Madenhacker und Stare

Balistar

Balistar (Leucopsar rothschildi), Kölner Zoo Balistar (Leucopsar rothschildi), Kölner Zoo
Kölner Zoo

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Stare (Sturnidae)
Unterfamilie: Stare (Sturninae)

D CR 650

Balistar, Rothschilds Maina

Leucopsar rothschildi • The Bali Mynah • Le mainate de Rothschild

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Junger Balistar (Leucopsar rothschildi) im Zoo Osnabrück © :Zoo Osnabrück, Svenja Vortmann (Pressefoto)

 

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Verbreitung des Balistars (Leucopsar rothschildi); rot: eingeführte Population auf Nusa Penida

 

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Junger Balistar (Leucopsar rothschildi), bettelnd im Zoo Osnabrück © :Zoo Osnabrück, Svenja Vortmann (Pressefoto)

 

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Junger Balistar (Leucopsar rothschildi), wird gefüttert im Zoo Osnabrück © :Zoo Osnabrück, Svenja Vortmann (Pressefoto)

 

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Balistar-Paar (Leucopsar rothschildi) im Kölner Zoo © Rolf Schlosser, Köln

 

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Balistar (Leucopsar rothschildi) iin Biotop-Voliere im Brox Zoo, New York © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Balistar (Leucopsar rothschildi), badend im Heidelberger Zoo © Zoo Heidelberg (Pressefoto)

 

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Junger Balistar (Leucopsar rothschildi) lässt sich vom Zoodirektor herumtragen © Zoo Köln (Pressefoto)

 

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Balistare (Leucopsar rothschildi) mit Jungem im Zoo Basel. Pressefoto Zoo Basel

 

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Der vom Aussterben bedrohte Balistar ist für die europäischen Zoos eine Art, die höchste Priorität genieß. Die Erhaltung einer ex situ-Population wird durch ein Zuchtprogramm gewährleistet, aus dem wiederholt Vögel zurück nach Indonesien gebracht und in Schutzgebieten ausgewildert werden konnten. Dementsprechend ist die Art häufig in Zoos anzutreffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Balistar ist etwa 25 Zentimeter lang und rund 100 (70-105) Gramm schwer. Er hat ein blaues, nacktes Hautfeld rund ums Auge, einen grauen oder braunen Schnabel mit gelber Spitze, blaugraue Läufe und Zehen sowie eine lange, aufrichtbare Haube. Sein Gefieder ist weiß bis auf die schwarzen Spitzen der Schwung- und Schwanzfedern [3; 5].

Verbreitung

Südostasien: Indonesien, ausschliesslich auf der Insel Bali sowie eine angesiedelte Population auf Nusa Penida. [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Lebensraum des Balistars ist geprägt von Trockenwald, Graslandschaften und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Dort ernähren sich die Vögel von Insekten, Wirbellosen, aber auch von Früchten. Ein Gelege besteht aus drei bis vier bläulichen Eiern, welche in Nisthöhlen wie hohlen Baumstämmen gelegt werden. 14 Tage werden die Eier bebrütet und nach weiteren drei Wochen verlassen die Jungen die Höhle. Sie werden aber weiterhin von den Eltern gefüttert [8].

Gefährdung und Schutz

Es gibt im Freiland nur wenige Dutzend Vögel, von denen immer wieder welche für illegal für den Heimtierhandel gefangen werden. 2001 wurde nur noch 6 Vögel gezählt. Die Population ist daher auf die Freilassung von Vögeln aus Zuchten angewiesen, und die Art wird als hoch bedroht eingestuft (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte: 2006 stellte der Kölner Zoo Mikrochips für 25 in Indonesien gezüchtete und durch die Begawan-Stiftung freigelassene  Vögel zur Verfügung. Zusammen mit der "Bali Mynah Conservation Society" und dem indonesischen Forstministerium werden in Europa geschlüpfte Balistare nach Indonesien gebracht und dort gezielt zur Zucht eingesetzt, um die genetische Variation zu vergrößern. Außerdem soll die Auswilderung der Nachzuchtvögel im Bali-Barat-Nationalpark weiter vorangetrieben werden. Auch auf Nusa Penida, eine Bali vorgelagerten Insel, wurden Vögel angesiedelt. 2011 und 2016 wurden insgesamt 42 Balistare aus verschiedenen europäischen Ländern via Deutschland nach Indonesien verbracht [1; 2; 6; 7].

Bedeutung für den Menschen

Die Art befindet sich laut IUCN im internationalen Tierhandel [1]. Allerdings registrierte CITES von 2001-2018 keinerlei Handel mit Wildfängen. Im selben Zeitraum wurden weltweit 768 Nachzuchtvögel bei der Ausfuhr erfasst, wichtigste Exportländer waren Japan und die Niederlande [2].

Haltung

Balistare sind ausgesprochen friedlich und lassen sich gut mit anderen Arten vergesellschaften. Das Höchstalter wird mit 22 Jahren angegeben [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 130 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird vom Kölner Zoo (BM) koordiniert, dem 1967 auch die deutsche Erstzuckt gelang.  

Forschung im Zoo (Beispiel): Eine am Kölner Zoo durchgeführte Untersuchung über den Aufzuchterfolg von Balistaren zeigte, dass im Rahmen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms verschiedene Probleme bestehen. Häufig kommen die Vögel nicht in Brutstimmung und legen keine Eier. Gelegte Eier sind häufig nicht befruchtet. Jungvögel werden von den Eltern nicht gefüttert oder gar von ihnen gerupft und verletzt. Jüngere Männchen produzierten einen auffallend größeren Anteil infertiler Eier. Bei geringer Intensität der Paarbindung brüteten die Vögel nicht zusammen. Störungen in Form von Sichtkontakt zu Artgenossen und in Form von Lärm hatten einen negativen Einfluss auf das Brutverhalten. Es zeigte sich, dass die ausgeprägte innerartliche Aggression von Balistaren dazu führen kann, dass sie ihr Brutgeschäft vernachlässigen oder ihre Jungvögel verletzen [4].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Stare.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) schreibt für ein Paar Balistare eine Voliere mit den Mindestmaßen 200x100x200 cm (LxBxH) vor. für je 2 weitere Vögel außerhalb der Brutzeit ist die Fläche um 25% zu erweitern. Bei der Haltung in Außenvolieren muss ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m² vorhanden sein. Die Vögel sind warm zu überwintern, wobei die Mindesttemperatur 15°C nicht unterschreiten darf. Den Tieren sind Biotopvoliere mit natürlicher Bepflanzung aus Sträuchern, Laubgehölzen und Koniferen einzurichten. Letzteres dürfte bei einer Grundfläche von 2 m² einigermaßen schwierig sein.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Balistar wurde von der Wissenschaft erst 1910 entdeckt. 1912 wurde er von dem aus Dresden stammenden deutschen Ornithologen Erwin Friedrich Theodor STRESEMANN unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Er bildet eine monotypische Gattung, die allerdings als solche nicht unumstritten ist [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Leucopsar rothschildi. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22710912A129874226. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22710912A129874226.en . Downloaded on 25 January 2020.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. DETSCH, S. (2011)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  6. NATURSCHUTZPROJEKTE DES KÖLNER ZOOS
  7. WEBSITE DER BEGAWAN-STIFTUNG
  8. ZOO BASEL - PRESSEMITTEILUNG

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx