Würgerkrähen, Paradiesvögel, Raben

Kolkrabe

Kolkrabe (Corvus corax) im Tierpark Goldau Kolkrabe (Corvus corax) im Tierpark Goldau
© NTP Goldau

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Raben (Corvidae)

D LC 650

Kolkrabe

Corvus corax • The Common Raven • Le grand corbeau

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Kolkrabe (Corvus corax) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Kolkraben (Corvus corax)

 

 

 

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Kolkraben (Corvus corax) im Tierpark Nordhorn © Tierpark Nordhorn (Pressefoto)

 

 

 

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Kanarischer Kolkrabe (Corvus corax canariensis) in der Zona Recreativa Chio, Tenerife © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

 

 

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Amerikanischer Kolkrabe (Corvus corax sinuatus) Escondido, Kalifornien © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

 

 

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Mitteleuropäiscjer Kolkrabe (Corvus corax corax), Paar im Tierpark Riesa © Jirka Schmidt, Riesa

 

 

 

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Kolkrabe (Corvus corax) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kolkrabe (Corvus corax). Illustration aus NAUMANN, J. F. (1901) Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, Band IV, Tafel 11. Gemeinfrei

 

 

 

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Wappen der Stadt Rabenau in Sachsen

 

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Der Kolkrabe ist der größte in Europa vorkommende Rabenvogel. Er hat eine große kulturelle Bedeutung, was ihn für die Zoopädagogik höchst interessant macht. Dementsprechend wird er sehr häufig in europäischen Zoos gezeigt. Gelegentlich übernehmen Zoos auch handaufgezogene Vögel von Privatpersonen, die "sprechen" können, d. h. gelernt haben, einige Wörter nachzuahmen und so eine Attraktion für das Publikum bilden. Als gewandte Flieger werden Kolkraben auch in Flugschauen eingesetzt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Kolkrabe erreicht eine Gesamtlänge von 64 (69) cm, eine Flügelspannweite von 120-150 cm und ein Gewicht von ca. 800-1'560 (600-2'000) g und ist damit der größte in Europa vorkommende Vertreter seiner Familie. Er hat einen klobigen Schnabel, lange Kehlfedern und einen keilförmig abgestuften Schwanz. Schnabel und Gefieder sind schwarz, die Läufe und Zehen sind schwarzgrau. Beim Färöer-Kolkraben (C. c. varius) gibt es relativ oft weißgescheckte Individuen [4; 6; 7, 11].

Verbreitung

Nordamerika, Europa, Nordafrika, Asien: Der Kolkrabe ist Brutvogel in etwa 84 Ländern oder abhängigen Gebieten. Nicht-brütend komm er in weiteren 5 Ländern vor [1].

Lebensraum und Lebensweise

Kolkraben besiedeln ein weites Spektrum an Lebensräumen. In Mitteleuropa sind sie am häufigsten in subalpinen und montanen Lagen der Alpen und in Mittelgebirgen, dringen mittlerweile aber auch in Städte vor. Sie können über weite Strecken gleiten und im Aufwind ohne Flügelschlag kreisen. Sie sind opportunistische Allesfresser, die sich hauptsächlich von Aas ernähren, aber auch kleinere Säugetiere bis Hasen- oder Rehkitzgröße töten, Insekten, Schnecken und andere Wirbellose fangen, Haushalt- und Schlachtabfälle nutzen und diverses Pflanzenmaterial zu sich nehmen. Die Paare leben in Dauerehe und festigen den Zusammenhalte durch Kraulen, gegenseitiges Füttern und Gefiederpflege. Genistet wird in Felswänden und Schluchten, zunehmend aber auch auf hohen Bäumen oder an Kunstbauten. So brütet seit 1988 praktisch jährlich ein Paar am Bundeshaus (Parlamentsgebäude) inmitten der Stadt Bern. Gebrütet wird von Februar bis April. In der Regel gibt es eine Jahresbrut. Das Gelege besteht aus 4-6 (3-7) grünlichen bis bläulichen, gefleckten, ca. 50x33.5 mm großen Eiern, die vom Weibchen vom Vollgelege an während 20-21 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen werden von beiden Eltern betreut und verlassen das Nest im Alter von 5 Wochen [6; 7; 8; 10; 11; 12].

Gefährdung und Schutz

Der Kolkrabe hat ein riesiges Verbreitungsgebiet. Diese Art wurde früher oft als Schädling angesehen und stark bejagt, was die Bestände in Europa und den USA stark reduzierte. Seit mehreren Jahrzehnten hat aber die Bejagung abgenommen und die Bestände konnten sich gut erholen. Der Kolkrabe zählt heute mit einem geschätzten Bestand von 16 Millionen Individuen nicht zu den bedrohen Tierarten (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Situation in Mitteleuropa: In der Schweiz verschwand der Kolkrabe in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus dem Mittelland und dem Jura und wurde in den Alpen selten. Ab 1940 erholte sich der Bestand in den Alpen und ab 1950 wurden Mittelland und Jura wieder besiedelt. In Deutschland und Österreich war die Situation ähnlich. Der Kolkrabe ist in allen deutschsprachigen Ländern jagdbar, wobei er in Deutschland ganzjährig geschont ist und es in Österreich reguläre Schusszeiten nur in Kärnten und Tirol gibt. In der Schweiz wurde Im Zeitraum 2001-2018 im Jahr 2010 mit 498 Abschüssen die höchste Strecke erzielt. Seitdem haben die Strecken kontinuierlich abgenommen, 2018 wurden noch 251 Vögel geschossen [1; 7]. Die Brutbestände liegen in Deutschland bei 15'500-22'000, in Österreich bei 2'500-50'000, in der Schweiz bei 2-3'000, in Liechtenstein bei 8-12 und in Luxemburg bei 1-5 Paaren [1; 9].

