Madenhacker und Stare

Star

 Star (Sturnus vulgaris) im Zoo Augsburg Star (Sturnus vulgaris) im Zoo Augsburg
© Zoo Augsburg

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Stare (Sturnidae)
Unterfamilie: Stare (Sturninae)

D LC 650

Star

Sturnus vulgaris • The Common Starling • L'étourneau sansonnet

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Wildlebender Star (Sturnus vulgaris) im Naturschutz-Tierpark Görlitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Stars (Sturnus vulgaris). Autochthone Populationen: Dunkelblau: Ganzjahres- und Brutvorkommen; gelb: nicht-brütend. Angesiedelte Populationen: grün (brütend und nicht-brütend)

 

 

 

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Star (Sturnus vulgaris) im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Wildlebender Star (Sturnus vulgaris) bei der Futtersuche in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Wildlebender Star (Sturnus vulgaris) bei der Futtersuche im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Wildlebender Star (Sturnus vulgaris) in Garten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Wildlebende Stare (Sturnus vulgaris) an einem 23. Februar in Garten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Star (Sturnus vulgaris). Oben Jungvogel, Mitte adulter Hahn. Vorne: Einfarbstar (Sturnus unicolor). Illustration aus NAUMANN, J. F. (1897) Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas. Gemeinfrei

 

 

 

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Der Star ist ein allbekannter, weit verbreiteter und sehr häufiger, auch bei uns vorkommender Vogel, der sich häufig einen Zoo als Lebensraum aussucht, dort wildlebend beiobaxchtet werden kann und deshalb nicht sehr oft in der Voliere gehalten wird. Am ehesten ist er in Vogelparks oder kleineren Tierparks anzutreffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Star erreicht eine Gesamtlänge von 21-22 cm, eine Flügelspannweite von 37-42 cm und ein Gewicht von 61-94 (36-108) g. Er hat einen spitzen Schnabel und einen kurzen Schwanz. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel im Prachtkleid gelb, im Schlichtkleid schwärzlich, die Beine sind rot- bis kastanienbraun. Das Gefieder ist schwarzgrün bis violett schimmernd, nach der Mauser mit weißen Federspitzen, sodass eine perlartige Zeichung entsteht. Diese verschwindet durch Abnutzung der Federn bis zum nächsten Frühjahr [2; 3; 5; 6; 8].

Verbreitung

Europa, Nordafrika, Südwest- und Zentralasien: Laut Roter Liste der IUCN kommt der Star in 111 Ländern und abhängigen Gebieten als autochthoner oder eingeführter Jahres- oder Brutvogel oder als Gast vor. Eingeführt in Nordamerika, dessen riesige Population auf etwa 100 in den Jahren 1890/91 nach New York eingeführte Vögel zurückgeht, der Karibik, Argentinien, Südafrika, wo Cecil RHODES, der damalige Ministerpräsident der Kap-Provinz, 1899 einige Exemplare aus England nach Kapstadt bringen ließ, Australien, Neuseeland, Tonga [1; 4; 8].

Lebensraum und Lebensweise

Im deutschsprachigen Raum ist der Star unterhalb von 700 m als Brutvogel flächendeckend verbreitet. Bis 1'000 m kommt er überall in Siedlungen und landwirtschaftlich genutztem Gebiet vor, darüber nimmt seine Dichte rasch ab. Als Höhlenbrüter bevorzugt er gut strukturierte Agrarlandschaften, Obstgärten, Vorortssiedlungen, Alleen und Parks. Geschlossene Wälder werden gemieden und dicht überbaute Städte nur zum Schlafen genutzt.

Der Star sucht seine Nahrung oft auf frisch gemähten Wiesen oder zwischen weidendem Vieh. Er frisst Insekten und sonstige Wirbellose, auch kleine Wirbeltiere, wie junge Eidechsen oder Frösche, und im Sommer und Herbst Beeren, Früchte und Sämereien, einschließlich Kirschen und Weintrauben, was ihn bei Obstbauern und Winzern nicht sonderlich beliebt macht.

In milden Wintern werden die Reviere schon anfangs Februar besetzt. Der Nestbau beginnt meist Ende März / anfangs April, die Eiablage erfolgt im April, eine Zweitbrut ist möglich. Genistet wird in natürlichen oder von Spechten gezimmerten Baumhöhlen, an Kunstbauten oder in Nistkästen. Das Gelege besteht aus 4-6 (2-9) ungefleckten, blaugrünen bis hellblauen, ca. 31x22 mm großen Eiern, die vom Vollgelege an von beiden Eltern während 11-13 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen verlassen das Nest mit 20-22 Tagen [9].

Außerhalb der Brutzeit sammeln sich die Stare zu großen Schwärmen, die gemeinsame Schlafplätzen aufsuchen. Bei Flugmanövern über den Schlafplätzen oder beim Angriff von Greifvögeln ziehen sich die Schwärme zu Bändern oder kugelförmigen Haufen zusammen, die sich extrem koordiniert bewegen. Der Herbstzug konzentriert sich auf den Oktober, die Vögel kommen schon sehr früh im Jahr zurück. In letzter Zeit häufen sich auch Winterbeobachtungen. Die überwinternden Vögel werden oft in größeren Trupps beobachtet und übernachten gerne in Schilfflächen [8].

Gefährdung und Schutz

Der Star hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet und wurde auch in mehreren Ländern angesiedelt. Die Bestandsgröße und der Populationstrend sind zwar nicht bekannt, aber man nimmt an, dass die Gesamtpopulation aufgrund des riesigen Verbreitungsgebiets auch sehr groß ist. Für Europa geht man von einer Zahl aus die zwischen 57 und 105 Millionen erwachsenen Individuen liegt. Die Art gilt deshalb nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang III des Berner Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume sowie unter Anhang II.B der Europäischen Vogelschutz-Richtlinie (2009/147/EG).

Situation in Mitteleuropa: In Deutschland ist der Star eine nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Art. In der Schweiz ist er nach Jagdgesetz geschützt. Die Bestände liegen in Deutschland bei 2.8-4.5 Millionen, in Österreich bei 140-240'000, in der Schweiz bei 120-140'000, in Luxemburg bei 30-40'000 und in Liechtenstein bei 300-500 Brutpaaren [1; 7].

Bedeutung für den Menschen

Gebietsweise wird der Star als Sport oder zur Fleischgewinnung gejagt und für den lokalen / nationalen Heimtierhandel gefangen [1]. Stare sind - oder bei uns eher waren - beliebte Käfigvögel, weil sie Pfiffe, Melodien, das Gackern von Hühnern oder bis zu 70 menschliche Worte nachahmen können [6].

Haltung

Stare eignen sich insbesondere als Nebenbesetzung für Volieren mit gleich großen oder größeren Arten, etwa mit Rebhühnern, Fasanen oder Wildtauben. Manchenorts werden sie auch zusammen mit kleineren Singvögeln gehalten. Das Höchstalter in menschlicher Obhut wird mit 22 Jahren und 6 Monaten angegeben [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 35 Zoos gezeigt, von denen sich etwa die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Zudem ist der Star freifliegender Brutvogel in vielen Zoos.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Stare.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) schreibt für ein Paar Stare eine Voliere mit den Mindestmaßen 200x100x200 cm (LxBxH) vor. für je 2 weitere Vögel außerhalb der Brutzeit ist die Fläche um 25% zu erweitern. Bei der Haltung in Außenvolieren muss ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m² vorhanden sein. Den Tieren sind Biotopvoliere mit natürlicher Bepflanzung aus Sträuchern, Laubgehölzen und Koniferen einzurichten. Letzteres dürfte bei einer Grundfläche von 2 m² einigermaßen schwierig sein.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Star wurde 1758 unter seinem heute noch gültigen Namen von Carl von LINNÉ erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es werden 13 Unterarten anerkannt. In Mitteleuropa lebt die Nominatform [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2019). Sturnus vulgaris. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T22710886A137493608. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-3.RLTS.T22710886A137493608.en und (2015). Sturnus vulgaris. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22710886A60214843. Downloaded on 24 January 2020.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. GINN, P.J., McILLERON, W.G. & MILSTEIN, P. le S. (1999)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019)
  8. MAUMARY, L. et al. (2007)
  9. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)

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Gelesen 717 mal Letzte Änderung am Sonntag, 26 Januar 2020 09:37
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx