Nebengelenk- und Schuppentiere

Zweifingerfaultier

Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus) mit Jungem Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus) mit Jungem
© Ina Brockmann, Tierpark Nordhorn

Überordnung: Zahnarme, Nebengelenktiere (XENARTHRA)
Ordnung: Panzerlose Nebengelenktiere (PILOSA)
Unterordnung: Blattfresser (Folivora)
Zweifinger-Faultiere (Megalonychidae)

D LC 650

Zweifingerfaultier, Unau

Choloepus didactylus • The Southern Two-toed Sloth • Le paresseux de Linné ou l'unau

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Junges Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus) im Zoo Zürich © Enzo Franchini, Zoo Zürich

 

 

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Approximative Verbreitung der Zweifingerfaultiere (Choloepus spp.); dunkelblau: didactylus; rot: hoffmanni

 

 

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Zweifingerfaultier-Weibchen (Choloepus didactylus) mit Jungtier in Der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus) im Gondwanaland des Zoo Leipzig © Zoo Leipzig

 

 

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Hoffmanns Zweifinger-Faultier (Choloepus hoffmanni) wildlebend in Cahuita, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Junges Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

 

 

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Zweifingerfaultier-Weibchen (Choloepus didactylus) imit Jungtier im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

 

 

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Zweifingerfaultier-Weibchen (Choloepus didactylus) mit Jungtier in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Zweifingerfaultier-Weibchen (Choloepus didactylus) mit Jungtier in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Junges Hoffmans Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus) in der Auffang- und Schutzstation Aviarios del Caribe, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Zweifingerfaultiere faszinieren durch ihren Körperbau und ihre sprichwörtliche Langsamkeit. Als extrem an das Leben in Baumkronen angepasste Tiere sind sie ideale Botschafter für den Schutz der neotropischen Regenwälder. Im Zoo sind sie sehr langlebig und es kommt oft zur Zucht. Sie sind in europäisches Zoos daher häufig zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Zweifingerfaultiere erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 60-64 cm, der Schwanz ist ein kaum sichtbarer Stummel, und das Gewicht liegt bei etwa 9 kg. Das Gesicht ist flach mit vorspringender, nackter Schnauze, kleinen Augen mit brauner Iris und kleinen, meist im Fell verborgenen Ohren. In jeder Kieferhälfte sitzen oben 5, unten 4 schmelzlose Zähne, die während des ganzen Lebens nachwachsen, Der jeweils erste Zahn ist hauerartig verlängert. An den Vorderbeinen sind zwei, an den Hinterbeinen drei verwachsene Finger bzw. Zehen mit sichelförmigen, bis 7.5 cm langen Krallen vorhanden. Das Deckhaar ist hart und lang, auf dem Rücken bis 15 cm, die Unterwolle fehlt. Der Scheitel befindet sich auf dem Bauch, damit das Regenwasser ablaufen kann. Die Fellfarbe ist graubraun bis beige [2].

Verbreitung

Nördliches Südamerika: Brasilien, Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Peru; Surinam, Venezuela. nördlich davon, in Mittelamerika, schließt die Art Choloepus hoffmanni an, ebenso westlich gegen die Anden [1].

Lebensraum und Lebensweise

Zweifingerfaultiere besiedeln tropisch-feuchte Wälder des Tieflands und Bergwälder. Sie leben einzeln und sind nachtaktiv. Wie so oft hat ein besonderes Verhalten in der Natur einen Sinn: Faultiere haben einen niedrigen Stoffwechsel, eine langsame Verdauung und schützen sich durch ihre Bewegungslosigkeit vor Entkräftung und Freßfeinden. Zur besseren Tarnung vor Räubern wie dem Jaguar oder Harpyien – einer südamerikanischen Greifvogelart – wachsen ihnen sogar Algen und Moose im Fell. Diese „Untermieter“ lassen das Tier nahezu unsichtbar werden. Über ihr Nahrungsspektrum ist wenig bekannt. Es besteht weitgehend aus Blättern, welche nährstoff- und energiearm sind. Durch die hohe Fermentations-Aktivität in ihrem Verdauungssystem und durch die hohe Nahrungsaufnahme von solchen Blättern, werden den Faultieren dennoch die Energie und die Nährstoffe geliefert, die sie benötigen. Neben der Nahrungsaufnahme finden auch Paarung und Geburt in den Bäumen statt. Nach einer Trächtigkeit von 10 Monaten kommt jeweils ein einzelnes, 25 cm langes und 300-400 g schweres Junges zur Welt. Dieses ist voll entwickelt, hilft selbst bei der Austreibung mit und krallt sich sofort im Fall der Mutter fest. Es hat bereits ein vollständiges Gebiss und wird schon nach einigen Wochen entwöhnt. Es wird aber erst mit 9-12 Monaten selbständig und reitet bis zu diesem Zeitpunkt auf dem Bauch der Mutter. Jungtiere können zu jeder Jahreszeit anfallen. Die Geburtsintervalle betragen 16 Monate oder mehr [1; 2; 3; 5].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weit verbreitet und relativ häufig - allerdings ist die Populationsdichte geringer als bei den Dreizehenfaultieren - und kommt in vielen Schutzgebieten vor. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2013 wurde sie deshalb als nicht-gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt. Die costaricanische Population von Choloepus hoffmanni ist in Anhang III.

Bedeutung für den Menschen

Zweifingerfaultiere werden von der lokalen Bevölkerung zur Gewinnung von Fleisch für den Eigenbedarf gejagt, aber es gibt keinen wesentlichen Handel mit dem Fleisch [1].

Haltung

Zweifingerfaultiere können im Zoo bei einer Ersatznahrung bestehend aus Salaten, Gemüse, Laub, Früchten und wenig tierischem Protein sehr alt werden. Zwei in amerikanischen Zoos gehaltene Weibchen erreichten Lebensalter von über 36 Jahre. Ein in der Wilhelma geborenes Männchen starb im Alter von 35 Jahren und einem Monat im Zoo Zürich [7].

Obwohl Zweifingerfaultiere von Hause aus solitär leben, ist im Zoo eine Haltung in Paaren oder kleinen Gruppen möglich, sofern das Gehege reichlich mit Kletter- und Ausweichmöglichkeiten ausgestattet ist. Im Fall einer Geburt ist es bisweilen nötig, das Männchen abzutrennen [4].

Bei der Zucht ist zu beachten, dass sich die beiden Arten kaum unterscheiden lassen. In den USA gibt es dehalb viele Mischpaare [4].

Haltung in europäischen Zoos: Choloepus didactylus wird in über 100 Zoos gehalten, von denen sich gegen ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Von Choloepus hoffmanni gibt es etwa 5 Haltungen. Für Details siehe Zootierliste.

Die Europäischen Zuchtbücher für Choloepus didactylus und Choloepus hoffmanni (ESB, seit 1995) werden am Zoo Halle geführt.

Wie Zweifingerfaultiere gehalten werden (Beispiel):
Rio Negro im Zoo Duisburg (ZOOLEX Gallery)

Forschung im Zoo: Zweifingerfaultiere sind relativ schlecht erforscht und Vieles, was wir wissen, stammt aus Zoos. So wurde z.B. In Zusammenarbeit mit dem Zoo Zürich eine Dissertation über ihre Verdauungsphysiologie, Stoffwechsel und Methanproduktion verfasst [6] und eine Gruppe französischer Autoren trug Reproduktionsdaten aus verschiedenen Zoos zusammen und verglich sie mit Informationen von Exemplaren, die wegen eine Staudammprojekts in Französisch Guiana eingefangen wurden [5].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für ein Paar ein Innengehege mit einer Fläche von 10 m² bei einer Höhe von 2 m vor und für jedes weitere Tier 2 m² zusätzlich. Ein kleines Außengehege wird als wünschenswert bezeichnet. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 1-2 Tiere ein Innengehege mit einer Mindestfläche von 10 m² und einem Volumen von 20 m³ vor und für jedes weitere Tier 2 m² Fläche mehr. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs fordert eine paarweise Haltung in einem Innengehege von mindestens 16 m² und 3 m Höhe.

 Taxonomie und Nomenklatur

Das Zweifingerfaultier wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Bradypus didactylus" beschrieben und von dem in Berlin tätigen Zoologen Johann Karl Wilhelm ILLIGER 1811 als Typusart in die neue Gattung Choloepus gestellt. Es gibt keine Unterarten. Choloepus hoffmanni wurde 1858  vom nachmaligen Direktor des Berliner Zoos, Wilhelm PETERS, unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben.[8].

Literatur und Internetquellen

  1. CHIARELLO, A. & PLESE, T. (2014). Choloepus didactylus. The IUCN Red List of Threatened Species 2014: e.T4777A47439542. http://www.iucnredlist.org/details/4777/0. Downloaded on 20 May 2018.
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. HERBERS, L. (2013) 
  4. SUPERINA, M., MIRANDA, F. & PLESE, T. (2012)
  5. TAUBE, E., KERAVEC, J., VIÉ, J.-C. & DUPLANTER, J.-M. (2001)
  6. VENDL, C. (2015)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 1273 mal Letzte Änderung am Freitag, 11 Januar 2019 16:55
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx