Tangaren, Kardinäle, Ammern, Stärlinge

Goldammer

Goldammer (Emberiza citrinella), Henne im Zoo Augsburg Goldammer (Emberiza citrinella), Henne im Zoo Augsburg
Bretschneider, Zoo Augsburg

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Ammern (Emberizidae)

D LC 650

Goldammer

Emberiza citrinella • The Yellowhammer • Le bruant jaune

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Goldammer (Emberiza citrinella), Henne an der EXOTIS-Ausstellung Spiez © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Goldammer (Emberiza citrinella) in der westlichen Paläarktis (im Osten geht die Art bis nach Zentralsibirien und die Mongolei). Dunkelblau: ganzjährig; braun: Sommer; rot: Winter

 

 

 

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Goldammer (Emberiza citrinella), Hahn © Archiv Frank Liebig. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license.

 

 

 

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Goldammer (Emberiza citrinella), Henne an der EXOTIS-Ausstellung Spiez © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Die Goldammer ist die häufigste und am weitesten verbreitete Ammernart Mitteleuropas. Als einheimische Art und als Kulturfolger ist sie interessant für die Zoopädagogik und kann als Werbeträger für den Schutz der Biodiversität vor unserer Haustür dienen. Sie wird allerdings nicht sehr oft in europäischen Zoos gezeigt

Körperbau und Körperfunktionen

Die Goldammer erreicht eine Gesamtlänge von 16-17 cm, eine Flügelspannweite von 23-29.5 cm und ein Gewicht von (14-)20-38 g. Kopf und Unterseite sind beim Hahn leuchtend gelb, Rücken und Flanken kastanienbraun gestreift und der Bürzel rotbraun. Bei der Henne sind die gelben Partien weniger ausgeprägt bzw. bräunlich und die Farben sind matter [3; 4, 5; 7; 8].

Verbreitung

Westliche und Zentrale Paläarktis: Die Goldammer brütet in Albanien, Andorra, Armenien, Aserbeidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien Kasachstan, Kosovo, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Moldawien, Mongolei, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland. Als Gastvogel oder Durchzügler kommt sie in gegen 30 weiteren Ländern oder abhängigen Gebieten vor, namentlich im Nahen und Mittleren Osten. In Australien und Neuseeland wurde sie eingebürgert [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die Goldammer ist die am weitesten verbreitete und häufigste Ammernart Europas. Im Norden ihres Areals ist sie ein Kurzstreckenzieher, ab Mitteleuropa ein Standvogel. Sie bewohnt vorzugsweise Kulturlandschaften mit Hecken, Feldgehölzen, Obstgärten, Äckern und Wiesen, ferner Pionierflächen und Übergangsbereiche zum Wald. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt bei uns unterhalb von 800 m Höhe, es sind jedoch aus den Alpen Brutnachweise von auf über 2'000 m Höhe bekannt. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Sämereien von Bäumen, Krautpflanzen und Gräsern, zur Brutzeit werden vermehrt auch Insekten, Spinnen, Asseln, Tausendfüßer, Schnecken und Erdwürmer gefressen. Ab Herbst schließen sich die Ammern zu teils größeren Trupps zusammen, bisweilen gemeinsam mit Lerchen, Finken oder Wachholderdrosseln, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Die Brutzeit setzt Ende April ein. Es sind bis zu drei Bruten pro Jahr möglich. Ein Gelege besteht meist aus 4-5 (2-6) weisslichen bis bläulichen, gefleckten, ca. 22x16 mm großen Eiern. Diese werden ab dem letzten Ei vorwiegend von der Henne allein, die sich auch selbst mit Nahrung versorgt, während 12-14 Tagen bebrütet. Die Jungen verlassen halbflügge das Nest mit 9-14 Tagen. An der Fütterung der Jungen, anfänglich mit aufgeweichter Nahrung aus dem Kropf, später mit Insekten, Spinnen, zarten Pflanzentrieben und Sämereien, beteiligen sich beide Eltern [2; 3; 4, 7; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände gehen zwar zurück, aber da die Goldammer ein sehr weites Verbreitungsgebiet und auch immer noch eine große, auf 40-70 Millionen erwachsene Vögel geschätzte Gesamtpopulation hat, gilt sie nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Mit Wirksamkeit auf den 22.06.2021 wurde die ukrainische Population in Anhang III CITES aufgenommen, was auch bedeutet, dass bei der Einfuhr aus allen anderen Ländern ein Ursprungszeugnis erforderlich ist. .

Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, sie ist nicht in den Anhängen zur Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) aufgeführt.

Situation in Mitteleuropa: In Deutschland ist die Goldammer eine besonders geschützte Art nach Bundesnaturschutzgesetz, in der Schweiz ist er nach Jagdgesetz geschützt. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat sie Bestandeseinbußen hinnehmen müssen, ab den 1960er Jahren besonders stark in Deutschland, Österreich, den Benelux, Italien und Lettland. In der Schweiz wurde der Tiefpunkt um 1970 erreicht, seitdem nehmen hier die Bestände wieder leicht zu, gebietsweise ist dies auch in Deutschland der Fall. In den letzten Jahren wurden sie geschätzt in Deutschland auf 1.55 bis 2.9 Millionen, in Österreich auf 200-300'000, in der Schweiz auf 65-75'000, in Luxemburg auf 10-15'000 und in Liechtenstein auf 80-120 Brutpaare [1; 6]

Bedeutung für den Menschen

Die Art wird gebietsweise als Sport oder zur Gewinnung von Fleisch geschossen oder für den internationalen Tierhandel gefangen[1].

Haltung

Goldammern können zur Brutzeit nur paarweise gehalten werden, während des übrigen Jahrs ist Gruppenhaltung möglich [4]. Eine Vergesellschaftung mit anderen Arten, etwa Hühnervögeln, Tauben, Wiedehopfen oder Finken ist in der Regel unproblematisch.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 20 Zoos gezeigt, von denen sich etwa 40% im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt das Kleinvogel-Gutachten des BML von 1996 für ein Paar Goldammern einen Käfig mit den Mindestmaßen 120x50x50 cm (LxBxH) vor. Sie können in Außenvolieren gehalten werden, sofern ihnen ein Witterungsschutz zur Verfügung steht.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) ist für ein Paar Rotkardinäle ein Käfig mit den Mindestmaßen 120x50x80 cm (LxBxH) erforderlich. Außerhalb der Brutzeit ist Schwarmhaltung möglich, für jeweils 2 weitere Vögel ist die Grundfläche um 25% zu erweitern. Den Tieren sind Volieren mit natürlicher Bepflanzung von Sträuchern, Laubgehölzen und Koniferen einzurichten, was bei den vorgegebenen Dimensionen allerdings nicht möglich ist. Die Vögel dürfen ganzjährig in Außenvolieren gehalten werden, sofern ihnen ein trockener und zugfreier Schutzraum oder überdachter geschützter Volierenteil zur Verfügung steht.

In der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Ammern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Goldammer wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter ihrem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es werden drei Unterarten anerkannt. In Mitteleuropa kommt die Nominatform vor [3]. Das grammatikalische Geschlecht ist im Deutschen heute weiblich, früher war es männlich [2].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Emberiza citrinella. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22720878A89289181. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22720878A89289181.en Emberiza citrinella. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22720878A60289096. Downloaded on 05 February 2020.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. HEINZEL, H., FITTER, R. & PARSLOW, J. (1977)
  6. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019)
  7. MAUMARY, L. et al. (2007)
  8. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)

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