Plattschweif-Sittiche

Bourkesittich

Bourkesittich (Neopsephotus bourkii) im Loro Parque, Tenerife Bourkesittich (Neopsephotus bourkii) im Loro Parque, Tenerife
Loro Parque

Ordnung: Papageienvögel (Psittaciformes)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Plattschweifsittiche (Platycercini)

D LC 650

Bourkesittich

Neopsephotus bourkii • The Bourke's Parrot • La perruche de Bourke

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Bourkesittich (Neopsephotus bourkii) an der Exotis-Ausstellung Thun 2018 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Bourkesittichs (Neopsephotus bourkii)

 

 

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Bourkesittich (Neopsephotus bourkii) an der Exotis-Ausstellung Thun 2018 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Bourkesittiche (Neopsephotus bourkii) an der Exotis-Ausstellung Thun 2018 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Bourkesittich (Neopsephotus bourkii) an der Exotis-Ausstellung Thun 2018 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Bourkesittich (Euphema = Neopsephotus bourkii). Illustration aus GOULD, J. et al. (1848) The birds of Australia. Volume 5, Plate 45. Gemeinfrei

 

 

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Der Bourkesittich ist in seiner australischen Heimat nicht gefährdet. In Menschenhand ist er relativ anspruchslos und leicht zu züchten, was dazu führte, dass es heute verschiedene Farbschläge gibt. In Zoos ist er mit mittlerer Häufigkeit anzutreffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Bourkesittich erreicht eine Gesamtlänge von 19 cm und ein Gewicht von 37-41 g. Sein Schnabel ist bleigrau, die Iris braunschwarz und die Füße graubraun. Das Gefieder der Oberseite ist braungrau, der Unterseite rosa bis bräunlich er hat ein mehr oder weniger deutliches blaues Stirnband. Schulter, Schenkel und Flanken sind bläulich. Flügel mit Schuppenzeichnung durch helle Federsäume. Dem Weibchen fehlt das blaue Stirnband und es ist allgemein etwas matter gefärbt [1; 5; 6; 7; 8].

Verbreitung

Australien: Weitgehend im Inneren des Kontinents, vorkommen in allen Teilstaaten außer Victoria und Tasmanien [2].

Lebensraum und Lebensweise

Der Bourkesittich besiedelt die Trockengebiete Australiens, vorzugsweise Mulga-Trockenbusch, Salzbusch- und Strauchsteppen, geht aber auch in offene Akazien- und Eukalyptuswälder. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Samen von Gräsern und Kräutern. Genistet wird meist in Stamm- oder Asthöhlen von Eukalyptusbäumen etwa 7-8 m über dem Boden. Das Gelege besteht aus 4-8 Eiern, die allein vom Weibchen während ca. 18 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen verlassen das Nest mit 30-35 Tagen [1; 6; 8].  

Gefährdung und Schutz

Der Bourkesittich gilt nicht mehr als gefährdet. Er war vor einigen Jahrzehnten stark gefährdet und es soll damals mehr Vögel in Menschenobhut gegeben haben als im Freiland.  Heute haben sich die Bestände erholt und der Art ist es gar gelungen, als Kulturfolger im Gefolge des Menschen ihr Areal auszuweiten. Genaue Zahlen über den Gesamtbestand sind zwar nicht vorhanden, die Art ist aber relativ häufig, hat ein großes Verbreitungsgebiet und die Bestände scheinen eher noch zuzunehmen (Rote Liste: LEAST CONCERN) [2; 9].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

In Australien werden Bourkesittiche als Heimtiere gefangen [2]. Die Art wird seit rund 140 Jahren in Menschenobhut gezüchtet und es gibt mittlerweile verschiedene Zuchtformen (rosarote, zimtfarbene, gelbe und blaue Farbmutanten) [9]. Von 1981-2018 wurden aus Australien nebst etwas Wissenschaftsmaterial nur 6 lebende Wildfänge ausgeführt. Im selben Zeitraum wurden weltweit bei der Ausfuhr 62'333 Nachzuchtvögel registriert. Davon stammten 20'922 aus den Niederlanden, 13'305 aus Belgien und 12'152 aus Südafrika [4].

Haltung

Als Höchstalter in menschlicher Obhut werden 19 Jahre und 1 Monat angegeben [10]. Die Welterstzucht glückte bereits 1877 in Belgien [1].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art, einschließlich Zuchtformen, wird in über 70 Zoos gezeigt, von denen sich mehr als die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 0.5 m² und einer Höhe von 50 cm erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 0.5 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind  Bourkesittiche mindestens paarweise zu halten. Für 6 (!) Vögel ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.5 m² und einer Höhe von 60 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.05 m² zu erweitern. Dies ist für die Art sicher nicht adäquat. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 2 x 1.5 m Fläche und einer Höhe von 2 m sowie einen frostfreien Schutzraum von 1 m² / 1 m Höhe vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Bourkesittich wurde 1841 von dem englischen Ornithologen und Illustrator John GOULD als "Euphema Bourkii" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gültige Gattungsname Neopsephotus wurde 1912 vom australischen Ornithologen Gregory MATHEWS eingeführt. Zeitweilig wurde der Bourkesittich zu Neophema gerechnet. Neopsephotus ist monotypisch und es sind keine Unterarten von bourkii anerkannt [6].

Literatur und Internetquellen

  1. ASMUS, J. & LANTERMANN, W. (2012)
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Neopsephotus bourkii. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22685191A93062409. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22685191A93062409.en . Downloaded on 27 August 2019.
  3. BROUWER, K., JONES, M. L., KING, C. E. und SCHIFTER, H. (2000)
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. DE GRAHL, W. (1979/82)
  6. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1997)
  7. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  8. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  9. STRUNDEN, H. (1984)
  10. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)

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Gelesen 839 mal Letzte Änderung am Montag, 27 April 2020 09:53
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx