Kranichvögel

Weissnackenkranich

Weissnackenkranich (Grus vipio) im Parc animalier de Branféré, Le Guerno Weissnackenkranich (Grus vipio) im Parc animalier de Branféré, Le Guerno
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)
Unterordnung: Kranichverwandte (Grues)
Familie: Kraniche (Gruidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kraniche (Gruinae)

D VU 650

EEPWeißnackenkranich

Grus (= Antigone) vipio • The White-naped Crane • La grue à cou blanc

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Weißnackenkranich (Grus vipio) im Bronx Zoo New York © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Weißnackenkranichs (Grus vipio). Dunkelblau: Brutgebiete; rot: Winterquartiere

 

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Weißnackenkranich (Grus vipio) im Parc animalier de Branféré, Le Guerno © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weißnackenkranich (Grus vipio) im Bronx Zoo New York © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weißnackenkranich (Grrus vipio) im Tiergarten Bernburg © Andreas Filz, TG Bernburg

 

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Weißnackenkranich (Grus vipio) im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Die Haltung des gefährdeten Weißnackenkranichs wird durch ein europäisches Erhaltungszuchtprogramm gefördert. Die Art ist daher in recht vielen Zoos zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit etwas über 125 cm Scheitelhöhe, einer Flügelspannweite von 200-210 cm und einem Gewicht von 4'750-6'500 g gehört der Weißnackenkranich zu den kleineren bis mittelgroßen Vertretern der Familie. Er hat ein nacktes, rotes Gesicht und eine orangefarbene Iris. Kehle, Hinterhals und Nacken sind weiß. Vorderhals und Körperunterseite sind dunkelgrau, der Rücken ist heller und die Flügeldecken sind beinahe weiß. Die nur bei ausgebreiteten Flügeln zu sehenden Schwungfedern sind teilweise schwarz oder dunkelbraun [3; 5].

Verbreitung

Ostasien: China, Japan, Nord- und Südkorea, Mongolei [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Weißnackenkranich brütet in flachen Sümpfen und Feuchtwiesen, nutzt aber auch Grasland und kultiviertes Land. Er ernährt sich überwiegend von Wurzeln und Knollen von Seggen und anderen Sumpfpflanzen, die er aus dem boden ausgräbt, nimmt aber auch Wirbellose, kleine Wirbeltiere und Sämereien zu sich. In der Regel werden zwischen April und Ende Mai zwei Eier gelegt, die Brutdauer beträgt 28-32 Tage, die Jungen sind mit etwa 70-75 Tagen flugfähig. Er ist ein Kurzstreckenzieher: Zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten liegen Distanzen von etwa 1'300 bis 3'000 km. [1; 4].

Gefährdung und Schutz

Da der Lebensraum (Feuchtgebiete) des Weißnackenkranich in den letzten Jahrzehnten zu großen Teilen in landwirtschaftliche Anbauflächen umgewandelt wurde, wird angenommen, dass auch die Bestände stark gelitten haben, was durch Beobachtungen bestätigt wird. Die Art wurde daher als gefährdet eingestuft (Rote Liste: VULNERABLE).

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Gebietsweise werden Weißnackenkraniche laut IUCN zur Fleischgewinnung gejagt oder für den internationalen Tierhandel gefangen [1]. Allerdings wurden von 2001-2018 keine lebenden Wildfänge im internationalen Tierhandel registriert. Im selben Zeitraum wurden weltweit bei der Ausfuhr 251 Nachzuchtvögel erfasst, von denen die meisten aus den Niederlanden oder aus Belgien stammten [2].

Haltung

Außerhalb der Brutzeit leben Weißnackenkraniche gesellig. Sie können daher zu dieser Zeit in Gruppen gehalten und mit anderen Kranichen und z.B. mit Pelikanen, Störchen, Flamingos, Gänse- oder Hühnervögeln vergesellschaftet werden. In verschiedenen Zoos teilen sie sich eine Anlage mit Antilopen, Hirschen oder Wildrindern. Das Höchstalter im Zoo wird mit 67 Jahren angegeben [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 100 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom Zoo Leipzig koordiniert wird.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Kranichvögel. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für die Haltung von bis zu 2 kleinen Kranichen ein Gehege mit einer Grundfläche von 200 m² und einem Wasserbecken vor. Für jeden weiteren Adultvogel ist die Grundfläche um 100 m² zu erweitern. Für nicht-winterharte Vögel ist ein Schutzraum mit einer Fläche von 2 pro Vogel anzubieten. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs sind Kraniche während der Brutzeit ausnahmslos paarweise zu halten. Für die Haltung eines Paars ist ein Gehege mit einer Grundfläche von 150 m² erforderlich. Ist das Gehege übernetzt, muss es mindestens 3 m hoch sein. Für "subtropische" Arten ist ein Innenraum von 10 m² pro Paar erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Weißnackenkranich wurde 1811 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte, unter seinem heute noch gebräuchlichen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Gattung Grus, in welche die Art zumeist eingeordnet wird, war 1766 aufgestellt worden. Der sächsische Zoologe Heinrich Gottlieb Ludwig REICHENBACH stellte 1853 die Gattung Antigone auf, welcher die monotypische Art aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen neuerdings zugerechnet wird [3; 4].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). 2018. Antigone vipio. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22692073A131927305. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22692073A131927305.en . Downloaded on 26 September 2019.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)

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