Bedeutung für den Menschen

Die Art befindet sich laut IUCN im internationalen Tierhandel [1]. In vielen Gaststätten des Alpenraums sind ausgestopfte Kolkraben zu Dekoration aufgestellt. Obwohl sich der Kolkrabe hauptsächlich von Aas ernährt, kann er auch schwaches Jungwild überwältigen, attackiert verletzte Großtiere und galt als "der abscheulichste Nestplünderer, welchen es geben kann", wie BREHM bemerkt, der auch folgert "Es unterliegt leider keinem Zweifel, dass der Kolkrabe durch seine Raubsucht sehr schädlich wird und nicht geduldet werden darf" [3].  Er wurde deswegen lange Zeit als Schädling verfolgt.

Kulturelle Bedeutung: Junge Kolkraben lassen sich leicht zähmen und erfreuen durch ihr clowneskes Verhalten und ihre Sprachbegabung. In der nordischen Mythologie symbolisierte der Rabe die Weisheit. Der Gott Odin/Wotan war von zwei Raben, Hugin und Mumin begleitet, die auf seinen Schultern saßen und ihm berichteten, was auf der Welt vor sich ging. Im antiken Griechenland war der Rabe dem Gott Apollon heilig. Die Schöpfungsgeschichte der Bibel berichtet, dass Noah einen Raben aus der Arche sandte, um zu erkunden, ob es wieder Land gäbe. Dieser kehrte erst zurück, jedoch nicht mehr beim zweiten Mal, worauf Noah eine Taube aussandte, die mit einem Ölzweig zurückkehrte. In England soll sich die Seele von König Artus in einen Raben verwandelt haben, nachdem jener bei der Schlacht in Camlan gefallen war. Seit Jahrhunderten werden im Tower of London mindestens sechs Kolkraben gehalten, denn wenn ihre Zahl darunter fällt, soll das Königreich in Gefahr sein.

Kolkraben kommen in einigen Volksmärchen vor und sind Hauptakteur in verschiedenen Fabeln:

Auch Christian Morgenstern und Wilhelm Busch haben populäre Gedichte bzw. Bildergeschichten über Kolkraben verfasst.

In Deutschland, Österreich und Tschechien gibt es zahlreiche "Rabenstein" (Rabštejn) genannte Burgen, ferner die folgenden Gemeinden oder Ortsteile in Deutschland: D-14823 Rabenstein/Fläming (Brandenburg), D-09117 Chemnitz-Rabenstein (Sachsen), D-36396 Rabenstein (Steinau), D-94227 Rabenstein (Zwiesel); in Österreich: A-3203 Rabenstein an der Pielach, A-9473 Lavamünd- Rabenstein; zudem in Sachsen die Stadt D-01734 Rabenau und in der Schweiz: CH-3255 Rapperswil (Bern), CH-8558 Rapperswilen (Thurgau), CH-8640 Rapperswil-Jona (St. Gallen). Als Familiennamen gibt es Raab, Raabe, Rabe, Rabenstein, Rabensteiner, Rapp, von Rabenau. Orte und Familien führen zumeist den Raben im Wappen.

Haltung

Im Zoo ziehen großflächige Wolfs- oder Bärengehege häufig wildlebende Kolkraben an, die am ausgelegten Futter partizipieren. Das Höchstalter in Menschenobhut wird in der Literatur mit 28 Jahren angegeben [6], liegt aber höher: der berühmte sprechende Kolkrabe "Jakob" des Innsbrucker Alpenzoos wurde 30 Jahre alt.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 2100 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Forschung im Zoo (Beispiele): Verschiedene Zoos beteiligten sich an einer Masterarbeit über die Paarbeziehung bei Kolkraben [10]. Eine andere Arbeit am Zoo Heidelberg befasste sich mit der Wirkung von Anreicherungsmaßnahmen im Gehege auf das Verhalten [2].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Rabenvögel.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Kolkrabe wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Gegenwärtig werden 11 Unterarten anerkannt. In Mitteleuropa kommt die Nominatform vor [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). Corvus corax (amended version of 2016 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T22706068A113271893. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2017-1.RLTS.T22706068A113271893.en und (2015). Corvus corax. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22706068A60186828. Downloaded on 22 January 2020.
  2. BRAUN, F. (2016)
  3. BREHM, A. E. (1882-1887)
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. EIDGENÖSSISCHE JAGDSTATISTIK
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  7. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  8. HAURI, R. (2007)
  9. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019)
  10. LEKARCZYK, S. K. (2014)
  11. MAUMARY, L. et al. (2007)
  12. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)

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