Lachse und Hechte

Huchen

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© Wolfgang Peter, Tiergarten Straubing

Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Ordnung: Lachsartige (Salmoniformes)
Familie: Lachsähnliche, Forellenfische (Salmonidae)
Unterfamilie: Salmoninae

D EN 650

Huchen

Hucho hucho • The Danube Salmon • Le huchon

Der Huchen war in Deutschland der „Fisch des Jahres 2015“

Huchen (Hucho hucho) im Tiergarten Straubing © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Huchen (Hucho hucho) im Tiergarten Straubing © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Huchens (Hucho hucho)

 

 

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Huchen (Hucho hucho) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Junge Huchen (Hucho hucho) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma

 

 

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"Seeforelle (Salmo lacustris) und Huchen (Salmo Hucho)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Der Huchen ist ein großer, einheimischer Raubfisch, der eine gute Botschafterart für den Gewässerschutz vor unserer Haustür abgibt. Leider wird er zu diesem Zweck von Zoos und Schauaquarien nur selten eingesetzt, außerhalb des deutschsprachigen Raums praktisch gar nicht.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Huchen oder Donaulachs wird meist 60-120 cm lang er kann aber im Extremfall 150 cm lang und 52 kg schwer werden. Sein Körper ist langgestreckt und walzenförmigen Leib, auf Oberkopf und Rücken grünlich dunkelbraun oder blaugrau, auf dem Bauch silberweiß gefärbt. Kopf und Rumpf sind mehr oder weniger stark mit kleinen dunkelgrauen oder schwärzlichen Pünktchen besetzt, zwischen denen, insbesondere auf dem Scheitel, dem Kiemendeckel und dem Rücken, größere schwarze Flecken stehen; diese Flecken nehmen weiter nach ab- und rückwärts allmählich die Form eines Halbmondes an. Bei sehr alten Fischen geht die Grundfärbung in ein blasses Rot über. Die ungefleckten Flossen zeigen eine weißliche Färbung, welche auf Rücken- und Schwanzflosse getrübt erscheint [1; 6].

Verbreitung

In der Donau und einigen Nebenflüssen: Bosnien und Herzegowina, Deutschland, Kroatien, Montenegro, Österreich, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ukraine, Ungarn [5].

Lebensraum und Lebensweise

Der Huchen ernährt sich von Fischen, Amphibien und Entenküken, bevorzugt werden Weißfische, insbesondere Nasen. Jungfische fressen hauptsächlich Wirbellose. Er kann bis zu 15 Jahre alt werden. Seine Geschlechtsreife erreicht er mit drei bis vier Jahren und einer Länge von 80 Zentimetern. Die Laichzeit fällt, abweichend von der seiner Verwandten, in die Monate April und Mai, kann jedoch bei günstiger Witterung auch im März beginnen. Zum Ablaichen benötigt er einen kiesigen Grund sowie kühles und schnell fließendes Wasser, das reich an Sauerstoff ist [1; 6; 8]

Gefährdung und Schutz

Das Verbreitungsgebiet des Huchens ist stark fragmentiert und die meisten Populationen können nur durch Einsetzen von Jungfischen überleben. Natürlich reproduzierende Populationen sind selten. Das größte Problem für den Huchen sind die Wasserkraftwerke, welche die natürliche Strömung in den Fließgewässern stark beeinflussen (was auch einen Einfluss auf die Beutetiere hat). Die Verschmutzung der Gewässer stellt ein weiteres Problem dar, früher war auch eine Überfischung der Bestände für den Rückgang verantwortlich. Der Huchen wird deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 global sowie in den Roten Listen Deutschlands und Österreichs als stark gefährdet aufgeführt. In Deutschland lebte er vor 100 Jahren in der Donau noch oberhalb von Ulm und auch in Zuflüssen wie der Isar und dem Lech. Der Bau von Wehren, die Regulierung der Donau für die Schifffahrt, das Aufstauen für zahlreiche Wasserkraftwerke und der Kiesabbau haben seither die seichten Laichgründe zerstört beziehungsweise die Flüsse so unterteilt, dass Laichwanderungen flussauf unmöglich geworden sind. In Österreich finden sich Restbestände heute noch in der Donau von Wien bis Hainburg und in der Wachau, im Inn, der Salzach, Traun, Krems (OÖ), Enns, Ybbs, Melk, Pielach, Drau, Gail und Mur. Die autochthonen Vorkommen in der Großen Mühl, Ager, Vöckla, Aurach, Alm, Steyr, Krems (NÖ), Kamp, Traisen, March und Leitha sind dagegen erloschen Da zahlreiche Wasserkraftwerke die Wanderung zum Oberlauf des Inn behindern, ist der Huchen in der Schweiz ausgestorben [3; 4; 5; 7; 8; 9; PM Wilhelma, 26.08.2015].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist ist eine Tierart nach den Anhängen II und V der FFH-Richtlinie (92/43/EWG), für die besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen und für deren Entnahme aus der Natur besondere Regelungen zu treffen sind.

Seit den 1950er Jahren wurden zahlreiche, meist erfolglose Versuche unternommen, die Art außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets anzusiedeln, u.a. in der Themse, im Rhein und in der Saane. In den Einzugsgebieten von Elbe und Weichsel sowie in der Argen (Baden-Württemberg) kann sich die Art möglicherweise halten [8].

Bedeutung für den Menschen

Der Huchen ist ein wichtiger Speisefisch, der kommerziell befischt und in Aquakultur produziert wird. Ferner spielt er eine Rolle in der Sportfischerei [2]. BREHM bemerkt dazu Folgendes: "Das weißliche Fleisch steht an Wohlgeschmack dem des Lachses merklich nach und wird geringer geschätzt als das der Lachsforelle. Der Fang geschieht mit großen Garnen oder mit der Angel; auch sticht man ihn, wenn er ruhig in der Tiefe steht, oder tödtet ihn mit der Kugel" [1].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird nur in wenigen europäischen Einrichtungen gezeigt, die sich überwiegend im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen: In Deutschland und Österreich gibt es keine konkreten Mindestnormen. In der Schweiz gibt Anhang 2, Tabelle 8 der Tierschutzverordnung an, wie viele Liter Wasser pro cm Gesamtkörperlänge (ohne Schwanzflosse) der für aquaristische Zwecke gehaltenen Fische angeboten werden müssen. Für Speise- und Besatzfische gilt Anhang 2, Tabelle 7.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Huchen wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Salmo hucho" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Gattung Hucho wurde 1866 von dem aus Esslingen stammenden Zoologen Albert Karl Ludwig Gotthilf GÜNTHER geschaffen [2].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. FISH BASE
  3. FREYHOF, J. (2009)
  4. FREYHOF, J. & BROOKS, E. (2011)
  5. FREYHOF, J. & KOTTELA, M. (2008). Hucho hucho. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T10264A3186143. http://www.iucnredlist.org/details/10264/0. Downloaded on 07 February 2018.
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. SPINDLER, T. (1997)
  8. ZAUGG, B., STUCKI, P., PEDROLI, J.C. & KIRCHHOFER A. (2003)
  9. ZULKA, K.P. & WALLNER, R.M. (2007)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx