Biber und Springhasen

Kanadischer Biber

Amerikanischer Biber (Castor canadensis) im Zoo Augsburg Amerikanischer Biber (Castor canadensis) im Zoo Augsburg
© S. I. Bomhardt.

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Biberverwandte (Castorimorpha)
Familie: Biber (Castoridae)

D LC 650

Nordamerikanischer Biber

Castor canadensis • The American Beaver • Le castor d'Amérique

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Kanadischer Biber (Castor canadensis) mit Jungen in der Wilhelma Stuttgart - Pressefoto Wilhelma

 

 

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Approximative Verbreitung des Kanadischen Bibers (Castor canadensis)

 

 

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Junger Kanadischer Biber (Castor canadensis) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Kanadischer Biber (Castor canadensis) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Junger Kanadischer Biber (Castor canadensis) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Kanadischer Biber (Castor canadensis) in der Wilhelma Stuttgart © Grossbildjäger auf Wikimedia Commons. Veröffentlicht unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

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Junge Kanadischer Biber (Castor canadensis) im Zoo Wuppertal © Berbara Scheer / Zoo Wuppertal (Pressefoto)

 

 

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Junge Kanadischer Biber (Castor canadensis) im Zoo Wuppertal © Berbara Scheer / Zoo Wuppertal (Pressefoto)

 

 

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Biberteich im Gatineau Park, Québec © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Nicht mehr unterhaltener Biberdamm im Gatineau Park, Québec © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Trockenfallender, alter Biberteich im Gatineau Park, Québec © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Wegen ihrer Gestalt, Lebensweise und kulturellen Bedeutung sind Biber von zoopädagogischem Interesse und auch für das allgemeine Publikum attraktiv, so man sie denn sieht, denn sie sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Der Nordamerikanische Biber wird in europäischen Zoos deutlich seltener gezeigt als die bei uns heimische Art.

Körperbau und Körperfunktionen

Nordamerikanische Biber wiegen etwa 18-27 kg, der schwerste, in Wisconsin gefangene, brachte gar beinahe 50 kg auf die Waage. Das Biberfell ist mit 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter (Mensch: bis zu 600) sehr dicht und schützt vor dem Auskühlen im kalten Wasser [1; 5; 9]. Ansonsten siehe Eurasischer Biber.

Verbreitung

Ganz Nordamerika außer in der Arktischen Tundra, der Florida-Halbinsel und den Wüsten im Südwesten der USA und Mexikos. Südliche Verbreitung bis Nordmexiko. Angesiedelte Populationen in Argentinien, Chile, Finnland und Russland.

Lebensraum und Lebensweise

Kanadische Biber sind große Landschaftsgestalter. Wo die Wasserstände ihrer Wohngewässer schwanken oder nur gering sind, bauen sie Dämme, um eine Wassertiefe von mindestens 0.6 m zu gewährleisten. Bäume im Wasser sterben ab, soweit sie nicht von den Bibern gefällt werden. Bäume in Ufernähe - meist in Abständen von weniger als 30 m - werden zur Nahrungsbeschaffung gefällt. Ist das Baumangebot erschöpft, geben die Biber ihren Teich auf und bauen in der Nähe einen neuen Damm. Der alte Teich fällt trocken und bildet eine Lichtung, auf der neue Bäume wachsen. Als Wohnung dienen im oder am Wasser errichtete Biberburgen aus Ästen und Baumstämmen oder Erdbaue am Gewässerufer. Biber leben als Familiengruppen in festen Paaren mit ihren Nachkommen. Sie sind territorial. Die Paarungszeit fällt auf Januar-Februar (Dezember-Mai). Nach einer Tragzeit von 100-110 Tagen werden 2-4 (1-6) Junge geboren. Schon bei der Geburt sind die Biber voll behaart und können sehen. Trotzdem bleiben die Jungtiere die ersten Wochen im sicheren Bau. Anfangs schwimmen sie zwar schon wie Korken, können aber noch nicht tauchen. Mit etwa 2 Jahren verlassen sie den Familienverband [1; 2; 5; 9].

Gefährdung und Schutz

Der Nordamerikanische Biber wurde letztmals 2016 nicht als gefährdet beurteilt, da er weitverbreitet und in vielen Gegenden seines Areals häufig ist, in vielen Schutzgebieten vorkommt und die Bestände stabil sind (Rote Liste: LEAST CONCERN) [3].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. In Deutschland ist die Haltung durch Privatpersonen nach Bundesartenschutzverordnung verboten. In der Schweiz gilt der Kanadische Biber nach Anhang 1 der Jagdverordnung als nicht einheimische Art, deren Einfuhr und Haltung einer jagdrechtlichen Bewilligung bedarf.

Bedeutung für den Menschen

In Nordamerika werden die Biber wegen ihrer Felle gejagt. Zu diesem Zweck wurden sie auch in Argentinien und Finnland angesiedelt. von wo aus sie sich weiterverbreiteten [3]. Früher wurden die Felle als Zahlungsmittel angenommen.

Kanadische Biber als Neozoen in Mitteleuropa: Gelegentlich kommt es vor, dass Amerikanische Biber aus ihrem Zoogehege entweichen, etwa wenn dieses bei einem Hochwasser überschwemmt wird, und sich in der näheren Umgebung des Zoos niederlassen. So geschehen z.B. in der Eifel. Im Freiland haben diese Exoten natürlich nichts verloren. Sie werden deshalb von den zuständigen Naturschutzbehörden eingefangen. Aber währenddem die ebenfalls fremdländischen Waschbären und Marderhunde in Deutschland abgeschossen werden - vom Waschbär jährlich etwa 80'000, vom Marderhund 30'000 Stück, werden die Biber mit viel Aufwand mit einem Transponder versehen, kastriert und wieder freigelassen, denn sie fallen unter das Naturschutz- und nicht unter das Jagdgesetz. Glück muss der Biber haben...

In Frankreich entwischten 1977 drei Kanadische Biber aus einer Privathaltung im Departement Yonne. Sieben Jahre später umfasste der Bestand bereits mehr als 20 Individuen. Da im fraglichen Gebiet Europäische Biber vorkommen, wurde beschlossen, den Bestand zu eliminieren, und 1984/85 wurden 24 Tiere abeschossen. Andere Populationen in Österreich, Polen und der Schweiz sind von selbst wieder erloschen. In Luxemburg, Belgien, Rheinland-Pfalz und den angrenzenden niederländischen und französischen Gebieten besteht noch ein Bestand, der möglicherweise auf Tiere aus dem oben erwähnten Privatzoo zurückgeht [4].

Haltung

WEIGL gibt als Altersrekord 23 Jahre und 4 Monate an, erreicht von einem weiblichen, im Zoo Zürich geborenen und später in Amsterdam gehaltenen Tier [7].

Kanadische Biber können z.B. mit Ursons vergesellschaftet werden.

Forschung im Zoo: Der Kanadische Biber ist in Europa nur selten Gegenstand von Forschungsarbeiten, die unser Grundlagenwissen erweitern, Feldforschung erleichtern oder die Haltung und Zucht der Art optimieren wollen [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 15 Zoos gehalten, von denen sich etwa 40% im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL besagt, dass für Biber ein Wasserbecken von mindestens 20 m² mit einer Tiefe von 0,8 m benötigt werde. Auch Nordamerikanische Biber besiedeln, wie ihre europäischen Verwandten, im Freiland Gewässer die nicht tiefer als 0.6 m sind. Diese Wassertiefe ist erforderlich, damit die Eingänge zu ihren Bauen unter Wasser liegen und damit die Biber sicher schwimmen und bei Gefahr abtauchen können. Bei bestehenden Anlagen sind daher nach Ansicht der Tierschutzsachverständigen der Zoos auch Wassertiefen von nur 0.6 m zu akzeptieren.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Gehege mit einem Landteil von 40 m² und einem Wasserteil von 30 m² vor. Die Wassertiefe muss 0.8 m betragen. Für jedes weitere Tier kommen 4 m² Land zur Basisfläche dazu.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für ein Paar mit Nachkommen ein Gehege von 100 m² erforderlich, wovon mindestens die Hälfte von einem Wasserbecken eingenommen wird. Der Wasserstand muss an der tiefsten Stelle mindestens 1 m betragen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Kanadische Biber wurde 1820 von dem aus Hanau stammenden Zoologen Heinrich KUHL unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Im Laufe der Zeit wurden 24 Unterarten differenziert, die heute aber wegen der zahlreichen Biber-Umsiedlungen  als fraglich angesehen werden müssen [8; 9].

Wegen der unterschiedlichen Chromosomenzahl werden nordamerikanische und eurasische Biber heute als zwei Arten betrachtet. In der von Johann Friedrich von BRANDT 1855 begründeten Taxonomie der Nagetiere wurden die Biber der Unterordnung der Hörnchenartigen zugeordnet [5]. 2005 erfolgte eine provisorische Neueinteilung der Ordnung, nach der die Biber zusammen mit den Taschenmäusen und Taschenratten eine eigene, vierte Unterordnung bilden [8; 9]. Aber die nächste Revision der Nagetiertaxonomie kommt bestimmt ....

Literatur und Internetquellen

  1. ALLEN, T. B. (1979)
  2. BEAVER PICTURES and FACTS
  3. CASSOLA, F. 2016. Castor canadensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T4003A22187946. http://www.iucnredlist.org/details/4003/0. Downloaded on 21 May 2018.
  4. DUBRULLE, P.-M. & CATUSSE, M. (2012)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. MARKOWSKI, S. (2013)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 3851 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 10 Juli 2019 07:47
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx