Eisvögel, Bienenfresser und Racken

Europäischer Bienenfresser

Europäischer Bienenfresser (Merops apiaster) im Tiergarten Schönbrunn Europäischer Bienenfresser (Merops apiaster) im Tiergarten Schönbrunn
Norbert Potensky / Tiergarten Schänbrunn

Ordnung: Rackenvögel (CORACIIFORMES)
Unterordnung: Rackenartige (CORACII)
Familie: Bienenfresser (Meropidae)

D LC 650

Europäischer Bienenfresser

Merops apiaster • The European Bee-eater • Le guépier d'Europe

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Europäischer Bienenfresser (Merops apiaster) in der Bruthöhle im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / TG Schönbrunn

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Europäischen Bienenfressers (Merops apiaster), ohne Durchzugs- und Überwinterungsgebiete

 

 

 

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Europäische Bienenfresser (Merops apiaster) im Zoo Zürich © Edi Day, Zoo Zürich

 

 

 

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Europäischer Bienenfresser (Merops apiaster) im Zoo Zürich © Edi Day, Zoo Zürich

 

 

 

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Europäischer Bienenfresser (Merops apiaster) im Tiergarten Schönbrunn © D. Zupanc / TG Schönbrunn

 

 

 

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Nestling des Europäischen Bienenfressers (Merops apiaster) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky

 

 

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Europäische Bienenfresser sind attraktive Vögel, die im Zoo als Botschafter für den Schutz von Feuchtgebieten dienen. Wegen Ihrer Spezialisierung auf den Fang von Bienen und ähnlichen Insekten sowie als Element der heimischen Fauna sind sie von zoopädagogischem Interesse und werden oft in Verbindung mit Schau-Bienenstöcken gezeigt. Der Europäische Bienenfresser ist die häufigste der in unseren Zoos insgesamt wegen ihrer aufwändigen Fütterung eher selten gezeigten Arten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Europäische Bienenfresser erreicht eine Gesamtlänge von 28 cm und ein Gewicht von 44-78 g. Der Schwanz ist lang, die mittleren Schwanzfedern sind schmal und spitzenartig verlängert. Scheitel und Rücken zeigen unterschiedliche Brauntöne, die Unterseite ist blaugrün, die Kehle leuchtend gelb, der Augenstreif schwarz und die Stirne weißlich. Das Flügelgefieder ist bräunlich, gelb und grün [3; 6].

Verbreitung

Der Bienenfresser ist ein Zugvogel. Er brütet in folgenden Ländern:

Europa: Albanien, Armenien, Aserbeidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kosovo, Kroatien, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland, Zypern.

Asien: Afghanistan, China, Indien, Irak, Iran, Israel, Jordanien, Kasachstan, Kirgistan, Libanon, Libyen, Oman, Pakistan, Palästina, Syrien, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate.

Afrika: Algerien, Marokko, Tunesien, Botswana, Namibia, Südafrika, Westsahara (?).

Er ist Durchzügler oder Wintergast in zahlreichen weiteren Ländern [2].

Situation in Mitteleuropa: Vorstöße aus dem Mittelmeerraum nach Norden sind bereits aus dem 19. Jahrhundert bekannt. Im 20. Jahrhundert gab es in Europa mehrere Ausbreitungs- und Rückzugsphasen. Als Folge der Klimaerwärmung kam es ab Beginn der 1990er-Jahre es zu einer starken Zunahme der Kolonienbildung in Mitteleuropa. In der Schweiz kam es 1989 /90 zu den ersten Übersommerungen, der erste Brutnachweis erfolgte 1991. Bis ins Jahr 2004 wurden 12 Brutorte erfasst. In Baden-Württemberg brütet der Bienenfresser heute z.B. im Hegau und am Kaiserstuhl. Am Oberrhein gibt es rund 100 Brutpaare. In Rheinland-Pfalz wurden Bienenfresser ab den 1980er-Jahren beobachtet. 1993 wurde die erste Brut festgestellt, 2013 wurden 113 Brutpaare gezählt. Birdlife gibt in seiner Beurteilung aus dem Jahr 2015 die Bestände für Deutschland mit 1'000-1'100, für Österreich mit 750-800 und für die Schweiz (2013-2016) mit 53-72 Brutpaaren an [1; 8: 9; 10].

Arealerweiterung in Afrika: Im 19. Jahrhundert begann die Art auch im südlichen Afrika zu brüten (Erstnachweis in Südafrika 1886), wobei sie die Brutsaison in den September, also auf den südafrikanischen Frühlingsbeginn verlegte. Die in Südafrika brütenden Vögel verbringen den südlichen Winter vermutlich in der Region von Angola bis Malawi [5].

