Vipern

Puffotter

Puffotter (Bitis arietans) im Zoo Basel Puffotter (Bitis arietans) im Zoo Basel
Thomas Jermann, Basel

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Schlangen (SERPENTES)
Überfamilie: Nattern- und Vipernartige (Colubroidea oder Xenophidia)
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Echte Vipern (Viperinae) 

D NB 650

Puffotter

Bitis arietans • The Puff Adder • La vipère heurtante

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Puffotter (Bitis arietans) im Zoo Basel © Thomas Jermann, Zoo Basel

 

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Approximative Verbreitung der Puffotter (Bitis arietans)

 

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Puffotter (Bitis arietans) im Reptilienzoo Happ, Klagenfurt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Puffotter (Bitis arietans) im Zoo-Vivarium Darmstadt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Puffotter (Bitis arietans) im Zoo-Vivarium Darmstadt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Puffotter (Bitis arietans) im Terrazoo Rheinberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Puffotter (Bitis arietans) im Reptilienzoo Happ, Klagenfurt © © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Puffotter (Bitis arietans) im Reptilienhaus Oberammergau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Puffotter (Bitis arietans) im Reptilienzoo Happ © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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"Puffotter (Vipera arietans)" (= Bitis arietans). Bild aus Brehms Thierleben (1882-1887).

 

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Die Puffotter ist die am weitesten verbreite und am meisten gefürchtete Giftschlange Afrikas. Wegen ihrer ökologischen Bedeutung und ihrer potenziellen Gefährlichkeit für den Menschen ist sie von zoopädagogischem Interesse und wir daher relativ oft in Zoos gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Gesamtlänge von 0.6 bis 0.9, im Extremfall 1.2 m, in Zentralafrika bis 1.8 m, ist die Puffotter deutlich kleiner als die Gabunviper, aber auch klar länger als die anderen Bitis-Arten im südlichen Afrika. Sie ist eine schwere, plump wirkende Schlange mit großem und flachem, dreieckigem Kopf, der gut vom Körper abgesetzt ist, senkrechten Pupillen und langen Giftzähnen. Ihr Schwanz ist namentlich bei den Weibchen sehr kurz. Ihre Schuppen sind kräftig gekielt, ihre Färbung und Zeichnung - auf dem Rücken V-förmige dunkle Markierungen, hinten mit hellem Rand - sehr variabel. Männchen sind kleiner und kontrastreicher gefärbt als Weibchen [1; 3; 5; 6; 7].

Verbreitung

Afrika südlich der Sahara, mit Ausnahme geschlossener Regenwälder und echter Wüsten, sowie Südwesten der Arabischen Halbinsel [5; 7].

Lebensraum und Lebensweise

Puffottern ernähren sich von Nagetieren und Fröschen. Die Frösche werden lebend verschlungen, die Warmblüter bis zum Eintreffen der Giftwirkung wieder losgelassen. Die Paarungszeit beginnt im Oktober. Die Puffotter ist ovovivipar. Im südafrikanischen Hoch- oder Spätsommer bringt das Weibchen 20-50 schlupfreife Eier oder Junge zur Welt. In einem Ausnahmefallen soll ein Wurf 154 Jungschlangen umfasst haben. Feinde der Puffotter sind große Warane (z.B. Varanus albigularis), Greifvögel und Mangusten [3; 4; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

In Südafrika ist die Puffotter die am meisten gefürchtete Giftschlange, weil es relativ oft zu Unfällen kommt. Sie ist träge und bleibt bei einer Störung meist an ihrem Platz liegen. Wenn sie sich bedroht oder belästigt fühlt kann sie blitzartig zustoßen. Dabei werden große Mengen eines zytotoxischen Giftes injiziert, das beim Menschen zu einer Anschwellung der betroffenen Extremität, starken Schmerzen und erheblicher Gewebezerstörung mit nur sehr langsamer Wundheilung führt. Todesfälle sind selten, können aber - sogar nach Behandlung mit Antiserum - vorkommen. Folgeschäden können Gewebsnekrosen sein, die bisweilen Amputationen notwendig machen [5].

Nach BREHM [2] wird erzählt, "daß die Buschmänner sie eifrig verfolgen, um von ihr das zur Verfertigung ihrer Pfeile nöthige Gift zu erwerben. Sie sollen beim Fange des Thieres ebensoviel Muth als Geschicklichkeit an den Tag legen, der ruhenden Schlange vorsichtig sich nähern, ihr plötzlich den Fuß ins Genick setzen, sie so fest auf den Boden drücken und den Kopf mit einem raschen Schnitte vom Leibe trennen, sodann die Giftdrüsen ausdrücken und die derart gewonnene Flüssigkeit mit dem klebrigen Safte einer Pflanze vermischen, welcher letztere dazu dient, es an den Pfeilspitzen zu befestigen: ob etwas wahres an dieser Geschichte ist, lasse ich, wie billig, dahingestellt."

Die Art befindet sich im Heimtierhandel. Jungtiere werden in den USA für z.B. 40 USD, in Europa für 70 € angeboten (Online-Inserate 2017).

Haltung

Die Puffotter gehört zu den "Gefahrtieren", deren Haltung in manchen deutschen Bundesländern unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist. Von der Haltung in Privathand wird abgeraten [4; 5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 40 Institutionen gezeigt, von denen sich über ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für zwei etwa gleich große Tiere mindestens gleich lang und halb so breit sein wie die Gesamtlänge eines Tieres Die Höhe soll die Hälfte der Gesamtlänge betragen. Für jedes weitere Tier ist das Terrarienvolumen unter Beibehaltung der Proportionen um 20% zu erhöhen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit denselben Dimensionen wie das BMELF-Gutachten vor. Für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um das 0.5x0.2-fache einer Gesamtlänge zu erhöhen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) verlangt für 1-2 erwachsene Tiere eine Grundfläche von 2.0 m² bei einer Höhe von 120 cm. Für jedes weitere Adulttier ist die Grundfläche um 0.5 m² zu erhöhen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Erstbeschreibung der Art erfolgte 1820 durch den Bremer Naturforscher Blasius MERREM als "Vipera (Echidna) arietans". Der Name Puffotter bzw. auf Afrikaans Pofadder kommt von dem heftigen Zischen durch die Nasenlöcher, das die Schlange verlauten lässt, sobald sie beunruhigt und damit erregt wird. Bei solcher Gelegenheit pflegt sie sich so dick aufzublasen, dass ihr Leib fast den doppelten Umfang erreicht und die Luft durch die Nase auszupressen [2; 3; 4; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. BRANCH, B. (1988)
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. MATTISON, C. (2007) 
  5. MEHRTENS, J. M. (1993)
  6. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  7. PATTERSON, R. & BANNISTER, A. (1988)
  8. THE REPTILE DATA BASE

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Gelesen 12667 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Juli 2020 08:37
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx