Welsartige

Europäischer Wels

Europäischer Wels (Silurus glanis) im Tiergarten Straubing Europäischer Wels (Silurus glanis) im Tiergarten Straubing
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Ordnung: Welsartige (Siluriformes)
Familie: Echte Welse (Siluridae)

D LC 650

Europäischer Wels, Waller

Silurus glanis • The Wels Catfish • Le silure glane

Europäischer Wels (Silurus glanis), Albino, im Zoo-Aquarium Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Europäischer Wels (Silurus glanis), Albino, im Zoo-Aquarium Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Europäischen Welses (Silurus glanis). Dunkelblau: autochthone Vorkommen; rot: angesiedelte Populationen

 

 

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Approximative Verbreitung des Europäischen Welses (Silurus glanis) in der Schweiz

 

 

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Europäischer Wels (Silurus glanis). Abbildung aus BLOCH, M. E. et al. (1795-1797) Illustrations de Ichtyologie ou histoire naturelle générale et particulière des Poissons

 

 

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"Quappe (Lota vulgaris) und unerwachsener Wels (Silurus glanis)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Wappen von Welsheim

 

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Der Europäische Wels ist der imposanteste Süßwasserfisch, der heute in Mitteleuropa noch weit verbreitet ist. Als einheimische Art und wegen seiner kulturellen Bedeutung ist er von großem zoopädagogischem Interesse und ist dementsprechend sehr häufig in europäischen Zoos und Schauaquarien zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Europäische Wels ist einer der größten Süßwasserfische. 2.5 m lange Individuen sind keine Seltenheit. Im Dnjepr soll ein Exemplar von 5 m Länge und 306 kg Gewicht gefangen worden sein. Die Rekordfänge in Mitteleuropa hatten ein Gewicht von 113 kg (Deutschland), 97 kg (Österreich), und 88 kg (Schweiz). Er ist nicht gerade eine Schönheit. Der Zürcher Stadtarzt Conrad GESNER (1516-1565) beschrieb ihn so: "Dieß scheußliche Thier möcht ein teutscher Wallfisch genennt werden. Ist ein sehr scheußlicher, grosser Fisch, hat ein scheußlich weit Maul vnd schlauch, grossen Kopff, keine Zän, sondern allein rauhe Kynbacken, ist an der gantzen Gestalt nit vngleich einer Trüschen, so grosse ding kleinen zu vergleichen sind, hat keine schüppen, sondern eine glatte schlüpfferige Haut."  [1; 6; 8; 9; 10]

Verbreitung

Zentral- und Osteuropa, West- und Zentralasien: Afghanistan, Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Iran, Italien, Kasachstan, Kirgistan, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Österreich, Pakistan, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tadschikistan, Tschechien, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, Weißrussland [5].

Die Art fehlte ursprünglich im Einzugsgebiet des westlichen Mittelmeers, wurde aber 1857 in das Fluss-System der Rhone eingeführt. Eingeführt auch im Einzugsgebiet des Po, in Katalonien, in zum Atlantik führenden Flüssen Frankreichs, auf den Britischen Inseln und im Einzugsgebiet des Balchasch-Sees [5].

Lebensraum und Lebensweise

Der Wels ist ein Raubfisch, der sich von Krebsen, Fischen, Amphibien und gelegentlich Vögeln und Säugetieren ernährt. Im farnzösischen Fluss Tarn haben sich bei der Stadt Albi die dort standortfremden Welse auf den Fang von Stadttauben spezialisiert, die sie in Ufernähe erbeuten, wenn sie baden [2]. Die Laichzeit fällt in die Monate Mai bis Juli. Das Weibchen legt die weißlichen, klebrigen Eier in ein einfaches Nest aus Pflanzenteilen, wo sie vom Männchen bewacht werden. Ein Gelege umfasst etwa siebzehntausend Eier, aus denen nach sieben bis neun Tagen die Kaulquappen ähnelnden Jungen schlüpfen. Welse werden recht alt. Ein in der Ill bei Straßburg gefangener Wels von 30 cm Länge wurde in einem Weiher von 1569 bis 1620 gehalten und beobachtet [1; 9; 10].

Gefährdung und Schutz

Der Europäische Wels ist eine weitverbreitete Art, die nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 global nicht gefährdet ist. Lokal kann dieser Fisch allerdings durch Fluss- und Strömungsregulierungen, welche Laichgründen in Flachwasserzonen zerstören, bedroht sein. In Deutschland nicht gefährdet, Österreich gefährdet, in der Schweiz potenziell gefährdet [4; 5; 7; 11].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Der Wels fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Der europäische Wels ist Gegenstand der gewerblichen und der Sportfischerei sowie der Aquakultur [3].Das Fleisch junger Tiere ist wohlschmeckend, das alter oft zäh [9].

Kulturelle Bedeutung: Die Größe und das grimmige Aussehen des Welses gab Anlass zu allerlei Mären über seine ernährungsgewohnheiten. So berichtet GESNER, dass  "in eines Magen ein Menschenkopff vnd rechte Handt mit zweyen güldinen Ringen sind gefunden worden; dann sie fressen allerley daß sie bekommen mägen, Gänß, Enten, verschonen auch dem Viehe nit, so man es zur Weth oder wäschen, oder sonst zu träncken führt, also daß sie auch zu zeiten die Pferd zu grund ziehen vnd ersäuffen, verschonnt dem Menschen gar nit wo er jn kriegen mag." Letzteres sei nach BREHM keine Uebertreibung, denn man kenne mehrere Fälle, welche Geßners Angaben bestätigen. In dem Magen eines bei Preßburg gefangenen Welses habe man die Reste eines Knaben, in einem anderen einen Pudel, in einem dritten Gänse, welche er ersäuft und verschlungen hatte, gefunden. Im Donauraum bestand der Aberglaube, dass ein Fischer sterben müsse, wenn ein Wels gefangen werde. An anderen Orten wurde er als Wetterprophet angesehen [1]. Der Wels spielt zwar in der traditionellen Heraldik keine Rolle, wurde aber in jüngerer Zeit in verschiedene Gemeindewappen aufgenommen, so von Klein-Welzheim (Hessen), Welsleben (Sachsen-Anhalt) oder Steindorf am Ossiacher See

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 100 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich rund ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestnormen für das Halten von Rotflossenantennenwelsen. In Österreich fordert die 2. Tierhaltungsverordnung für 2 Tiere ein Becken mit einer Mindestfläche von 4 m². In der Schweiz gibt Anhang 2, Tabelle 8 der Tierschutzverordnung an, wie viele Liter Wasser pro cm Gesamtkörperlänge (ohne Schwanzflosse) der gehaltenen Fische angeboten werden müssen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter ihrem heute noch gültigen Namen beschrieben [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. CUCHEROUSSET, J., BOULETREAU, S., AZEMAR, F., COMPIN, A., GUILLAUME, M. & SANTOUL, F. (2012)
  3. FISH BASE
  4. FREYHOF, J. (2009)
  5. FREYHOF, J. & KOTTELAT, M. (2008). Silurus glanis. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T40713A10356149. http://www.iucnredlist.org/details/40713/0. Downloaded on 27 February 2018.
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. KIRCHHOFER, A., BREITENSTEIN, M. & ZAUGG, B. (2007)
  8. RHEIN-ANGELN
  9. SCHINDLER, O. (1959)
  10. ZAUGG, B., STUCKI, P., PEDROLI, J.C. & KIRCHHOFER A. (2003)
  11. ZULKA, K.P. & WALLNER, R.M. (2007)

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Gelesen 943 mal Letzte Änderung am Samstag, 18 Mai 2019 08:02
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