Karpfenfische

Nase

Nase (Chondrostoma nasus) im Tiergarten Schönbrunn Nase (Chondrostoma nasus) im Tiergarten Schönbrunn
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Ordnung: Karpfenfische (Cypriniformes)
Familie: Karpfen (Cyprinidae)
Unterfamilie: Weißfische (Leuciscinae)

D LC 650

Nase

Chondrostoma nasus • The Nase • Le nase ou hotu

Die Nase war in Deutschland der „Fisch des Jahres 2020“

Nase (Chondrostoma nasus) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Nase (Chondrostoma nasus) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

516 011 045 003 chondrostoma nasus map
Approximative Verbreitung der Nase (Chondrostoma nasus). Dunkelblau: autochthone Vorkommen, rot: angesiedelte Populationen

 

 

516 011 045 003 Chondrostoma nasus goldau PD2
Nase (Chondrostoma nasus) im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

516 011 045 003 Chondrostoma nasus goldau PD1
Nasen (Chondrostoma nasus) im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

516 011 045 003 chondrostoma nasus cottbus KR1
Junge Nase (Chondrostoma nasus) im Tierpark Cottbus © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

516 011 045 003 chondrostoma nasus juv cottbus KR2
Junge Nase (Chondrostoma nasus) im Tierpark Cottbus © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

516 sichling rapfen nase BREHM
"1 Sichling (Pelecus cultratus), 2 Rapfen (Aspius rapax) und Nase (Chondrostoma nasus). Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Als einheimische Art, die früher eine große Bedeutung als Speisefisch hatte und heute regional bedroht ist, ist die Nase von größerem zoopädagogischem Interesse. Sie wird daher in etlichen Zoos und Schauaquarien gezeigt, die sich hauptsächlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz befinden.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Nase erreicht eine mittlere Länge von 25-40 cm, im Extremfall bis 50 cm. Sie wird etwa 1.5 kg schwer. Sie hat einen langgestreckten, spindelförmigen, seitlich wenig abgeflachten Körper. Ihr Maul ist unterständig und mit stark verhornten, scharfkantigen Lippen versehen. Ihre Schuppen sind klein. Außerhalb der Laichzeit ist die Färbung des Rückens schwärzlich-grün, an Seiten und Bauch glänzend silberweiß, auf den Flossen, mit Ausnahme der dunklen Rückenflossen, rötlich. Gegen die Laichzeit hin nehmen alle Körperteile eine lebhaftere Färbung an, und es tritt namentlich auch in beiden Mundwinkeln und an den Brustflossengelenken ein schönes Orangegelb hervor. [1; 6; 7;10]

Verbreitung

Europa nördlich der Alpen bis zu Nord- und Ostsee, im Osten bis zum Ural/Kaspischem Meer und im Westen bis zu den Einzugsgebieten von Rhone und Seine: Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland (fehlt im Elbebecken), Frankreich, Kosovo, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Ungarn, Weißrussland. In Italien eingeführt [4; 11].

Lebensraum und Lebensweise

Die Nase besiedelt größere Fließgewässer der Äschen- und Barbenregion sowie Seen bis auf eine Höhe von etwa 900 m. Nasen leben in Gruppen. Zur Laichzeit, von März bis April, bilden sie Schwärme, die zu den traditionellen Laichplätzen aufsteigen. Die Weibchen legen über Grund 20-100'000 Eier, die am Kies festkleben. Die Nahrung besteht aus Algenwatten und darin lebenden Kleintieren. Überwintert wird in tiefen Wasserbereichen mit geringer Strömung [6; 11].

Gefährdung und Schutz

Wegen ihrer weiten Verbreitung und gebietsweisen Häufigkeit wird die Nase aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2010 global und im Europäischen Rahmen (EU27) nicht als gefährdet eingestuft. In Deutschland gilt die Art aber als stark gefährdet, in der Schweiz als vom Aussterben bedroht, was hauptsächlich durch wasserbauliche Maßnahmen bedingt ist [3; 4; 5; 8; 11].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Bedeutung für den Menschen

Die Nase war früher ein bedeutender Speisefisch. Dazu äusserte sich der Zürcher Stadtarzt Conrad GESNER (1516-1565) wie folgt [cit. nach 1]: "Bey vns werden sie zur Frühlingszeit gepriesen, dann sollen sie fett werden. Item deß Wintermonats, wiewol das ist, daß sie wenig zu loben sind, dann ihr Fleisch ist allezeit lind oder blutt, gar nahe keines oder ödes Geruchs, voller Grädt, vorauß gegen dem schwantz. Werden lieblicher gebraten dann gesotten." Vor allem während der Laichwanderung wurden Nasen kommerziell gefangen. Im 19. Jahrhundert wurden z.B. in der Wertach bei Augsburg alljährlich innerhalb 2-3 Wochen um die 15'000 kg erbeutet. An der Mündung der Birs bei Basel und am Eintritt der Glatt in den Rhein fanden alljährlich ähnliche Fischzüge statt [1]. Nachdem die Bestände kollabiert sind, spielt die Nase heute hauptsächlich noch in der Sportfischerei eine Rolle [9].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 40 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich 80% im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen: In Deutschland und Österreich gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In der Schweiz gibt Anhang 2, Tabelle 8 der Tierschutzverordnung an, wie viele Liter Wasser pro cm Gesamtkörperlänge (ohne Schwanzflosse) der für aquaristische Zwecke gehaltenen Fische angeboten werden müssen. Für Speise- und Besatzfische gilt Anhang 2, Tabelle 7.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Cyprinus nasus" beschrieben. 1832 stellte sie der ab 1846 in den USA tätige Schweizer Naturforscher Jean Louis Rodolphe AGASSIZ, einer der hervorragendsten Ichthyologen seiner Zeit, in die neue Gattung Chondrostoma. Die Populationen aus Nordanatolien wurde 1987 als Unterart Chondrostoma nasus angorensis abgetrennt. Diese wird heute als eigene Art Chondrostoma angorense geführt [2].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. FISH BASE
  3. FREYHOF, J. (2009)
  4. FREYHOF, J. (2011). Chondrostoma nasus (errata version published in 2016). The IUCN Red List of Threatened Species 2011: e.T4789A97800985. http://www.iucnredlist.org/details/4789/0. Downloaded on 13 February 2018.
  5. FREYHOF, J. & BROOKS, E. (2011)
  6. GEBHARDT, H. & NESS, A. (2009)
  7. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  8. KIRCHHOFER, A., BREITENSTEIN, M. & ZAUGG, B. (2007)
  9. RHEIN-ANGELN
  10. SCHINDLER, O. (1959)
  11. ZAUGG, B., STUCKI, P., PEDROLI, J.C. & KIRCHHOFER A. (2003)
  12. Zurück zu Übersicht Fische

    Weiter zu Moderlieschen (Leucaspius delineatus)

Gelesen 8593 mal Letzte Änderung am Montag, 12 Juli 2021 16:55
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx