Eulen und Schleiereulen

Sperbereule

Sperbereule (Surnia ulula) im Zoo Breslau Sperbereule (Surnia ulula) im Zoo Breslau
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Eulen (STRIGIFORMES)
Familie: Eulen (Strigidae)
Unterfamilie: Kleine Eulen und Käuze (Surniinae)
Tribus: Kleineulen (Surniini)

D LC 650

Sperbereule

Surnia ulula • The Hawk Owl • La chouette-épervier

220 002 026 002 surnia ulula BER KR1
Sperbereule (Surnia ulula) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

220 002 026 002 surnia ulula map
Approximative Verbreitung der Sperbereule (Surnia ulula)

 

 

 

220 002 026 002 surnia ulula kleinostheim KR1
Sperbereule (Surnia ulula) im Eulengarten Kleinostheim © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

220 002 026 002 surnia ulula TPB KR1
Sperbereule (Surnia ulula) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

220 002 026 002 surnia ulula zrh DAY
Sperbereule (Surnia ulula) im Zoo Zürich © Edi Day, Zoo Zürich

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Als eher atypische, an subpolare Lebensbedingungen angepasste Eule ist die Sperbereule von zoopädagogischem Interesse. Sie wird in europäischen zoologischen Einrichtungen relativ häufig gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Sperbereule erreicht eine Gesamtlänge von 36-41 cm, wobei der Schwanz verhältnismäßig lang ist, eine Flügelspannweite von 74-81 cm und ein Gewicht von 270-314 g bei den Männchen und 320-345 g bei den Weibchen. Der Kopf ist eher klein, die Iris der Augen ist gelb. Federohren sind nicht vorhanden. Die Zehen sind dicht befiedert. Das Gefieder der Oberseite ist braunschwarz mit weißen Flecken. Der braunschwarz umrahmte Gesichtsschleier ist klein und weiß. Die Körperunterseite ist gesperbert, daher der Vulgärname "Sperbereule". Durch die langen, spitz zulaufenden Flügel  sehen die Eulen im Flugbild einem Sperber oder Falken ähnlich [2; 3; 5; 6].

Verbreitung

Holarktis: China, Estland, Finnland, Kanada, Kasachstan, Nord-Korea, Kirgistan, Mongolei, Norwegen, Russland, Schweden, USA. Gastvogel in Belgien, Bermuda, Dänemark, Deutschland, Färöer, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kasachstan, Kirgistan, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Spanien, Tschechien, Ukraine, Ungarn, Weißrussland und ev. weiteren Ländern [1].

In Jahren, in denen die Bestände der Wühlmäuse und Lemminge zusammenrechen, weichen die skandinavischen Sperbereulen nach Dänemark, Ost- und Mitteleuropa aus. Aus dem 20. Jahrhundert sind aus Mitteleuropa rund 100 datierte Nachweise bekannt [7].

Lebensraum und Lebensweise

Die rasch fliegende Sperbereule ist ein Bewohner der Taiga und von Sumpf- und Moorgebieten. Sie ist ein Pirschflug- und Ansitzjäger, der gern hohe Warten mit gutem Blickfeld benutzt. Sie jagt zwar auch nachts, ist aber überwiegend tagaktiv und scheint der Polarnacht auszuweichen. Hauptbeute der Sperbereule sind Nager wie Wühlmäuse und Lemminge, sie ist aber ein opportunistischer Jäger und schlägt auch andere Kleinsäuger wie Eichhörnchen oder Wiesel, ferner Kleinvögel und sogar Insekten [2; 8].

Genistet wird in Astlöchern, Spechthöhlen, alten Krähen- und Greifvogelnestern. Die Brutzeit dauert von März bis anfangs Mai. Die 5-7, in guten Mäusejahren bis zu 12 Eier werden hauptsächlich durch das Weibchen während etwa 4 Wochen bebrütet. Das Männchen führt die Jungen, die das Nest schon sehr früh, bevor sie flugfähig sind, verlassen [2; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Mit einer außerordentlich weiten Verbreitung und einem je nach Futterangebot schwankenden Weltbestand ist gemäß einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 die Sperbereule nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Der europäische Bestand wird auf 10,400-53,900 Brutpaare geschätzt, der Weltbestand dürfte zwischen 80'000 und 415'000 Brutpaaren liegen [1].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume sowie unter Anhang I der Richtlinie 2009/147/EG über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten.

Bedeutung für den Menschen

Von 2001-2018 wurden in der CITES-Statistik hinsichtlich Naturentnahmen nur Exporte von Teilen und Erzeugnissen gemeldet. Im selben Zeitraum wurden bei der Ausfuhr 173 Nachzuchtvögel registriert, von denen über die Hälfte aus Großbritannien stammte [4].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 70 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: 1995 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Diese werden gegenwärtig (Juli 2019) überarbeitet und sollen als Leitlinien zur Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) neu herausgegeben werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für 2 mittelgroße Eulen eine Voliere mit einer Grundfläche von 20 m² und einem Volumen von 40 m³ vor. Für jede weitere ist die Grundfläche um 3 m² zu vergrößern. Die Vorgängerverordnung sah eine Fläche von 10 m² und ein Volumen von 25 m³ vor. Die Erhöhung erfolgte ohne Angabe von Gründen. Ein allfälliger Innenraum muss eine Grundfläche von 2 m² je Vogel haben.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für die Haltung von 1-2 mittelgroßen Eulen eine Voliere mit einer Grundfläche von 8 m² bei 2 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 3 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Sperbereule wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Strix ulula" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Surnia wurde 1805 von André Marie Constant DUMÉRIL vom Muséum national d'histoire naturelle zu Paris eingeführt. Surnia bildet eine monotypische Gattung [5].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Surnia ulula. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22689189A93221920. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22689189A93221920.en . Downloaded on 25 June 2019.
  2. BURTON, J. A. (1984)
  3. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J., eds. (1999)
  6. ECK, S. & BUSSE, H. (1973)
  7. MAUMARY, L. et al. (2007)
  8. STEINBACH, G. (1980)

Zurück zu Übersicht Turakos bis Kolibris

Weiter zu Eulenschwalm (Podargus strigoides)

Gelesen 1099 mal Letzte Änderung am Dienstag, 09 Juli 2019 08:00
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx