Ibisse und Löffler

Strohhalsibis

Strohhalsibis (Threskiornis spinicollis) im Zoo Schmiding Strohhalsibis (Threskiornis spinicollis) im Zoo Schmiding
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Stelzvögel (Ciconiiformes)
Familie: Ibisse und Löffler (Threskiornithidae)
Unterfamilie: Ibisse (Threskiornithinae)

D LC 650

Strohhalsibis oder Stachelibis

Threskiornis spinicollis • The Straw-necked Ibis • L'Ibis d'Australie

 

211 005 017 006 threskiornis spinicollis sables PD1
Strohhalsibis (Threskiornis spinicollis) im Zoo des Sables d'Olonne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

211 005 017 006 threskiornis spinicollis map
Approximative Verbreitung des Strohhalsibisses (Threskiornis spinicollis). Dunkelblau: Brut- und Ganzjahresgebeiete; gelb: nicht brütend

 

211 005 017 006 threskiornis spinicollis villars KR1
Strohhalsibis (Threskiornis spinicollis) im Parc ornithologique, Villars-les-Dombes © Klaus Rudloff, Berlin

 

211 005 017 006 threskiornis spinicollis muenchen PD
Strohhalsibis (Threskiornis spinicollis) im Tierpark Hellabrunn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

211 005 017 006 threskiornis spinicollis TPB KR1
Strohhalsibis (Threskiornis spinicollis) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

211 005 017 006 threskiornis spinicollis schmiding PD2
Strohhalsibis (Threskiornis spinicollis) im Zoo Schmiding © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

211 005 017 006 threskiornis spinicollis milang PD1
Wildlebende Strohhalsibisse (Threskiornis spinicollis) bei Milang, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Wenn sich ein Zoo entscheidet, einen Ibis aus Australien zu zeigen, ist dies meist der Strohhalsibis, weil sich dieser im Gegensatz zum Australischen Ibis morphologisch deutlich vom Heiligen Ibis unterscheidet. Die Art gilt in Australien nicht als gefährdet, obwohl der Bestand abnimmt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Name dieser auf der Oberseite metallisch-schwarz und an Hals und Unterseite weiß gefärbten Art kommt daher, dass die Männchen zur Brutzeit steife, strohgelbe, lanzettförmige Brustfedern bekommen. Die Vögel erreichen eine Gesamtlänge von 60-75 cm. Die unbefiederte Haut des Kopfs ist dunkelgrau. Die Iris ist dunkelbraun, der obere Teil der Beine ist rot, der untere Teil und die Zehen sind schwarz [3; 4].

Verbreitung

Australasien: Australien, Indonesien, Norfolkinseln und Papua-Neuguinea [1].

Lebensraum und Lebensweise

Strohhalsibisse besiedeln Feuchtgebiete und bisweilen weit von offenem Wasser entfernte Grasländer. Gebrütet wird aber über dem Wasser oder in Wassernähe auf Schilfinseln, in niedrigem Gebüsch oder auf dem Boden, oft in Gesellschaft von anderen Ibissen und Reihern. Das Gelege besteht aus 2-5 Eiern, die während 24-25 Tagen bebrütet werden. Die Küken sind mit etwa 45 Tagen flugfähig, werden dann aber von den Eltern noch weitere 2-3 Wochen gefüttert. Zum Nahrungsspektrum gehören die in Australien eingeführte, invasiven Agakröten (Rhinella marina) und die auch für den menschlichen Konsum gezüchteten Yabbikrebse (Cherax destructor). Ansonsten ist das Nahrungsspektrum in etwa gleich wie bei den anderen Arten der Gattung [2; 3].

Gefährdung und Schutz

Der Strohhalsibis hat eine weite Verbreitung und auch eine große, wenn auch fluktuierende Gesamtpopulation, die irgendwo zwischen 100'000 und einer Million Individuen liegt. Trotz vermutlich etwas abnehmenden Bestands wird er deshalb als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Strohhalsibisse werden gebietsweise für den internationalen Tierhandel gefangen [1].

Haltung

Strohhalsibisse werden in der Regel gruppenweise und zusammen mit anderen Vögeln, etwa Australischen Zwergscharben, Mähnengänsen und Weißwangenreihern in größeren, auch für das Publikum begehbaren Volieren gezeigt. Das Höchstalter wird mit 39 Jahren angegeben [3].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 35 Einrichtungen gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Ibisse.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 12 Ibisse eine Voliere mit 40 m² Fläche und 160 m³ Volumen mit Wasserbecken und Aufbaummöglichkeiten vor. Für jeden weiteren adulten Vogel ist die Fläche um 2 m² zu vergrößern. Für nicht winterharte Vögel muss ein Innenraum mit einer Grundfläche von 0.5 m² pro Vogel vorhanden sein. Die Vorgängerverordnung hatte für 6 Vögel eine Voliere von 20 m²/50 m³ und für jeden weiteren adulten Vogel 2 m² mehr gefordert. Die Erhöhung der Anforderungen erfolgte ohne Anlass und ohne Angabe von Gründen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind Ibisse in Gruppen zu halten. Für bis zu 6 Ibisse muss die Außenvoliere eine Fläche von 20 m² bei einer Mindesthöhe von 3 m haben, für jeden weiteren Vogel 1 m² mehr; Die Voliere muss über ein Wasserbecken und Aufbaummöglichkeiten verfügen. Die Vögel sind warm zu überwintern. Die Innenanlage muss eine Fläche von 10 m² und für jedes weitere Tier 0,5 m² zusätzlich sowie eine Mindesttemperatur von 10°C aufweisen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Strohhalsibis wurden 1835 von dem schottischen Naturforscher Robert JAMESON als "Ibis spinicollis" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Threskiornis wurde 1842 von dem britischen Zoologen George Robert GRAY eingeführt. Die Art ist monotypisch [4].

 Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Threskiornis spinicollis (amended version of 2016 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22697525A129656213. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22697525A129656213.en . Downloaded on 11 December 2019.
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1992)
  3. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009
  4. SLATER, P. (1972)

Zurück zu Übersicht Strauße bis Flamingos

Weiter zu Rosalöffler (Platalea ajaja)

Gelesen 795 mal Letzte Änderung am Montag, 30 Dezember 2019 08:08
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx