Ibisse und Löffler

Heiliger Ibis

Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus) im Zoo Schmiding Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus) im Zoo Schmiding
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Stelzvögel (Ciconiiformes)
Familie: Ibisse und Löffler (Threskiornithidae)
Unterfamilie: Ibisse (Threskiornithinae)

D LC 650

Invasive EU

  Heiliger Ibis

Threskiornis aethiopicus • The Sacred Ibis • L'ibis sacré

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Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Heiligen Ibisses (Threskiornis aethiopica), ohne Ansiedlungen in Europa

 

 

 

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Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus) im Tiergarten Gotha. © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Heilige Ibisse (Threskiornis aethiopicus) auf Nest im Zoo Dresden. © Zoofreunde Dresden

 

 

 

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Wild lebender Ibis (Threskiornis aethiopica) im Parc ornithologique de Pont-de-Gau in der Camargue © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Plastik eines Heiligen Ibisses (Threskiornis aethiopicus) vermutlich aus Mittelägypten (Hermopolis) aus verschiedenen Materialien (Holz, Kalkfarbe, Leinen, Bronze, Glas (Augen). 600-30 v. Chr., im Metropolitan Museum of Art. New York. Public Domain.

 

 

 

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Darstellung des Gottes Thot mit Ibiskopf auf Rückseite des Throns der sitzenden Statue von Pharao Ramses II (ca 1303 - 1213 v. Chr.), Luxor. Bildautor: Jon Bodsworth (2006) auf http://www.egyptarchive.co.uk/, freigegeben zur freien Verwendung.

 

 

 

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Briefmarken mit Heilgem Ibis-Motiv, Senegal und Uganda

 

 

 

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Der Heilige Ibis ist in Afrika südlich der Sahara nicht gefährdet und gilt in Europa als invasive Tierart, wobei einzelne Zoos an seiner Ausbreitung auf unserem Kontinent nicht unschuldig sind. In Zoos wird er sehr häufig gehalten, was der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass er im Alten Ägypten eine herausragende kulturelle Rolle spielte und deshalb für die Zoopädagogik interessant ist

Körperbau und Körperfunktionen

Der Heilige Ibis erreicht eine Gesamtlänge von 65-89 cm. Kopf und Hals sind unbefiedert und schwarz, Schnabel, Läufe und Zehen sind schwärzlich. Die Iris ist braun Sein Gefieder ist weiß mit  schwarzen, zu Schmuckfedern verlängerten inneren Armschwingen: Bei Jungvögeln tragen Kopf und Hals noch Federn [6; 8].

Verbreitung

Afrika, von Südwest-Mauretanien, Senegal und Gambia ostwärts nach Somalia und Äthiopien, südlich bis nach Südafrika. Auch im südöstlichen Irak und einige auf freigelassene Vögel zurückgehende Bestände auch in Europa. Die Art kommt in 54 Ländern oder abhängigen Gebieten als Brutvogel, Gastvogel oder Durchzügler vor [2].

Situation in Europa: Erst im 19. Jahrhundert verschwand die Art aus dem Mittelmeerraum. Alfred BREHM [3] stellte dazu fest: "Auffallenderweise besucht der Ibis gegenwärtig Egypten nicht mehr, wenigstens nicht mehr regelmäßig, und wohl nur in Ausnahmefällen schreitet er hier zur Brut." Heute sind die ägyptischen Bestände als Folge der Aridifikation erloschen.

Ausgehend von einer freifliegend gehaltenen Kolonie im Zoo von Branféré entwickelte sich an der französischen Atlantikküste ab den 1980er Jahren ein wildlebender Bestand, der bis 2005 auf 400 Brutpaare und insgesamt 2500 Individuen anwuchs. Eine ähnliche Situation ergab sich ab den 1990er Jahren ausgehend von der Réserve Africaine de Sigean an der Mittelmeerküste, wo sich um 2005 75 Brutpaare und insgesamt mehr als 300 Vögel vom Roussillon bis in die Camargue verteilten. Ferner gab es im Osten Frankreichs eine kleine Population in den Dombes, die aber nicht von Vögeln des dortigen Vogelparks ausging. Diese ist heute weitgehend erloschen [1; 4]. Ausgehend von Zoobeständen entstanden freilebende Kolonien auch in Spanien, auf den Kanarischen Inseln und Oberitalien, wo die Art seit 1989 in der Poeebene brütet. 202 gab es erstmals eine Brut in den Niederlanden [10]. Freifliegend im Vogelpark Walsrode gehaltene Vögel führten dagegen nicht zu einem Wildbestand. 2013 kam es am Ismaninger Speichersee bei München erstmals zu einer Freilandbrut von Elterntieren, die aus einem privaten Gehege entwichen sein sollen (Stuttgarter Zeitung vom 29. Dezember 2013). In Belgien blieb ein Freisetzungsversuch erfolglos. In der Schweiz werden Heilige Ibisse regelmäßig im Tessin beobachtet. Diese Vögel stammen vermutlich von Kolonien in der Poebene. Ob die Heiligen Ibisse für die autochthone Vogelwelt tatsächlich eine Gefahr darstellen, ist umstritten.

Lebensraum und Lebensweise

Der Heilige Ibis besiedelt vegetationsreiche und schlammige Uferregionen, Schwemmebenen und Grasländer. Er ist ein opportunistischer Allesfresser, der sich hauptsächlich von Insekten, Würmern, Krebs- und Weichtieren ernährt, aber auch Fische, Frösche, Eidechsen und Kleinnager fängt, Aas zu sich nimmt, Vogelnester und Krokodilgelege plündert und Abfall nach fressbarem tierischem und pflanzlichem Material durchsucht. Er nistet in Kolonien, oft gemischt mit anderen Stelzvogelarten, auf Bäumen, Büschen oder am Boden. Das Gelege besteht aus 3-4 (2-5) rotbraun gefleckten, etwa 66x44 mm großen Eiern, die vom ersten Ei an abwechselnd von beiden Eltern während 28-29 Tagen bebrütet werden. Die Küken werden mit 35-40 Tagen flügge [6; 7; 8]

Gefährdung und Schutz

Der Heilige Ibis verfügt über ein großes Verbreitungsgebiet und eine große Gesamtpopulation. Er wurde deshalb als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten (CMS) und des African-European Migratory Waterbird Agreements (AEWA). Erwerb und Abgabe, Haltung, Zucht, Aufzucht, Transport und Freilassen von Heiligen Ibissen sind nach Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 betreffend invasive Arten verboten.

Bedeutung für den Menschen

Der Heilige Ibis wird gebietsweise zur Gewinnung von Fleisch bejagt [2].

In der Antike kam der Heilige Ibis in Ägypten vor, wo er als heiliger Vogel, der Toth, den Gott der Weisheit und des Schreibens verkörperte, verehrt wurde. In den Nekropolen von Sakkara, Abydos, Tuna-el-Gebel und Hermopolis wurden unzählige Mumien gefunden, wobei Tuna-el-Gebel mit etwa vier Millionen alle Rekorde schlägt. Der Ibiskult ist bis in die ptolemäische und römische Zeit hinein belegt. Die Vögel oder deren Eier wurden wahrscheinlich hauptsächlich der Wildbahn entnommen, zum Teil aber wohl auch gezüchtet [9; 11].

Haltung

Heilige Ibisse werden in der Regel gruppenweise gehalten und mit Reihern vergesellschaftet. Von einer Vergesellschaftung mit anderen Ibissen sollte wegen der Gefahr der Bastardierung abgesehen werden. Das Höchstalter wird mit 37 Jahren angegeben [8].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 190 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Sechstel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Ibisse.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 12 Ibisse eine Voliere mit 40 m² Fläche und 160 m³ Volumen mit Wasserbecken und Aufbaummöglichkeiten vor. Für jeden weiteren adulten Vogel ist die Fläche um 2 m² zu vergrößern. Für nicht winterharte Vögel muss ein Innenraum mit einer Grundfläche von 0.5 m² pro Vogel vorhanden sein. Die Vorgängerverordnung hatte für 6 Vögel eine Voliere von 20 m²/50 m³ und für jeden weiteren adulten Vogel 2 m² mehr gefordert. Die Erhöhung der Anforderungen erfolgte ohne Anlass und ohne Angabe von Gründen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind Ibisse in Gruppen zu halten. Für bis zu 6 Ibisse muss die Außenvoliere eine Fläche von 20 m² bei einer Mindesthöhe von 3 m haben, für jeden weiteren Vogel 1 m² mehr; Die Voliere muss über ein Wasserbecken und Aufbaummöglichkeiten verfügen. Die Vögel sind warm zu überwintern. Die Innenanlage muss eine Fläche von 10 m² und für jedes weitere Tier 0,5 m² zusätzlich sowie eine Mindesttemperatur von 10°C aufweisen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Heilige Ibis wurde 1790 vom britischen Arzt und Naturforscher John LATHAM als "Tantalus aethiopicus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Threskiornis wurde 1842 von dem britischen Zoologen George Robert GRAY eingeführt. Nachdem der Blauaugenibis (Th. bernieri) als eigene Art abgetrennt wurde, gilt Th. aethiopicus als monotypisch [5; 6].

Threskiornis bernieri, Th. melanocephalus und Th. moluccus werden von manchen Autoren als Unterarten von Th. aethiopicus angesehen [6].

 Literatur und Internetquellen

  1. BAUER, H.-G. und WOOG, F. (2008) 
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Threskiornis aethiopicus. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22697510A132068562. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22697510A132068562.en . Downloaded on 10 December 2019.
  3. BREHM, A. E. (1882 b)
  4. CLERGEAU, P., YÉSOU, P. & CHADENAS, C. (2005)
  5. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  6. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1992)
  7. GINN, P.J., McILLERON, W.G. & MILSTEIN, P. le S. (1999)
  8. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  9. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  10. MAUMARY, L. et al. (2007)
  11. THOMAS, J. (2013)

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Heilige Ibisse (Threskiornis aethiopicus) im natürlichen Lebensraum, Rondevlei-Vogelschutzgebiet bei Kapstadt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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