Ibisse und Löffler

Schwarzkopfibis

Schwarzkopfibis (Threskiornis melanocephalus) im Opel-Zoo Kronberg Schwarzkopfibis (Threskiornis melanocephalus) im Opel-Zoo Kronberg
Thomas Kauffels, Opel-Zoo

Ordnung: Stelzvögel (Ciconiiformes)
Familie: Ibisse und Löffler (Threskiornithidae)
Unterfamilie: Ibisse (Threskiornithinae)

D NT 650

Schwarzkopfibis 

Threskiornis melanocephalus • The Black-headed Ibis • L'ibis à tête noire

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Schwarzkopfibis (Threskiornis melanocephalus) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Schwarzkopfibis (Threskiornis melanocephalus). Dunkelblau: Brut- und Ganzjahresgebiete; gelb: nicht brütend

 

 

 

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Schwarzkopfibis (Threskiornis melanocephalus) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Schwarzkopfibis (Threskiornis melanocephalus) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Schwarzkopfibis (Threskiornis melanocephalus) im Opel-Zoo, Kronberg © Archiv Opel-Zoo

 

 

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Der Schwarzkopfibis ist ein enger Verwandter des Heiligen Ibis und wird bisweilen als Unterart von diesem angesehen. In seiner Heimatregion gilt er als potenziell gefährdet. Die Zahl der europäischen Zoos, in denen er gezeigt wird, ist gering, was sich aber ändern könnte, falls das Haltungsverbot für den von der EU als invasiv deklarierten Heiligen Ibis durchgezogen wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Schwarzkopfibis erreicht eine Gesamtlänge von 65-76 cm. Er ähnelt dem Heiligen Ibis, hat aber silbergraue statt schwarze Schmuckfedern. Bei diesen handelt es sich um die Handschwingen, die Armschwingen sind anders als beim Heiligen Ibis weiß [3; 4].

Verbreitung

Süd-, Südost- und Ostasien: Bangladesch, China, Hong Kong, Indien, Indonesien, Kambodscha, Malaysia, Myanmar, Nepal, Pakistan, Philippinen, Sri Lanka, Thailand, Vietnam [2]..

Lebensraum und Lebensweise

Der Schwarzkopfibis besiedelt vegetationsreiche und schlammige Feuchtgebiete und Grasländer, wo er in gemischten Kolonien mit Reihern, Kormoranen und Pelikanen brütet. Auf Futtersuche geht er meist in kleineren oder größeren Gruppen. Das Nahrungsspektrum entspricht jenem anderer Ibisse. Gebrütet wird in Kolonien auf Bäumen oder Sträuchern am Wasser, oft zusammen mit anderen Stelzvögeln und Kormoranen. Das Gelege besteht aus 3-4 Eiern die vom ersten Ei an während 23-25 Tagen bebrütet werden. Die Küken werden mit etwa 40 Tagen flügge [3; 4].

Gefährdung und Schutz

Wie bei vielen anderen Arten, die Feuchtgebiete in Asien besiedeln, gehen auch die Bestände des Schwarzkopfibis zurück. Dies aufgrund einer Vielzahl von Bedrohungen. Die Beurteilung im Jahr 2016 geht von einem Gesamtbestand von noch 10-20'000 erwachsenen Individuen aus. Deshalb wird diese Art als potenziell gefährdet eingestuft (Rote Liste:: NEAR THREATENED) [2].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Der Schwarzkopfibis wird gebietsweise zur Gewinnung von Fleisch gejagt bzw. ausgehorstet oder für den internationalen Tierhandel gefangen [2; 3].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 15 Zoos gehalten, von denen sich etwa 40% im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Zu den wenigen Zoos, die diese Art pflegen, gehört der Opel-Zoo. Dieser erhielt 1982 fünf Vögel unbekannten Geschlechts. Seit dann sind (bis 2014) mindestens 61 Küken geschlüpft. Die Jungtiersterblichkeit innerhalb der ersten 30 Tage lag bei 25 %. Die Ibisse waren bis 2007 zusammen mit anderen Vögeln in einer Voliere mit einem Volumen von 300 m³ gehalten worden, wo sie ca. acht Jungvögel produzierten, von denen einer im ersten Lebensmonat starb.  Nach dem Umzug in die neue, begehbare Freiflugvoliere mit einem Volumen von über 17'000 m³ schlüpften in sieben Jahren 53 Junge [1].

Wie Schwarzkopfibisse gehalten werden (Beispiel):

  • Freiflugvoliere im Opel-Zoo Kronberg [5].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Ibisse.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 12 Ibisse eine Voliere mit 40 m² Fläche und 160 m³ Volumen mit Wasserbecken und Aufbaummöglichkeiten vor. Für jeden weiteren adulten Vogel ist die Fläche um 2 m² zu vergrößern. Für nicht winterharte Vögel muss ein Innenraum mit einer Grundfläche von 0.5 m² pro Vogel vorhanden sein. Die Vorgängerverordnung hatte für 6 Vögel eine Voliere von 20 m²/50 m³ und für jeden weiteren adulten Vogel 2 m² mehr gefordert. Die Erhöhung der Anforderungen erfolgte ohne Anlass und ohne Angabe von Gründen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind Ibisse in Gruppen zu halten. Für bis zu 6 Ibisse muss die Außenvoliere eine Fläche von 20 m² bei einer Mindesthöhe von 3 m haben, für jeden weiteren Vogel 1 m² mehr; Die Voliere muss über ein Wasserbecken und Aufbaummöglichkeiten verfügen. Die Vögel sind warm zu überwintern. Die Innenanlage muss eine Fläche von 10 m² und für jedes weitere Tier 0,5 m² zusätzlich sowie eine Mindesttemperatur von 10°C aufweisen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Schwarzkopfibis wurde 1790 vom britischen Arzt und Naturforscher John LATHAM als "Tantalus melanocephalus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Threskiornis wurde 1842 von dem britischen Zoologen George Robert GRAY eingeführt. Die Art ist monotypisch [4].

 Literatur und Internetquellen

  1. BECKMANN, J., WESTERHÜS, U., KAUFFELS, T. & BECKER, M. (2015)
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Phoenicoparrus jamesi. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22697398A93612106. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22697398A93612106.en. Downloaded on 05 December 2019.
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1992)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. KAUFFELS, T. (2010)

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Gelesen 722 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 19 Dezember 2019 10:11
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx