Geckos

Faltengecko

Faltengecko (Ptychozoon kuhli) in der Wilhelma Stuttgart Faltengecko (Ptychozoon kuhli) in der Wilhelma Stuttgart
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Echsen (SAURIA)
Zwischenordnung: Geckoartige (Gekkota)
Familie: Haftfingergeckos (Gekkonidae)
Unterfamilie: Gekkoninae

D NB 650

Faltengecko

Ptychozoon kuhli • The Kuhl's Flying Gecko • Le gecko volant de Kuhl

303 008 072 000 ptychozoon kuhli Manuel Werner Nuertingen
Faltengecko (Ptychozoon kuhli). Bild Manuel Werner, Nürtingen. Veräffentlicht unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation

 

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Approximative Verbreitung des Faltengeckos (Ptychozoon kuhli)

 

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"Faltengecko, Ptychozoon homalocephalum" (= Ptychozoon kuhli). Bild aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Hautsäume und Flughäuten zwischen den Zehen befähigen die Faltengeckos zum Gleitflug. Sie verfügen allerdings über eine so gute Tarnfärbung, dass sie in einer Anlage, in der sie fliegen könnten, für das Publikum quasi unsichtbar sind. Sie werden deshalb nicht häufig in Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

BREHM bezeichnet den Faltengecko als "eines der absonderlichsten Glieder der Familie" und beschreibt ihn wie folgt: "Er ist ungefähr 18-20 Centimeter lang und auf der Oberseite auf gelbgrünlich ölfarbenem, nach den Seiten hin in Rothbraun übergehendem Grunde mit figurenartigen oder im Zickzack verlaufenden Querbändern von brauner, dunkelbrauner oder schwarzer Färbung gezeichnet, die faltige Wangenhaut licht fleischfarben, dunkelblau getüpfelt, das Armgelenk durch einen weißlichen Ring geschmückt, die Unterseite graugelb, der Augenring goldgelb." Die Männchen sind an ihren Präanalporone und Hemipenes-Taschen kenntlich [1; 3].

Verbreitung

Südost-Asien: Süd-Thailand (Nakhon Si Thammarat, Satun, Pattani), Indien (Nikobaren), Indonesien (Sumatra, Java, Borneo), Malaysia (Halbinsel und die Inseln Pulau Pangkor, Pulau Tioman, Pulau Besar), Singapur [8].

Lebensraum und Lebensweise

Die nachtaktiven Faltengeckos sind Baumbewohner des tropischen Regenwaldes. Durch ihre Färbung und das Anlegen ihrer Falten an die Baumrinde sind sie von ihrer Umgebung kaum zu unterscheiden. Werden die Falten durch Ausstrecken der Extremitäten gespannt, ist ein Gleitflug möglich. Das Männchen hält seine Partnerin während der Kopulation durch einen Paarungsbiss fest. Das Weibchen legt Doppeleier, die es an einem Versteck festklebt. Die Jungen schlüpfen bei einer Umgebungstemperatur von 30°C nach etwa 55 Tagen, bei 25°C dauert es etwa doppelt so lang. Mit etwa 10 Monaten sind die Jungtiere geschlechtsreif [1; 2; 4; 6].

Gefährdung und Schutz

Von den acht Arten der Gattung Ptychozoon wurden nur drei im Rahmen der Roten Liste der IUCN beurteilt. P. kuhli ist nicht darunter.

Der internationale Handel ist nach CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

In Europa werden Faltengeckos online zu 26-29 € für den Heimtierhandel angeboten  [9].

Haltung

Für die paarweise Haltung wird ein bepflanztes Regenwald-Terrarium ab einer Größe von 60x60x100 cm empfohlen, wobei nach oben keine Grenzen gesetzt sind. Das Terrarium sollte mit Wärme- und UV-Strahlern versehen und mit Lianen, Ästen zum Klettern und mit Korkröhren ausgestattet sein. Rück- und Seitenwände können mit Naturkorkplatten verkleidet werden. Als Bodengrund eignet sich z.B. Kokoshumus. Tagsüber sollen die Temperaturen  bei etwa 27-28°C, lokal bei 30°C liegen, nachts ist sie auf etwa 20-22°C abzusenken. Die relative Luftfeuchtigkeit soll tagsüber ca. 80% betragen und kann in der Nacht auf gegen 100% ansteigen [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird weniger als 10 Institutionen gezeigt. Für Details siehe Zootierliste. 

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für ein Paar mindestens 6x so lang und 6x so breit sein wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Die Höhe soll das Achtfache der Kopf-Rumpflänge betragen. Für jedes weitere Tier kommen 15% zur Basisfläche dazu. In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) und der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art war ursprünglich 1809 als Lacerta homalocephala beschrieben worden. Wie sich herausstellte, war aber die Artbezeichnung bereits durch einen Skink belegt, was 1902 zu einer Neubenennung durch den aus Norwegen stammenden und an der Smithsonian Institution in Washington DC wirkenden Herpetologen  Leonhard Hess STEJNEGER führte [8]. Der neue wissenschaftliche Name des Faltengeckos erinnert an Heinrich KUHL (1797 - 1821) einen aus Hanau stammenden deutschen Zoologen, der in Groningen studiert hatte und zusammen mit einem Kollegen durch die niederländische Regierung offiziell beauftragt worden war, naturwissenschaftliche Untersuchungen in Niederländisch Ost-Indien durchzuführen. KUHL kam im Dezember 1820 in Batavia an und zog sich im Sommer 1821 eine Infektionskrankheit zu, an der er im September 1821 verstarb. Er wurde im Botanischen Garten von Buitenzorg (heute: Bogor) auf Java beigesetzt. Das umfangreiche Sammelgut ging an das Naturkundemuseum in Leiden und wurde erst nach KUHLs Tod ausgewertet [5]. 

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. HENKEL, F. H. & SCHMIDT, W. (2003)
  4. HENKEL, F. H. & SCHMIDT, W. (2007)
  5. NEUE DEUTSCHE BIOGRAPHIE, Bd.: 13
  6. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  7. SPINY GECKOS
  8. THE REPTILE DATA BASE
  9. UNEP-WCMC (2009)

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Gelesen 3748 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Mai 2019 06:46
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx