Chamäleons

Fischer-Chamäleon

West-Usambara-Zweihornchamälen (Kinyongia multituberculata) im  Zoo am Meer, Bremerhaven West-Usambara-Zweihornchamälen (Kinyongia multituberculata) im Zoo am Meer, Bremerhaven
© Zoo am Meer

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Echsen (SAURIA)
Zwischenordnung: Leguanartige (Iguania)
Familie: Chamäleons (Chamaeleonidae)

D NT 650

Fischer-Chamäleon-Gruppe

Kinyongia fischeri s. l. • East-African Two-horned Chameleons • Caméléons bicornes de l'Afrique de l'est

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West-Usambara-Zweihornchamälen (Kinyongia multituberculata) im Zoo am Meer, Bremerhaven © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Vorkommen von Arten der Fischer-Chamäleon-Gruppe: Blau: K. boehmei; gelb: K. fischeri; violett: K. matschiei und vosseleri; ro: K. multituberculata; dunkelgrün: K. tavetana; schwarz: K. ulugurensis

 

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Großes Ost-Usambara-Zweihornchamäleon(Kinyongia matschiei) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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West-Usambara-Zweihornchamälen (Kinyongia multituberculata) im Zoo Breslau © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

 

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Das Fischer-Chamäleon wurde 2008 in mehrere Arten aufgesplittet. Diese sind mehrheitlich potenziell oder stark gefährdet. Es handelt sich um mittelgrosse, durch zwei Nasenhörner charakterisierte Chamäleons, die bei Privathaltern namentlich in den USA beliebt, in europäischen Zoos aber nur selten zu sehen sind. Dabei handelt es sich in aller Regelel nicht um eigentliche Fischer-Chamäleons sondern um Vertreter anderer Arten aus dem Kinyongia fischeri-Komplex.

Körperbau und Körperfunktionen

Fischer-Chamäleons erreichen eine Gesamtlänge von 26-33.5 (-40) cm, wobei die Weibchen deutlich kleiner sind als die Männchen. 15-20 cm entfallen auf den Schwanz. Das herausragendste Merkmal sind die seitlich stark zusammengedrückten, warzigen Schnauzenfortsätze, die bei den Männchen bis 20 mm lang werden können. Bei den Weibchen erreichen sie 8 mm oder fehlen ganz. Ein Helm ist nur andeutungsweise vorhanden. Das erste Drittel des Rückens trägt einen aus einer lockeren Reihe von Stachelschuppen bestehenden Kamm [4; 5; 6].

Verbreitung

Ostafrika: Tansania und Kenia [8; 9]:

  • K. boehmei: Taita Hills
  • K. fischeri: Nguru- and Nguu-Berge
  • K. matschiei: Östliche Usumbara-Berge
  • K. multituberculata: Westliche Usumbara-Berge
  • K. vosseleri: Östliche Usumbara-Berge
  • K. tavetana: Kilimandscharo, Mt. Meru, Nördliche und Südliche Pare-Berge, Chyulu Hills
  • K. uluguruensis: Uluguru-Berge

Lebensraum und Lebensweise

Fischer-Chamäleons besiedeln die Ränder von Gebirgsregenwäldern und eventuell benachbarte Plantagen und Gärten in Höhenlagen von 800-1'700 (-3'000?) m mit Jahresniederschlägen von 800-2'000 mm (zum Vergleich: München = 930 mm), dies bei einer Trockenzeit von 2-3 Monaten. Die Tiere fressen vorzugsweise Käfer und Heuschrecken, nehmen aber auch andere Wirbellose und kleine Wirbeltiere. Paarungswillige Weibchen sind hellgrün gefärbt mit rotem Kopf. 47-55 Tage nach der Paarung kommt es zur Ablage von 10-21 Eiern, die in einem 15-20 cm tiefes, vom Weibchen gegrabenen Loch deponiert werden. Die Jungen wachsen rasch und können schon mit 6 Monaten Geschlechtsreife erreichen. Wichtigster Fressfeind des Fischer-Chamäleons ist die Boomslang (Dispholidus typus) [1; 4; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Die K. fischeri ist seit 2014 in der Roten Liste der IUCN als potenziell gefährdet aufgeführt, weil das Artareal klein und der Lebensraum zersplittert ist. Durch Umwandlung von Wald in Ackerland, Holzeinschlag sowie Unterpflanzung von Nutzpflanzen schwindet der Lebensraum sukzessive. Dasselbe gilt für K. boehmei und K. tavetana. Als stark gefährdet eingestuft sind K. matschiei, K. multituberculata und K. vosseleri. Als nicht gefährdet gilt K. uluguruensis [8].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Von 2001-2015 exportierte Tansania im Jahresmittel etwa 3'700 Tiere. Hauptabnehmer waren die USA mit 53%, Deutschland mit 13% (ca. 470 Tiere / Jahr) und Japan mit 10%. Faktisch handelte es sich aber in den seltensten Fällen um tatsächliche K. fischeri, sondern hauptsächlich um K. multituberculata, K. matschiei, K. vosseleri und möglicherweise K. tavetana und K. boehmei. Ausfuhren von Nachzuchttieren aus Europa und Nordamerika sind zu vernachlässigen [2; 8].

Haltung

Fischer-Chamäleons sollen in der Regel einzeln gehalten werden. Für die Haltung eines adulten Individuums wird ein gut belüftetes, feuchtes Terrarium empfohlen das dem 4x3x6-fachen (LxBxH) der Kopf-Rumpflänge entspricht, für ein großes Männchen also etwa 60x45x90 cm misst. Es sollte mit Spot-Lampen und UV-Strahlern ausgestattet und mit reichlich Kletterästen sowie einer Tränke eingerichtet sein. Eine Bepflanzung der Rück und Seitenwände z.B. mit Ficus benjamina ist angezeigt. Als stets etwas feucht zu haltendes Bodensubstrat eignet sich ein Sand-Torf-Gemisch. Die Lufttemperatur soll tagsüber von 24-28°C variieren, lokal bis über 30°C betragen und nachts um etwa 10 Grad abgesenkt werden. Die relative Luftfeuchtigkeit soll tags 50-70% betragen mit etwas höheren Nachtwerten [1; 5; 6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird nur in ganz wenigen Institutionen gezeigt. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für ein Einzeltier mindestens 4x so lang und 2.5x so breit sein wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Die Höhe soll das Vierfache der Kopf-Rumpflänge betragen. Bei Paarhaltung kommen bei der Grundfläche 20% dazu. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für ein Tier ein Gehege vor, dessen Grundfläche das 4x4-fache der Kopf-Rumpflänge und dessen Höhe das Vierfache der Kopf-Rumpflänge messen. Für jedes weitere Tier kommt das 2x2-fache der Kopf-Rumpflänge zur Basisfläche dazu. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Fischer-Chamäleon wurde 1887 von dem am Naturkundemuseum zu Berlin tätigen Anton REICHENOW anhand eines von dem Arzt Gustav Adolf FISCHER aus dem damaligen Deutsch-Ostafrika, mitgebrachten Exemplars als "Chamaeleon fischeri" beschrieben. Nach der Aufteilung der Gattung Chamaeleo kam die Art in die Gattung Bradypodion. Die Systematik der Chamäleons der Bradypodion-Gruppe wurde auf der Grundlage molekulargenetischer Untersuchungen revidiert. Als Bradypodion werden nur noch die südafrikanischen Formen bezeichnet. Für die ostafrikanischen Zweihorn-Chamäleons wurden 2006 zwei neue Gattungen errichtet, darunter Kinyongia mit aktuell 23 Arten, einschließlich fischeri. Ehemalige fischeri-Unterarten wurden zu vollen Arten aufgewertet, darunter die in Europa heute oder ehemals gehaltenen K. boehmei, K. matschiei, K. multituberculata, K. tavetana, K. ulugurensis und K. vosseleri. Von 2009-2017 wurden neun neue Arten beschrieben [3; 7; 9; 10]:

Literatur und Internetquellen

  1. CHAMAELEON NEWS
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. GLAW, F. (2015)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. NECAS, P. (1999)
  6. NIETZKE, G. (1969)
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. TOLLEY, K. & MENEGON, M. (2014). Kinyongia fischeri. The IUCN Red List of Threatened Species 2014: e.T172565A1345554. http://www.iucnredlist.org/details/172565/0. Downloaded on 31 August 2017.
  9. MARIAUX, J., LUTZMANN, A., STIPALA, J. (2008)
  10. TILBURY , C. R., TOLLEY, K. A. & BRANCH, W. R. (2006)

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Gelesen 9845 mal Letzte Änderung am Freitag, 09 April 2021 10:37
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx