Land-, Baum- und Trugnattern

Glattnatter

Glattnatter (Coronella austriaca) im Tiergarten Nürnberg Glattnatter (Coronella austriaca) im Tiergarten Nürnberg
Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Schlangen (SERPENTES)
Überfamilie: Nattern- und Vipernartige (Colubroidea oder Xenophidia)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Land- und Baumnattern (Colubrinae)

D LC 650

Glattnatter oder Schlingnatter

Coronella austriaca • The Smooth Snake • La couleuvre lisse

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Glattnatter (Coronella austriaca), Geburt im Zoo Augsburg © Zoo Augsburg

 

 

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Approximative Verbreitung der Glattnatter (Coronella austriaca)

 

 

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Glattnatter (Coronella austriaca), Geburt im Zoo Augsburg © Zoo Augsburg

 

 

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Glattnatter (Coronella austriaca), Geburt im Tiergarten Nürnberg © Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

 

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Die Glattnatter ist eine kleine, aktive Schlange, die, obwohl einheimisch und bei uns gefährdet, als Nahrungsspezialist in Zoos ein relativ seltener Gast ist.

Körperbau und Körperfunktionen

BREHM beschreibt die Glattnatter als "eine der zierlichsten, beweglichsten und lebhaftesten Schlangen unseres Vaterlandes, deren Länge sechzig Centimeter, höchstens einen Meter beträgt. Die Grundfärbung der Oberseite ist gewöhnlich braun; die Zeichnung besteht aus einem großen, dunkleren Flecken im Nacken, welcher sich oft nach hinten zu in breite Streifen verlängert, und in zwei Reihen dunkelbrauner, zuweilen paarweise verbundener Flecken, welche längs des Rückens verlaufen; ein anderer dunkelbrauner Streifen zieht sich durch das Auge und an den Halsseiten hinab; der Unterleib sieht entweder stahlblau oder rothgelblich und weißlich aus, ist auch oft dunkler gefleckt. Wie bei den meisten Schlangen ändern Färbung und Zeichnung vielfach ab" [1]. Zu ergänzen ist, dass der kleine, rundliche Kopf nur schwach vom Hals abgesetzt, die Pupille rund und der Schwanz lang ausgezogen ist, dass die Kopfschuppen groß und die Rückenschuppen ungekielt und sehr glatt sind, und dass sich am Hinterkopf ein markanter dunkler Fleck befindet [5].

Verbreitung

Weit verbreitet in der  westlichen Paläarktis von Skandinavien und Südfinnland bis in den Mittelmeerraum und von Südengland bis in den Naher Osten und Zentralasien: Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Iran, Italien, Kasachstan, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland [2].

Lebensraum und Lebensweise

Als Lebensraum werden trockene Fels-, Schutt- und Geröllflächen deutlich bevorzugt, aber auch Rebberge und lichte Wälder bieten geeignete Standorte. Im Alpenraum liegen die Verbreitungsschwerpunkte in Höhenlagen von 900-1230 m. Die Art kann aber auf mehr als 2000 m hochgehen, so gibt es Nachweise vom Ofenpass (2170 m), dem Mattertal (2108 m) und dem Puschlav (2060 m) [3]. Die Glattnatter tagaktiv. Sie ist ein Nahrungsspezialist, der fast ausschließlich Eidechsen und Blindschleichen, gelegentlich auch andere Schlangen frisst. Die Art ist ovovivipar. Die Weibchen bringen im Spätsommer bis zu 15 Jungschlangen zur Welt, die bei der Geburt etwa 13-17 cm lang sind. Im nördlichen Teil des Areals kann es zu einer verzögerten Entwicklung kommen, bei der die Jungen erst im folgenden Frühjahr geboren werden [4; 5].

Gefährdung und Schutz

Obwohl die Bestände gebietsweise abnehmen, wurde die Art wegen ihrer weiten Verbreitung und großen Gesamtpopulation aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 in der Roten Liste als nicht-gefährdet eingestuft [2]. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt sie als gefährdet (VULNERABLE).

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Glattnatter fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist ist eine streng zu schützende Tierart nach Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG).

Bedeutung für den Menschen

Die Glattnatter wurde früher für medizinische Zwecke eingesetzt. BREHM verweist in diesem Zusammenhang auf einen Bericht des Zoologen Heinrich LENZ mit der Bemerkung, dass diese Behandlungen natürlich nicht geholfen hätten: "Eine Zeitlang hat man auf Anrathen eines nun verstorbenen ungarischen Arztes die Galle der Schlingnatter gegen Fallsucht gebraucht. Damals wandten sich viele Aerzte an mich, um solche Galle zu bekommen, und ich tödtete, um ihrem Wunsche Genüge zu leisten, allmählich eine Menge meiner glatten Nattern." [1].

Haltung

Die Tatsache, dass Glattnattern sich von Echsen ernähren und sich viele Tiere nicht an ein Ersatzfutter gewöhnen, stellt ein Hindernis für die Haltung dar. Ansonsten lassen sie sich gut und jahrelang in einem mittelgroßen halbtrockenen Terrarium halten. Als Bodensubstrat eignet sich ein Sand-Lehmgemisch. Als Unterschlupf dienen Steine oder Wurzelstöcke. Die Lufttemperatur soll tagsüber bei 20-25ºC und die Bodentemperatur lokal bei 25-30ºC liegen. Eine nächtliche Abkühlung unter 20ºC ist notwendig. Es ist eine Winterruhe von 4-5 Monaten erforderlich. Als einheimische Art kann die Ringelnatter natürlich auch in einem - von Prädatoren geschützten - Freilandterrarium gehalten werden [8].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa 20 Institutionen gezeigt, von denen sich beinahe die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Die Glattnatter ist weder im Reptiliengutachten 1997 des BMELF, noch in der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) oder der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1768 vom österreichischen Arzt und Naturforscher Josephus Nicolaus LAURENTI unter ihrem heute noch gültigen Namen beschrieben. Es werden zwei Unterarten anerkannt, von denen acutirostris Portugal, die Nominatform das ganze übrige Artareal besiedelt [7].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. CRNOBRJA-ISAILOVIC, J.et al. (2017). Coronella austriaca. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T157284A748852.  http://www.iucnredlist.org/details/157284/0. Downloaded on 01 October 2017.
  3. HOFER, U., MONNEY, J.-C. & DUSEJ, G, (2001) 
  4. MEHRTENS, J. M. (1993)
  5. MEYER, A., ZUMBACH, S., SCHMIDT, B. & MONNEY, J.-C. (2009)
  6. NIETZKE, G. (1969)
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. TRUTNAU, L. (2002) 

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