebiss besteht aus je einer Zahnplatte im Ober- und Unterkiefer, daher der wissenschaftliche Name "diodon", Zweizahn. Ihre Nahrung besteht vorzugsweise aus hartschaligen Muscheln und Schnecken, sie nehmen aber auch Krebse und Seeigel [2; 3; 5].

Gefährdung und Schutz

Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2011 wurde die Art 2016 als nicht gefährdet eingestuft [6].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Haltung

Der Gepunktete Igelfisch ist nur für erfahrene Meerwasser-Aquarianer geeignet. Wegen der zu erwartenden Endgröße von meistens ca. 40 cm sollte die Art nur in Becken mit einem Inhalt von mindestens 2'000 l gepflegt werden. Die empfohlene Wassertemperatur liegt bei 22–28°C [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 15 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich ein paar im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter ihrem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben [3].

 

D NB 650

Masken-Igelfisch

Diodon liturosus • The Black-blotched Porcupinefish • Le poisson porc-épic à taches auréolées

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Masken-Igelfisch (Diodon liturosus) im Océanaopolis Brest © Peter Dollinger

 

 

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Approximative Verbreitung des Masken-Igelfischs (Diodon liturosus)

 

 

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Masken-Igelfisch (Diodon liturosus) im Komodo-Nationalpark, Indonesien © Nick Hobgood auf Wikimedia Commons. Veröffentlicht unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

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Körperbau und Körperfunktionen

Der Masken-Igelfisch erreicht eine Länge von 65 cm [2; 4].

Verbreitung

Südost-Atlantik und Indo-Pazifik: Im Atlantik Küste Afrikas von Senegal an südwärts, Indo-Pazifik: von der Küste Süd- und Ostafrikas bis zu den Gesellschaftsinseln im Zentral-Pazifik, nordwärts bis Süd-Japan, südwärts bis New South Wales. Rotes Meer und Arabischer Golf. Fehlt auf Hawaii [4].

Lebensraum und Lebensweise

Der Masken-Igelfisch besiedelt Riffkanten und Steilküsten bis in 40 m Tiefe. Er lebt solitär, ist überwiegend nachtaktiv und ruht tagsüber in Höhlen oder unter ausladenden Korallenstöcken. Nachts jagt er Krebs- und Weichtiere. Jungtiere halten sich in Lagunen und Flussmündungen auf [4].

Gefährdung und Schutz

Die Art wurde im Rahmen der Roten Liste noch nicht beurteilt.

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in weniger als 10 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich welche im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1804 von dem englischen Zoologen und Botaniker George Kearsley SHAW unter ihrem heute noch gültigen Namen beschrieben [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. EICHLER, D. (1997)
  3. FISH BASE (D. hystrix)
  4. FISH BASE (D. liturosus)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. LIU, J. et alJ. (2015). Diodon hystrix (errata version published in 2016). The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T193668A97664783. http://www.iucnredlist.org/details/193668/0. Downloaded on 10 March 2018.
  7. MEERWASSER-LEXIKON

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx