Prachtfinken und Finken

Reisfink

Reisfinken (Padda oryzivora) im Kölner Zoo Reisfinken (Padda oryzivora) im Kölner Zoo
© Kölner Zoo

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Prachtfinken (Estrildidae)
Unterfamilie: Australasische Astrilde (Lonchurinae)

D VU 650

Reisfink

Padda = Lonchura oryzivora • The Java Sparrow • Le padda De Java

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Reisfink (Padda oryzivora) im Naturospace Honfleur © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Autochthone Verbreitung des Reisfinken (Padda oryzivora). Dunkelblau: aktuelle Verbreitung; rot: vermutlich ausgestorben

 

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Reisfinken (Padda oryzivora) im Kölner Zoo © Kölner Zoo

 

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Reisfink (Padda oryzivora), Mutation (Farbe: silber) im Guinate Tropical Bird Park, Lanzarote © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Reisfink (Padda oryzivora) im Guinate Tropical Bird Park, Lanzarote © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Reisfink (Padda oryzivora) im Guinate Tropical Bird Park, Lanzarote © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Reisfink (Padda oryzivora) im Nistkasten im Guinate Tropical Bird Park, Lanzarote © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Reisfink (Padda oryzivora) im Tropiquarium, Servion © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Reisfinken (Padda oryzivora) im Guinate Tropical Bird Park, Lanzarote © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Reisfink gilt seit 2018 als stark gefährdet, bedingt durch Abschuss aber auch durch den - heute illegalen - Fang für den Vogelhandel. Als größter und plakativ gezeichneter Prachtfink eignet er sich daher besonders als Botschafter für den Schutz der südostasiatischen Vogelwelt vor nicht-nachhaltiger Ausbeutung, wofür 2017-2019 die "Silent Forest"-Kampagne der EAZA geworben hat. Die in Menschenobhut regelmäßig gezüchtete Art ist daher in europäischen Zoos sehr häufig zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der 14-16 cm lange Reisfink ist durch seinen schwarzen Kopf mit großem, weißem Wangenfleck, dickem, rotem Schnabel und rotem Augenring unverwechselbar. Er erreicht ein Gewicht von etwa 22-28 g. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Die Iris ist braun, Beine sind fleischfarben. Das Gefieder des Körpers ist überwiegend grau - blaugrau auf dem Rücken, eher rötlich-grau am Bauch. Die Unterschwanzdecken sind weiß, die Steuerfedern schwarz [1; 3; 4].

Verbreitung

Indonesien: Java, Bali, Madura. Eingeführt in verschiedenen Regionen weltweit: Brunei, China, Fidschi, Japan, Malaysia, Mexiko, Philippinen, Puerto Rico, Sri Lanka, Taiwan, USA, Weihnachtsinsel [2].

Lebensraum und Lebensweise

Der Reisfink besiedelt buschreiches Grasland, offenes Waldland, Kulturland und Gärten, hauptsächlich in tieferen Lagen bis auf eine Höhe von 500 m, auf Java stellenweise bis 1'500 m. Er ernährt sich überwiegend von Getreidekörnern, insbesondere Reis, nimmt aber auch andere Grassamen und Samen von Blütenpflanzen sowie gelegentlich Insekten zu sich. Zur Brutzeit lebt er paarweise oder in kleinen Gruppen, danach oft in sehr großen Flügen, die Reisfelder heimsuchen und gemeinsam in Bäumen übernachten. Genistet wird an Gebäuden, in Baumhöhlen, zwischen Schlingpflanzen oder in dichtem Gebüsch. Das Gelege besteht aus 4-6 Eiern, die während 13-14 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen verlassen das Nest im Alter von 24-26 Tagen, bisweilen früher [1; 4; 5].

Gefährdung und Schutz

Der Reisfink ist ein beliebter Käfigvogel. Dies hat dazu geführt, dass die Wildbestände durch den Fang für den Heimtiermarkt stark reduziert wurden und immer noch zurückgehen. Deshalb wurde diese Art als gefährdet eingestuft, seit 2018 als stark gefährdet (Rote Liste: ENDANGERED). Im Ursprungsgebiet gibt es vermutlich nur noch zwischen 1'000 und 2'500 erwachsene Individuen, aber in Japan und China hat es vergleichsweise große wildlebende Bestände [2].

Der internationale Handel ist seit 1997 nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Reisfinken wurden früher in großem Stil an ihren Schlafplätzen mit Netzen für den Kochtopf oder den nationalen und internationalen Vogelhandel gefangen oder als Schädlinge an Reiskulturen bekämpft [2]. Von 1997-2018 gelangten nur noch 351 Wildfänge aus Indonesien in den internationalen Handel. Im selben Zeitraum wurden weltweit 896'983 Nachzuchtvögel bei der Ausfuhr registriert. Davon stammten 428'182 aus Taiwan, 198'566 aus Kuba und 128'304 aus der Volksrepublik China [3].

Haltung

Der Reisfink ist bei Privathaltern ein beliebter Käfig- und Volierenvogel, der seit Jahrhunderten in China und Japan gezüchtet und vermutlich zu Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt wurde. Mittlerweile gibt es verschiedene Zuchtformen, so weiße, pastell- oder isabellfarbene.

Haltung in europäischen Zoos: Wildfarbene Reisfinken werden in rund 140 Zoos gezeigt, von denen sich gegen ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Darüber hinaus hat es Zuchtformen in über 40 Zoos. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt das Kleinvogel-Gutachten des BML von 1996 für ein Paar Reisfinken einen Käfig mit den Mindestmaßen 120x50x50 cm (LxBxH) vor. Für jeweils 2-3 weitere Vögel ist die Grundfläche um 25% zu erweitern. Bei der Haltung in Außenvolieren muss ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m² für bis zu 30 / 15 Vögel vorhanden sein.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) ist für ein Paar ein Käfig mit den Mindestmaßen 120x50x80 cm (LxBxH) erforderlich. Für jeweils 2 weitere Vögel ist die Grundfläche um 25% zu erweitern. Für die Schwarmhaltung sind Volieren notwendig. Bei der Haltung in Außenvolieren muss ein Schutzraum von mindestens 1 m² Grundfläche vorhanden sein.

Gemäß Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2020) ist für bis zu 4 Prachtfinken ein Käfig mit einer Grundfläche von 2'400 cm²und einer Höhe von 500 cm mit Badegelegenheit vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 500 cm² zu erhöhen

Taxonomie und Nomenklatur

Der Reisfink wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Loxia oryzivora" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Bis vor Kurzem war  die vom sächsischen Zoologen Heinrich Gottlieb Ludwig REICHENBACH 1850 verliehene Bezeichnung "Padda" der allgemein übliche Gattungsname. Dieser ist auch heute noch häufig in Gebrauch. Die aktuell gültige Gattungsbezeichnung ist aber Lonchura. Sie wurde 1832 von dem englischen Naturforscher William Henry SYKES eingeführt. Die Art ist monotypisch [2].

Literatur und Internetquellen

  1. BIELFELD, H. (2008)
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Lonchura oryzivora. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22719912A131809903. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22719912A131809903.en. Downloaded on 31 January 2020.
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)

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Gelesen 1179 mal Letzte Änderung am Samstag, 17 Oktober 2020 10:56
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