Lebensraum und Lebensweise

Der Bienenfresser besiedelt unterschiedliche Lebensräume einschließlich mit Büschen bestandene Flusstäler, lockere Korkeichenwälder, Steppen und Kulturland. In Europa brütet er in den wärmeren Gebieten, wandert aber gelegentlich auch weit in den Norden bis nach Skandinavien. Im Winter ziehen unsere Bienenfresser nach Afrika (südlich der Sahara) und teilweise auch nach Südasien [3; 9].

Nach seiner Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten beginnt der Bienenfresser im März mit dem Brutgeschäft. Zur Brut graben die Vögel in steilen Böschungen entlang von Gewässern, in Kiesgruben und gelegentlich auch in den flachen Untergrund Röhren von gegen einem Meter Länge mit einem Brutraum an deren Ende. 6 (4-20) Eier legt das Weibchen da hinein – in dieser Zeit vom Männchen immer wieder fürsorglich mit Insekten beliefert. Es brüten beide Paarpartner, und nach 20-22(-25) Tagen schlüpfen die Jungvögel, die dann etwa 30-33 Tage im Nest bleiben. Die Eltern werden bei der Jungenaufzucht zuweilen von Helfern unterstützt: Das sind in der Regel ältere Söhne der Eltern oder Brüder des Männchens, die selber nicht erfolgreich zur Brut kamen. Wegen der verwandtschaftlichen Beziehung unterstützen sie so Träger eigener Gene. Sind die Jungen einmal flügge, werden sie von den Eltern noch eine Zeitlang weiter gefüttert, denn das Erbeuten von Fluginsekten will erlernt sein [6; PM Zoo Zürich, 19.02.2014].

Gefährdung und Schutz

Der Bienenfresser hat ein extrem großes Verbreitungsgebiet und auch eine sehr große Gesamtpopulation. Der Weltbestand wurde 2015 als stabil an gesehen und die Art daher als nicht-gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und Anhang 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten.

Bedeutung für den Menschen

Die Art wird gebietsweise zur Fleischgewinnung, zu Sammlerzwecken oder zum Vergnügen bejagt. Sie findet sich gelegentlich im internationalen Tierhandel [1].

Haltung

Als gesellige Vögel werden Bienenfresser in der Regel in Kolonien gehalten, die oft mit anderen Vogelarten vergesellschaftet werden. Wegen ihrer Empfindlichkeit gegen Kälte sollte ihnen auf jeden Fall eine geräumige Innenvoliere zur Verfügung stehen. Zur Zucht ist eine Brutwand erforderlich. Als Futterquelle zweckmäßig und aus pädagogischen Gründen wertvoll ist das Plazieren eines Bienenstocks in unmittelbarer Nähe der Voliere. Im Zoo können Bienenfresser ein Alter von 9 Jahren erreichen [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 15 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Forschung im Zoo: Bienenfresser sind gelegentlich Gegenstand von Forschungsarbeiten mit dem Ziel, unser Grundlagenwissen zu erweitern oder die Auswirkungen der Haltungsbedingungen auf die Vögel zu überprüfen [4; 7].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für die Haltung von Bienenfressern. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für Bienenfresser eine Außenvoliere mit einer Grundfläche von 10 m² und einer Höhe von 2 m für 6 Vögel sowie einen Schutzraum von 5 m² x 2 m vor. Für jeden weiteren Vogel ist das Flächenangebot um 15% zu erweitern. Die Vögel sind bei einer Raumtemperatur zu überwintern, die 15°C nicht unterschreitet, zusätzlich ist Strahlungswärme anzubieten. Bei ständiger Haltung im Innenraum ist die Innenvoliere zumindest entsprechend den Mindestmaßen der Außenvoliere zu errichten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Bienenfresser wurde 1758 von Carl von LINNÉ unterseinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es gibt keine Unterarten [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIENENFRESSER RHEINLAND-PFALZ
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Merops apiaster. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22683756A86910074. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22683756A86910074.en . Downloaded on 16 July 2019.
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. DÖRLER, D. (2010)  
  5. GINN, P.J., McILLERON, W.G. & MILSTEIN, P. le S. (1999)
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  7. HANDL, B. (2009)
  8. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019):
  9. MAUMARY, L. et al. (2007)
  10. NABU BADEN.WÜRTTEMBERG

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Gelesen 1685 mal Letzte Änderung am Freitag, 16 Oktober 2020 05:53
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