Mäuse-Verwandte

Gambia-Riesenhamsterratte

Riesenhamsterratte (Cricetomys gambianus) im Tiergarten Schönbrunn Riesenhamsterratte (Cricetomys gambianus) im Tiergarten Schönbrunn
© Daniel Zupanc, Wien

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: "Afrika-Mäuse" (Nesomyidae)
Unterfamlie: Hamsterratten (Cricetomyinae)

D LC 650

Gambia-Riesenhamsterratte 

Cricetomys gambianus (Komplex) • The Gambian Giant Pouched Rat • Le rat géant des savanes

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Riesenhamsterratte (Cricetomay gambianus) © Derek Keats auf Flickr / Wikimedia Commons. Veröffentlicht unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Riesenhamsterratten (Cricetomys gambianus-Komplex)

 

 

 

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Riesenhamsterratte (Cricetomys gambianus) bei der Minensuche. Bild aus Wikimedia Commons (Gemeinfrei)

 

 

 

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Riesenhamsterratte (Cricetomay gambianus emini) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky / TG Schönbrunn (Pressefoto)

 

 

 

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Riesenhamsterratte (Cricetomay gambianus emini) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky / TG Schönbrunn (Pressefoto)

 

 

 

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Riesenhamsterratten haben in den letzten Jahren an Interesse und Publizität gewonnen, weil sie zum Aufspüren von Landminen eingesetzt werden können. In Zoos sind sie allerdings nach wie vor nicht häufig zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopfrumpflänge von bis zu 45 cm sowie einem ebenso langen, starken Schwanz zählen Riesenhamsterratten zu den größten mäuseartigen Nagetieren. Männchen können ein Gewicht von 1.3 kg erreichen, Weibchen von 1.2 kg. Ihren Namen verdanken sie ihren befüllbaren Backentaschen, die ihnen im vollen Zustand ein hamsterähnliches Aussehen verleihen. Das Fell ist oberseits ockergrau, unterseits heller. Die Hände sind weiß, der Schwanz ist nackt mit einer weißen Spitze. Um die kleinen Augen liegt ein schwarzer Augenfleck [2; 4].

Verbreitung

Wald- und Savannengebiete im zentralen Afrika: Angola, Benin, Botsuana, Burkina Faso, Burundi, Elfenbeinküste, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kenia, Kongo, Kongo Dem., Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik, Niger, Nigeria, Ruanda, Sambia, Senegal, Simbabwe, Südafrika, Sudan, Tansania, Togo, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die nachtaktiven Einzelgänger sind in erster Linie bodenbewohnend, sie können aber auch gut klettern und nutzen mitunter auch Termitenhügel. Gehör und Geruchssinn spielen bei der Kommunikation und Orientierung eine wichtige Rolle. Mehrmals pro Jahr gibt es Nachwuchs - ihre Nester legen sie bevorzugt in ausgedehnten Tunnelsystemen oder Baumhöhlen an, die mehrere Kammern, zum Teil als Latrinen genutzte Kammern enthalten. Die Höhlen werden gegen Eindringlinge intensiv verteidigt. Nach einer Tragzeit von 27-42 Tagen werden 2-4 wenig entwickelte Junge geboren, die im Alter von 1.5 Monaten erstmals, und mit 3 Monaten endgültig das Nest verlassen (2; 4; TG Schönbrunn)

Gefährdung und Schutz, Ausrottung und Wiederansiedlung

Obwohl Riesenhamsterratten in ihrem ganzen Verbreitungsgebiet zu Nahrungszwecken gefangen werden, gelten sie nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 als nicht-gefährdet, da sie immer noch sehr weitverbreitet und häufig sind.  (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt.

Bedeutung für den Menschen

In manchen Gebieten gilt die Art als Schädling an landwirtschaftlichen Kulturen. Die Tiere werden in ihrem ganzen Verbreitungsgebiet gefangen und gegessen. Sie werden auch als Versuchstiere in der biomedizinischen Forschung und Diagnostik eingesetzt und zum Aufspüren von Landminen ausgebildet [1].

Haltung

WEIGL gibt als Altersrekord für mehrere Tiere 8 Jahre und 4 Monate an [3].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa einem Dutzend Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 gibt für 1-2 Tiere einen Behälter mit einer Grundfläche von 2 m² und einer Höhe von 0,7 m vor. Für jedes weitere erwachsene Tier soll die Fläche um 0.4 m² vergrößert werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) macht zu Riesenhamsterratten keine Angaben über Gehegedimensionen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für die Haltung einer Gruppe Riesenhamsterratten ein Gehege von 4 m² erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Gambia-Hamsterratte war 1840 von dem englischen Zoologen George Robert WATERHOUSE unter ihrem heute noch gültigen Namen erstmals  wissenschaftlich beschrieben worden. Später wurde sie in sechs verschiedene Arten aufgeteilt, die 1941 alle zu Unterarten degardiert wurden. Eine weitere Revision der Gattung führte zu zwei Arten, der überwiegend in Savannen lebenden C. gambianus und C. emini aus den Tiefland-Regenwäldern. Gegenwärtig ist man wieder bei vier morphologisch unterscheidbaren "Arten" angelangt, nebst den beiden bereits erwähnten C. kivuensis und aus dem Rift Valley und C. ansorgei aus dem südlichen Afrika. Molekulargenetiker halten allerdings C. emini für einen Komplex, der aus 3-4 verschiedenen Arten besteht. Fortsetzung folgt ... [4; 5.

Literatur und Internetquellen

  1. CHILD, M.F. & CASSOLA, F. 2016. Cricetomys gambianus (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T5522A115072564. http://www.iucnredlist.org/details/5522/0. Downloaded on 21 May 2018.
  2. MILLS, G & HES, L. (1999)
  3. WEIGL, R. (2005)
  4. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  5. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 418 mal Letzte Änderung am Dienstag, 21 Mai 2019 17:29
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx