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Eidechsen, Skinke und Schleichen

Scheltopusik

Scheltopusik (Ophisaurus = Pseudopus apodus) im Tiergarten Nürnberg Scheltopusik (Ophisaurus = Pseudopus apodus) im Tiergarten Nürnberg
Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Echsen (SAURIA)
Zwischenordnung: Skinkartige (Scincomorpha)
Familie: Schleichen (Anguidae)
Unterfamilie Blind- und Glasschleichen (Anguinae)

D NB 650

Scheltopusik

Pseudopus apodus • The European Glass Lizard • L'orvet des Balcans

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Scheltopusik (Pseudopus apodus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung des Scheltopusik (Pseudopus apodus) in Europa

 

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Scheltopusik (Pseudopus apodus) im Tiergarten Nürnberg © Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

 

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Kontakt zwischen Scheltopusik (Pseudopus apodus) und Ziesel (Spermophilus citellus) im Tiergarten Nürnberg © Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

 

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Scheltopusik (Pseudopus apodus) im Zoo-Vivarium Darmstadt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Scheltopusik (Pseudopus apodus) im Tierpark Dessau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Abbildung aus der Originalbeschreibung von PALLAS (1775). "Lacerta apoda descripta. Novi Comment. Acad. Petrop. 19: 435-454"

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Der Scheltopusik sieht mit seinem langen Körper und den fehlenden bzw. nur noch rudimentär vorhandenen Gliedmaßen auf den ersten Blick aus wie eine Schlange. Dieser nahe Verwandte unserer Blindschleiche ist daher von zoopädagogischem Interesse und wird relativ häufig in europäischen Zoos gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Scheltopusik hat große Ähnlichkeit mit unserer Blindschleiche, wird allerdings mit bis zu 1.25 m sehr viel größer. Er hat ebenfalls keine Vorderbeine, besitzt aber im Gegensatz zur Blindschleiche vom Hals bis zum After auf jeder Seite eine tiefe Längskerbe, an deren Hinterenden sich die winzigen Hintergliedmaßen befinden. Der Schwanz ist etwa anderthalbmal so lang wie Kopf und Rumpf. Wie bei der Blindschleiche bricht er leicht, wenn das Tier am Schwanz angefasst wird. Er regeneriert aber nur sehr langsam. Die Rückenschilder enthalten Osteodermen. Das Tier fühlt sich daher hart an, was ihm den Namen "Panzerschleiche" eingetragen hat. Im Gegensatz zur Blindschleiche ist der Scheltopusik eierlegend. [1; 2; 3; 4].

Verbreitung

Südosteuropa, Kleinasien, Kaukasusregion bis in den Iran, nach Afghanistan und Zentralasien [1; 5].

Lebensraum und Lebensweise

Der Scheltopusik ist tag- und dämmerungsaktiv. Er bevorzugt trockene Lebensräume mit verstreuten Büschen oder Bäumen, Trockenmauern oder Steinhaufen. Oft auch auf kultiviertem Land oder in der Nähe menschlicher Siedlungen. Er ernährt sich von Schnecken, Regenwürmern, Insekten und deren Larven, Mäusen, Vogeleiern und gelegentlich kleinen Eidechsen. Die Eiablage efolgt im Juni. Die Gelege bestehen aus 6-10 weichschaligen, länglichen, weißen Eiern. Die Jungen schlüpfen nach etwa anderthalb Monaten [1; 3; 4].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist nach CITES nicht geregelt. Der Scheltopusik fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist ist eine streng zu schützende Tierart nach Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG).

Bedeutung für den Menschen

Der Scheltopusik wurde früher auf dem Balkan als "Schlange" verfolgt, was heute aber kaum noch der Fall ist, zumal bekannt wurde, dass er Schadinsekten vertilgt [3].

Haltung

Scheltopusike sind verträglich und können zu Mehreren in einer Anlage gehalten werden [2]. Es wird empfohlen, sie in einem geräumigen, beheizten Trockenterrarium zu halten, das breiter als hoch ist. In den Behälter sollte etwa 30 cm Bodensubstrat eingebracht werden, damit die Tiere graben können, geeignet ist z. B. sandige Heideerde. Zur Einrichtung gehören Steine, Geröll, starke Aststücke, Korkrindenstücke als Verstecke, eine flache Tränke und gegen die Wühltätigkeit geschützte mediterrane Pflanzen. Das Terrarium sollte mit Wärme- und UV-Strahler sowie lokal einer Bodenheizung ausgestattet sein. Luft- und Bodentemperatur sollten tagsüber bei 25-30ºC liegen und nachts abgesenkt werden. Eine Überwinterung von 4 Monaten in einer Überwinterungskiste ist empfehlenswert [4]. Während des Sommers ist eine Haltung im Freilandterrarium möglich, wie sie z.B. im Nürnberger Tiergarten praktiziert wird.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 50 Institutionen gezeigt, von denen sich rund ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. 

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für ein Paar mindestens 6x so lang und 3x so breit sein wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Die Höhe soll das Doppelte der Kopf-Rumpflänge betragen. Für jedes weitere Tier kommen 15% zur Basisfläche dazu. In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) und der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Scheltopusik wurde 1775 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte, als Lacerta apoda detailliert in lateinischer Sprache beschrieben. Seit 2928 gehörte er zur Gattung Ophisaurus, die neun Arten zählt. 2005 wurde er als Gattung Pseudopus abgetrennt [5].

Literatur und Internetquellen

  1. ARNOLD, E.N. & BURTON, J.A. (1978)
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. NIETZKE, G. (1969)
  5. THE REPTILE DATA BASE

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Gelesen 1675 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 13 Februar 2020 15:39