Schwäne und Gänse

Rothalsgans

Rothalsgans (Branta ruficollis) im Zoo Augsburg Rothalsgans (Branta ruficollis) im Zoo Augsburg
P. Bretschneider, Zoo Augsburg

Ordnung: Gänsevögel (ANSERIFORMES)
Unterordnung: Gänseverwandte (Anseres)
Familie: Enten und Gänse (Anseridae)
Unterfamilie: Gänseartige (Anserinae)
Tribus: Schwäne und Gänse (Anserini)

D VU 650

Rothalsgans

Branta ruficollis • The Red-breasted Goose • L'oie à cou roux

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Rothalsgans (Branta ruficollis) im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern


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Approximative Verbreitung der Rothalsgans (Branta ruficollis). Dunkelblau: Brutareal; gelb: Winterwuartiere


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Rothalsgans (Branta ruficollis) im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern


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Rothalsgans (Branta ruficollis) in der Voliere Schorenweiher, Langenthal © Peter Dollinger, Zoo Office Bern


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Rothalsgans (Branta ruficollis) im Bodenseezoo Reutemühle, Überlingen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern


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Rothalsgans (Branta ruficollis)im Zoo d'Asson © Peter Dollinger, Zoo Office Bern


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Rothalsgans (Branta ruficollis) in der Voliere Schorenweiher, Langenthal © Peter Dollinger, Zoo Office Bern


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Rothalsgänse (Branta ruficollis) in der Voliere Schorenweiher, Langenthal © Peter Dollinger, Zoo Office Bern


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Rothalsgans (Branta ruficollis) in der Voliere Schorenweiher, Langenthal © Peter Dollinger, Zoo Office Bern


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Rothalsgans (Branta ruficollis) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern


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Rothalsgänse in Wandmalerei aus der Mastaba des Nefermaat


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Rothalsgans (Branta ruficollis) auf DDR-Briefmarke, 10 Pf., 1985


 

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Die Rothalsgans ist in ihrem arktischen Brutgebiet gefährdet und hat auch einen Teil ihrer Winterquartiere verloren. Da ihre kontrastreiche Färbung die Blicke des Publikums auf sich zieht, ist sie ein guter Klimabotschafter, der in sehr vielen Zoos gehalten wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Rothalsgans erreicht eine Gesamtlänge von 53-56 cm, eine Flügelspannweite von 116-135 cm und ein Gewicht von 1'150-1'720 g und ist damit nächst der Zwergkanadagans der kleinste Vertreter der Meergänse. Wangenfleck, Vorderhals und Brust sind rostrot, das übrige Gefieder ist kontrastreich schwarz und weiß gefärbt [3; 4; 6].

Verbreitung

Eurasien: Brutgebiete im Norden Russlands. Hauptsächliche Überwinterungsgebiete in Aserbaidschan, Bulgarien, Griechenland, Kasachstan, Rumänien, Russland und der Ukraine. Gelegentliche Beobachtungen auch in anderen Ländern [1]. In der Schweiz wurden 1997, 2000 und 2001 jeweils einige Wintergäste festgestellt, bei denen es sich höchstwahrscheinlich um Wildvögel handelte. In Deutschland werden Rothalsgänse regelmäßig beobachtet und 2002 kam es in Niedersachsen zu einer ersten Freibrut [7].

Lebensraum und Lebensweise

Die Rothalsgans hat ein sehr kleines Brutgebiet in der Zwergstrauch- und Flechtentundra der Halbinseln Taimyr, Gydan und Jamal im arktischen Sibirien, wo sie in kleinen Gruppen brütet, gerne in der Nachbarschaft von Wanderfalken oder großen Möwen, die den Brutplatz gegen Polarfüchse verteidigen. Die Rothalsgänse polstern ihre Nester mit Daunen aus. Es werden 4-5 (3-6) Eier gelegt, die während 23-25 Tagen bebrütet werden. Die Gössel werden mit 7 Wochen flügge [1; 4].

Im September ziehen die Gänse in ihre Winterquartiere, wo sie auf Feldern, Wiesen, Salzwiesen und Marschen zusammen mit Blässgänsen weiden. Bisweilen konzentriert sich der gesamte Bestand auf wenigen Quadratkilometern an der bulgarischen oder rumänischen Schwarzmeerküste. Ab Ende März kehren sie ins Brutgebiet zurück. Wohl wegen der Umwandlung vieler Getreidefelder in Rebkulturen und Baumwollfelder haben die Rothalsgänse ihr Winterquartier seit einigen Jahren zum größten Teil von der Kaspisee an die Westküste des Schwarzen Meeres verlagert [7].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände der Rothalsgans hatten rasch abgenommen, weshalb die Art 2007 als stark gefährdet eingestuft wurde. Neuere Zählungen führten zu etwas höheren Zahlen, aber mit einem abnehmenden Bestand von rund 50'000 Vögeln wird die Art immer noch der Kategorie "gefährdet" (Rote Liste: WULNERABLE) zugeordnet. Die europäische Population wird dsagegen nur als potenziell gefährdet (NEAR THREATENED) angesehen obwohl hier (in Europäisch Russland) nur 5-10 Paare brüten. Der Winterbestand in Ländern der EU schwankt je nach Jahr zwischen ca 10'000 und 75'000 Vögeln [1].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU (RL 2009/147/EG), Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, die Anhänge 1 und 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten (CMS) sowie Anhang 2 des African-European Waterbird Agreements (AEWA).

Bedeutung für den Menschen

Die Rothalsgans wird als Fleischlieferant oder zum Vergnügen bejagt und gebietsweise für den lokalen oder nationalen Heimtiermarkt gefangen. Gemäß CITES-Handelsstatistik exportierten die Ursprungsländer von 2001-2018 keine Wildfänge. Im selben Zeitraum wurden weltweit 1'258 Nachzuchtvögel bei der Ausfuhr registriert. Davon stammten 766 aus den Niederlanden und 297 aus Belgien [2]. In Deutschland werden Nachzuchtvögel z.B. für 120 € angeboten [1; Online-Inserat 2019].

Kulturelle Bedeutung: Auf einem Bild aus der Mastaba des Nefermaat, der vor 4600 Jahren unter dem Pharao Snofru (4. Dynastie) Wesir war, sind zwei Rothalsgänse dargestellt. Die Mastaba diente als Grabstätte für Nefermaat und seine Frau. Sie wurde 1871 in der Meidum-Nekropole von einem französischen Archäologenteam gefunden. Der an der Ausgrabung beteiligte Kurator des Museums Bulaq in Kairo, Luigi Vassalli, soll den 162 x 24 cm großen Fries aus der Wand gelöst und mitgenommen haben. Aufgrund des Bildes wäre anzunehmen, dass Rothalsgänse früher in Ägypten überwintert haben. Allerdings äußerte Prof. Francesco Tiradritti von der Universität Enna, Italien, jüngst Zweifel an der Echtheit des Bildes und stellte die Vermutung auf, dass es sich um eine von Vassalli hergestellte Fälschung handle [9].

Haltung

Rothalsgänse werden am besten auf gemeinschaftlichen Wasser- oder Stelzvogelanlagen mit Teich und möglichst mit Rasen bestandener Landfläche gehalten. Obwohl die Vögel auch zur Brutzeit wenig aggressiv gegen andere Gänse sind, erfolgt die Zucht vorzugsweise in kleineren Einzelgehegen mit Rasen und einem 5-10 m² messenden Wasserbecken, das erforderlich ist, weil die Kopulation im Wasser stattfindet [4]. Im Zoo sind Rothalsgänse ausdauernde Pfleglinge. HILLGARTH et al. [5] geben für den britischen Wetlands and Wildfowl Trust einen Altersrekord von 15 Jahren an. Eine Rothalsgans im Zoo Wuppertal erreichte allerdings ein Lebensalter von 26 Jahren [8].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa 170 Zoos gehalten, von denen sich rund ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Wie Rothalsgänse gehalten werden (Beispiel):

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Wildgänse. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs sind sie mindestens paarweise in Außenanlagen mit offenen Wasserflächen und angrenzendem Landteil zu halten. Bei Volierenhaltung sind pro Paar 4 m² Fläche bei einer Höhe von 2 m vorzusehen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Rothalsgans wurde 1769 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte, als "Anser ruficollis" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Branta wurde ebenfalls 1769 vom italienischen Arzt und Naturforscher Giovanni Antonio SCOPOLI eingeführt. Die Art ist monotypisch [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). Branta ruficollis (amended version of 2016 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T22679954A118577901. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2017-3.RLTS.T22679954A118577901.en und 2015. Branta ruficollis. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22679954A59955354 und BIRDLIFE INTERNATIONAL. 2015. Branta ruficollis. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22679954A59955354. Downloaded on 11 May 2021.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. HILLGARTH, N., KEAR, J. & HORKY, K. (1983)
  6. KOLBE, H. (1972)
  7. MAUMARY, L. et al. (2007)
  8. SCHÜRER, U. (1993)
  9. SELKET’s ÄGYPTEN
  10. BAUER, H.-G. und WOOG, F. (2008)

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Gelesen 5353 mal Letzte Änderung am Dienstag, 11 Mai 2021 14:11
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