Hopfe und Nashornvögel

Runzelhornvogel

Männlicher Runzelhornvogel (Rhabdotorrhinus corrugatus) im Vogelpark Alphen aan den Rijn Männlicher Runzelhornvogel (Rhabdotorrhinus corrugatus) im Vogelpark Alphen aan den Rijn
© Zoo Leipzig

Ordnung: Rackenvögel (CORACIIFORMES)
Unterordnung Hopfe und Nashornvögel (BUCEROTES)
Familie: Nashornvögel (Bucerotidae)
Unterfamilie: Eigentliche Nashornvögel (Bucerotinae)

D EN 650

EEPRunzelhornvogel

Rhabdotorrhinus corrugatus • The Wrinkled Hornbill • Le calao à casque rouge

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Weiblicher Runzelhornvogel (Rhabdotorrhinus corrugatus) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Runzelhornvogels (Rhabdotorrhinus corrugatus)

 

 

 

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Männlicher Runzelhornvogel (Rhabdotorrhinus corrugatus) im Vogelpark Alphen aan den Rijn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Runzelhornvogel (Rhabdotorrhinus corrugatus) im Kölner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Weiblicher Runzelhornvogel (Rhabdotorrhinus corrugatus) im Zoo Bojnice © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Männlicher Runzelhornvogel (Rhabdotorrhinus corrugatus) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig

 

 

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Der Runzelhornvogel ist ein relativ großer, eindrücklicher Hornvogel, der sich bestens als Botschafter für den Schutz der Wälder Südostasiens und ihrer vielfach gefährdeten Bewohner eignet, zumal er 2018 wegen fortschreitender Abnahme seiner Bestände selbst als "stark gefährdet" eingestuft werden musste. Die Art ist in etlichen europäischen Zoos vertreten, obwohl es kein Zuchtbuch oder Zuchtprogramm gibt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Runzelhornvogel wird etwa 65-70 cm lang, Hähne haben ein Gewicht von knapp 1'600 g. Es besteht ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus. Beim Männchen sind Gesicht und Vorderhals gelblich-weiß, der Schnabel ist gelb mit roter Basis und schrägen Furchen auf dem Unterschnabel. Das Horn ist rot und helmförmig mit Querfalten. Beim Weibchen sind Kopf und Hals schwarz und die unbefiederten Kopf- und Kehlpartien sind blau, das Horn ist kleiner und gelb [2; 5; 6].

Verbreitung

Südostasien: Halbinsel von Thailand (') und Malaysia, Inseln Borneo und Sumatra (Indonesien, Malaysia und Brunei). Früher auch Singapur [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Runzelhornvogel besiedelt immergrüne Regenwälder des Tieflands des Indomalaiischen Archipels, meist zwischen 0-30 m über Meer. Er geht auch in selektiv eingeschlagene Wälder und Sumpfwälder an der Küste, nicht aber in Sekundärwälder. Er geht meist paarweise auf Nahrungssuche, gelegentlich in Trupps von bis zu 30 Vögeln. Dabei überfliegt er gelegentlich offenes Meer. Er ernährt sich hauptsächlich von lipidreichen Steinfrüchten, Feigen und anderen Früchten und nimmt auch animalische Kost. Wie bei anderen Hornvögel auch, mauert sich das Weibchen zum Brüten in eine Baumhöhle ein. Das Gelege besteht in der Regel aus 2-3 Eiern, die während 29 Tagen bebrütet werden. Die Jungen werden mit 60-76 Tagen flügge [5; 6].

Gefährdung und Schutz

Der Runzelhornvogel ist auf relativ ungestörte Wälder angewiesen. Da die Abholzungen in seinem Verbreitungsgebiet aber schnell voranschreiten, ist es auch wahrscheinlich, dass die Bestände schon aus diesem Grund in Zukunft stark abnehmen werden. Zusätzlich besteht ein erheblicher Jagddruck. Die Art wurde deshalb seit 2004 als potenziell gefährdet beurteilt und gilt seit 2018 als stark gefährdet (Rote Liste: ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel ist durch CITES Anhang II geregelt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt (Beispiel):

  • Seit 2017 fördert der Phoenix Zoo Bau und Installation von Nistkästen für Hornvögel durch die Organisation HUTAN in der Region Kinabatangan des malysisischen Bundesstaats Sabah. Das ursprünglich auf den Rhinozeroshornvogel fokussierte Projet wurde auf mittlerweile den Runzelhornvogel und 6 weitere Arten ausgeweitet. Die Aktivitäten von HUTAN werden durch weitere Zoos unterstützt, darunter Apenheul, Basel, Beauval, Breslau, Danzig, La Palmyre und Schönbrunn. mehr ...

Bedeutung für den Menschen

Die CITES-Handelsstatistik gibt für den Zeitraum 2001-2018 einige wenige Exporte von Wildfängen an, allerdings keine aus den effektiven Ursprungsländern. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 107 Nachzuchtvögeln registriert [3].

Haltung

Runzelhornvögel werden bisweilen mit Fasanen oder größeren Sperlingsvögeln vergesellschaftet. Als Höchstalter im Zoo werden mehr als 21 Jahre angegeben [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund zwei Dutzend Zoos gezeigt, von denen sich ein paar wenige im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Seit 2021 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom Paignton Zoo koordiniert wird.

Zoogestützte Forschung: Im Zoo Heidelberg wurden Untersuchungen zum Verhalten, insbesondere dem Paarfindungsverhalten durchgeführt [7].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine Mindestanforderungen an Gehege für Nashornvögel. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) regelt nur Gehege für "große" Nashornvögel. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) schreibt für ein Paar kleiner Nashornvögel eine Außenvoliere von 12 m² / 30 m³ und eine Innenvoliere von 4 m² / 8 m³ vor. Der Runzelhornvogel ist eigentlich eine mittelgroße Art, für welche die Verordnungen der Schweiz und Österreichs keine Kategorie vorsehen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1832 von Coenraad Jacob TEMMINCK vom Naturhistorischen Museum in Leiden als "Buceros corrugatus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der Gattungsname Aceros wurde 1829 von Brian Houghton HODGSON, einem in Nepal und Indien niedergelassenen englischen Naturforscher und Ethnologen für den Nepalhornvogel (A. nipalensis) eingeführt. In der Folge wurde corrugatus meist zu Aceros gestellt, gelegentlich auch in die Gattung Rhyticeros. In der neuen Checkliste von 2014 wurde er zusammen mit drei weiteren Arten von nipalensis getrennt und in eine eigene Gattung gestellt, wozu der aus dem Jahr 1895 stammende Name Rhabdotorrhinus ausgegraben wurde. Untersuchungen aus dem Jahr 1999 kamen zum Schluss, dass es zwei Unterarten gäbe, währenddem eine dritte nicht bestätigt werden konnte. Gegenwärtig werden aber keine Unterarten anerkannt [4; 5; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Rhabdotorrhinus corrugatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22682514A132244524. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22682514A132244524.en . Downloaded on 24 July 2019.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  7. HÖLZER, I. (2003)
  8. HÜBNER, St. (1999)

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Gelesen 5478 mal Letzte Änderung am Samstag, 26 März 2022 17:52
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx