Pinguine

Nord-Felsenpinguin

Nördlicher Felsenpinguin (Eudyptes moseleyi) im Tiergarten Schönbrunn, Wien Nördlicher Felsenpinguin (Eudyptes moseleyi) im Tiergarten Schönbrunn, Wien
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
Familie: Pinguine (Spheniscidae)

D EN 650

EEPNördlicher Felsenpinguin,
Tristan da Cunha-Felsenpinguin

Eudyptes moseleyi • The Northern Rockhopper Penguin • Le gorfou sauteur de Moseley

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Nördlicher Felsenpinguin (Eudyptes moseleyi) im Tiergarten Schönbrunn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Brutgebiete des Südlichen (blau) und des Nördlichen (rot) Felsenpinguins

 

 

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Nördliche Felsenpinguine (Eudyptes moseleyi) im Zoo Edinburgh © Peter Dollinger, Zoo Office Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Nördlicher Felsenpinguin (Eudyptes moseleyi) im Zoo Edinburgh © Peter Dollinger, Zoo Office Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Felsenpinguin (Eudyptes moseleyi) mit Küken, Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky, Tiergarten Schönbrunn

 

 

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Junger Nördlicher Felsenpinguin (Eudyptes moseleyi) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky, Tiergarten Schönbrunn

 

 

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Nördliche Felsenpinguine (Eudyptes moseleyi) im Tiergarten Schönbrunn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Nördlicher Felsenpinguin (Eudyptes moseleyi) im Zoo Edinburgh © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Nördlicher Felsenpinguin (Eudyptes moseleyi) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Pinguine sind wegen Ihres aufrechten Gangs, ihrer Schwimmkünste und ihrer unverkennbaren Gestalt beim Zoopublikum äußerst beliebt. Da die Bestände aller Arten unter dem Klimawandel leiden und sich auch kommerzielle Fischerei und Meeresverschmutzung negativ auswirken, sind sie ideale Botschafter für Klima- und Meeresschutz sowie für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Dies trifft auch für den stark gefährdeten Nördlichen Felsenpinguin zu, der allerdings nicht sehr häufig in unseren Zoos zu sehen ist, obwohl seine Haltung durch ein Zuchtprogramm gefördert wird. Dies hängt damit zusammen, dass er als subantarktische Art aufwändigere Haltungsansprüche stellt als etwa Brillen- oder Humboldtpinguin.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Nördliche Felsenpinguin lässt sich vom Südlichen hauptsächlich dadurch unterschieden, dass die gelben Überaugen-Streifen breiter und die Schmuckfedern am Kopf länger und dichter sind. Der Nördliche ist auch leicht grösser (bis 62 cm) als der Südliche. Es besteht ein leichter Sexualdimorphismus: Die Männchen sind etwas grösser als die Weibchen und haben einen dickeren Schnabel [2; 3].

Verbreitung

Südatlantik und südlicher Indischer Ozean : Die Brutgebiete liegen auf sieben Inseln mit einer Gesamtfläche von etwa 250 km2. Gough Island, Middle Island, Nightingale, Inaccessible und Tristan (Britisches Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha), Amsterdam Island und St Paul Island (Französische Süd- und Antarktisgebiete) [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die Vögel ernähren sich hauptsächlich von Krill (Euphausia), die sie im Meer tauchend verfolgen. Ferner werden andere Krebstiere, Fische und Kopffüßer gefressen. Die Ankunft in den Brutgebieten, hauptsächlich auf Tristan da Cunha, erfolgt zwischen Ende Juli und Anfang September. Gebrütet wird an mit Felsbrocken durchsetzten Stränden oder in Tussock-Grasland (Spartina arundinacea und Poa novarae) [1; 3]. Im Übrigen siehe unter Südlicher Felsenpinguin.

Gefährdung und Schutz

Der Nördliche Felsenpinguin gehört zu den stark gefährdeten Tierarten (Rote Liste: ENDANGERED), da die Bestände schon seit Jahrzehnten zurückgehen und nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2020 jetzt noch auf 413'700 erwachsene Individuen geschätzt werden [1].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Früher wurden Nördliche Felsenpinguine in großer Zahl getötet, um Federn (z. B. als Füllmaterial für Kissen und Matratzen), Tran, Fleisch oder Köder für den Krabbenfang zu gewinnen. Dies wurde um 1955 weitgehend eingestellt. Auch die Eier wurden zu Speisezwecken gesammelt, was 2011 nach einer Ölkatastrophe eingestellt, zwischenzeitlich aber in geringem Ausmaß wieder ausgenommen wurde [1].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa einem halben Dutzend Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste. Das 2022 in ein "New Style"-EEP umgewandelte Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird vom Tiergarten Schönbrunn koordiniert, wo auch eine Forschungsarbeit zum Fortpflanzungsverhalten durchgeführt wurde [6].

In Europa ist der Tiergarten Schönbrunn der einzige Zoo, der jedes Jahr Nördliche Felsenpinguine züchtet. 2009 gab es bei dieser Pinguin-Art acht Jungtiere, 2010 war die Zahl der Küken erstmals zweistellig. Die Pinguin-Küken werden in einem abgetrennten Bereich des Polariums ohne Zugang zum Wasserbecken untergebracht, denn sie können noch nicht schwimmen, weil ihr flauschiges Dunenkleid nicht wasserabweisend ist. Jedes Küken frisst täglich bis zu 20 kleine Heringe und Sprotten. Mit einem Monat wiegen die Küken bereits 1.2 kg. Ein ausgewachsener Felsenpinguin wiegt rund zweieinhalb Kilogramm

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Pinguine.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) sind Felsenpinguine in Gruppen von mindestens 3 Paaren zu halten. Es sind klimatisierte Innenanlagen mit einer Lufttemperatur zwischen 2 und 10°C und einer Luftfilterung durch keimtötende Lampen oder Ähnliches einzurichten. Für bis zu 12 Vögel ist eine Mindestfläche von 60 m² erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 1 m² zu erweitern. Zusätzlich muss ein Wasserbecken mit einer Mindestgröße von 10 m² und einer Mindesttiefe von 1 m vorhanden sein, dessen Wasserqualität durch geeignete Filteranlagen und regelmäßigen Wassertausch zu gewährleisten ist.

Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2020) ist für bis zu 12 Felsenpinguine ein klimatisiertes Innengehege mit einer Landfläche von 45 m², einer Höhe von 2 m und einem Bassin mit Steilufern und Ausstiegen von 15 m² Fläche und 1 m Tiefe erforderlich. Für jeden weiteren Adultvogel ist die Landfläche um 2, die Wasserfläche um 0.5 m² zu erweitern. Während der kalten Jahreszeit sollen die Pinguine Zugang zu einem Außengehege von 60 m² (plus 2 m² für jedes weitere Tier) haben oder regelmäßig im Rahmen von Spaziergängen ins Freie gelangen. Die Vorgängerverordnung sah für das Innengehege nur 16 m² Landfläche und 2 m² zusätzlich für jeden weiteren vor, für das Bassin 10 m² Fläche und 0.5 m² zusätzlich für jeden weiteren Vogel. Die Änderung erfolgte ohne Anlass und ohne Angabe von Gründen.

 

Taxonomie und Nomenklatur

Der Nördliche Felsenpinguin wurde 1921 vom australischen Ornithologen-Team Gregory Macalister MATHEWS und Tom IREDALE als "Eudyptes serresianus moseleyi" erstmals wissenschaftlich beschrieben. E. serresianus ist keine gültige Art. In der Folge wurde moseleyi als Unterart des Felsenpinguins (Eudyptes chrysocome) aufgefasst. Erst 2006 wurden die beiden Formen als selbständige Arten angesehen. E. moseleyi ist monotypisch [2; 3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2020). Eudyptes moseleyi. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T22734408A184698049. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T22734408A184698049.en . Downloaded on 17 December 2020.
  2. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1992)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. PETTEANI, C-A. (2012)
  7. SIMPSON, G. G. (1976)
  8. TIERGARTEN SCHÖNBRUNN - PRESSEMITTEILUNG

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx