Insektenfresser und Fledertiere

Afrikanischer Weissbauchigel

Afrikanischer Weissbauchigel (Atelerix albiventris) im Zoo Heidelberg Afrikanischer Weissbauchigel (Atelerix albiventris) im Zoo Heidelberg
© YvS, Heidelberg

Überordnung: Insektenfresser (INSECTIVORA / EULIPOTYPHLA)
Ordnung: Igelverwandte (ERINACEOMORPHA)
Familie: Igel (Erinaceidae)
Unterfamilie: Stacheligel (Erinaceinae)

D LC 650

Afrikanischer Weißbauchigel

Atelerix albiventris • The Four-toed Hedgehog • Le hérisson à ventre blanc

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Afrikanischer Weißbauchigel (Atelerix albiventris) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung des Afrikanischen Weißbauchigels (Atelerix albiventris)

 

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Afrikanischer Weißbauchigel (Atelerix albiventris) im Zoo Jihlava© Klaus Rudloff, Berlin

 

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Afrikanischer Weißbauchigel (Atelerix albiventris) im Zoo Jihlava © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Afrikanischer Weißbauchigel (Atelerix albiventris), Albino in Privathaltung © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Afrikanischer Weißbauchigel (Atelerix albiventris), Zuchtform "dark grey" in Privathaltung © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Anderthalb Monate alter Afrikanischer Weißbauchigel (Atelerix albiventris) © Michał Klimont, Polen. Veröffentlicht unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

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Schädel des Afrikanischen Weißbauchigels (Atelerix albiventris). Quelle: Untamed Science (ohne Autoren- und Copyrightangabe)

 

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Der Afrikanische Weißbauchigel wird häufig von Privatpersonen gehalten und in mehreren Farbvarianten gezüchtet. Er ist für eine nachtaktive Art auch relativ oft in Zoos zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 21 (15-25) cm und einem Gewicht von 250-600(-1000) g ist der Afrikanische Weißbauchigel kleiner als unser einheimischer Igel. Sein Schwanz ist 25 mm lang. Gesicht, Hals, Bauch und Beine sind mit weißen Haaren bedeckt, wobei das Gesicht eine schwarze Maske tragen kann. Die Stacheln sind schwarz mit weißen oder cremefarbenen Spitzen [2; 3].

Verbreitung

West-, Zentral- und Ostafrika: Von Senegal im Westen über den Sudan, Eritrea und Äthiopien südlich bis nach Malawi, Sambia und Mosambik [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Afrikanische Weißbauchigel ist solitär, dämmerungs- und nachtaktiv. Als Lebensraum bevorzugt er Grasland und lockeren Busch in Höhenlagen bis zu 2'000 m. Er besiedelt auch Agrarland, Parks und Gärten. Dichter Wald, Wüsten und Feuchtgebiete werden gemieden.  Gerne hält er sich in Gebieten mit einem hohem Bestand an Huftieren auf, da deren herumliegender Dung Insekten anzieht. Seine Hauptnahrung besteht aus Insekten und anderen Arthropoden wie Tausendfüßern, Schnecken und Krebstieren, ferner fängt er kleine Schlangen, Echse und Frösche, plündert Vogelnester und frisst herabgefallene Früchte, Erdnüsse, Wurzeln und Pilze. Selbst fällt er oft Kaffernadlern (Aquila verreauxi) oder Uhus (Bubo africanus, Bubo lacteus) zum Opfer. Tagsüber ruht er unter Steinen, Grasmatten, Laubhaufen oder Baumstämmen, in Erdlöchern, Felsspalten oder Termitenhügeln, wobei er seine Verstecke täglich zu wechseln scheint. Bei kühlem und trockenem Wetter kann er eine bis 6 Wochen dauernde Torporphase, eventuell mit Unterbrüchen durchmachen, dies ist jedoch nicht überall der Fall [3; 4; 6].

Weißbauchigel erreichen Geschlechtsreife mit etwa 8 Wochen. In Nord- und Ostafrika gibt es keine saisonale Einschränkung der Fortpflanzung, in südlichen Teil des Artareals dagegen schon. Nach einer Tragzeit von 35 (30-40) Tagen werden in der Regel 3-6 Junge geboren. Die Lebenserwartung liegt bei 4-6 Jahren [2; 6].

Gefährdung und Schutz

Der Afrikanische Weißbauchigel wird aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 nicht als gefährdet beurteilt, weil er ein großes Verbreitungsgebiet und einen großen Gesamtbestand hat, in Schutzgebieten vorkommt und auch veränderte Lebensräume toleriert (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Der Afrikanische Weißbauchigel wird häufig als Heimtier gehalten. Es wurden zahlreiche Farbschläge herausgezüchtet, von schwarz über grau, verschiedenen Brauntönen, zimt- und aprikosenfarben bis weißlich, leuzistisch und albinotisch. Die verschiedenen Farben gibt es auch als Schecken und mit unterschiedlicher Gesichtszeichnung [2].

Haltung

Das Höchstalter im Zoo wird mit 11 Jahren und 5 Monaten angegeben [5]. Es wurde von einem Weibchen erreicht, das in amerikanischen Zoos geboren und gehalten worden war.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 80 Zoos gehalten, von denen sich ein paar wenige (kleinere) im deutschsprachigen Raum befinden. Schwerpunkte der Haltung sind Großbritannien und Russland. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für 1-2 Afrikanische Weißbauchigel ein Innengehege von 2 m² vorhanden sein und für jedes weitere Tier 1.5 m² mehr. Ein Außengehege für die Haltung während des Sommers wird als wünschenswert bezeichnet.

Die  Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 01.06.2022) schreibt für ein Tier ein Innengehege mit einer Fläche von 2 m² vor, für jedes weitere 1 m² zusätzlich. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (stand 2022) fordert für ein Tier ein Gehege mit einer Fläche von 2 m² und für jedes weitere 0.2 m² zusätzlich, was bei einer solitär lebenden Tierart nicht viel Sinn macht.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Afrikanische Weißbauchigel wurde 1841 vom Konservator der Zoologischen Staatssammlung München, Johann Andreas WAGNER, als "Erinaceus albivetris" beschrieben und kam dann als Typusart in die vom in Nordafrika tätigen,  französischen Naturforscher Nicolas Auguste POMEL 1848 aufgestellte Gattung Atelerix. Später wurde er zeitweilig wieder Erinaceus zugeordnet. Die Art ist monotypisch, Die Gattung umfasst vier sich ziemlich ähnlich sehende Arten [1; 3; 6].

Literatur und Internetquellen:

  1. CASSOLA, F. 2016. Atelerix albiventris (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T40602A115174097. http://www.iucnredlist.org/details/40602/0. Downloaded on 15 May 2018.
  2. DEIN WEISSBAUCHIGEL
  3. HAPPOLD, D.C.D. (1987)
  4. UNTAMED SCIENCE
  5. WEIGL, R. (2005) 
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)

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Gelesen 22548 mal Letzte Änderung am Dienstag, 15 August 2023 09:14
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx