Krokodile und Gaviale

Beulenkrokodil

Junges Beulenkrokodil (Crocodylus moreletii) im Tiergarten Schönbrunn Junges Beulenkrokodil (Crocodylus moreletii) im Tiergarten Schönbrunn
Daniel Zupanc / Tiergarten Schön brunn

Ordnung: Krokodile (CROCODYLIA)
Familie: Eigentliche Krokodile (Crocodylidae)

D LC 650

Beulenkrokodil

Crocodylus moreletii • The Morelet's Crocodile • Le crocodile de Morelet

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Beulenkrokodil (Crocodylus moreletii) im Xcaret Park, Playa del Carmen, Mexiko © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Beulenkrokodils (Crocodylus moreletii)

 

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Kopfansicht und -aufsicht des Beulenkrokodils (Crocodylus moreletii). Zeichnung Gerhard Richter, Berlin, für CITES ID-Manual

 

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Beulenkrokodil (Crocodylus moreletii) im Xcaret Park, Playa del Carmen, Mexiko © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Beulenkrokodil (Crocodylus moreletii) im Xcaret Park, Playa del Carmen, Mexiko © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Beulenkrokodil (Crocodylus moreletii) schlüpft im Tiergarten Schönbrunn aus dem Ei © Daniel Zupanc / Tiergarten Schön brunn

 

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Junge Beulenkrokodile (Crocodylus moreletii) im Tiergarten Schönbrunn Daniel Zupanc / Tiergarten Schön brunn

 

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Das Beulenkrokodil ist eine mittelgroße Krokodilart, die noch vor einigen Jahrzehnten stark bedroht war, deren Bestand sich aber nicht zuletzt wegen des Engagements von Zoos wieder erholt hat

Körperbau und Körperfunktionen

Das Beulenkrokodil ist eine mittelgroße Krokodilart. Als Maximallänge werden 4.5 m angegeben, die meisten Tiere werden aber nicht länger als etwa 2.7 m. Die Schnauze ist eher kurz, plump und weist an der Basis vor den Augen eine unpaare längliche Schwellung auf. Oben sind 5 (im Zwischenkiefer) und 13-14 (im Oberkiefer), unten 15 Zähne in jeder Kieferhälfte vorhanden. Der 5. Oberkieferzahn ist am stärksten entwickelt, auf seiner Höhe ist der Oberkiefer seitlich ausgebuchtet. Auf dem Hinterkopf eine Reihe von 4 vergrößerten Schuppen, Die 4 Nackenhöcker sind in einem Quadrat angeordnete und auf jeder Seite befindet sich ein etwas kleinerer. Die schwach gekielten Rückenschilder sind in 16-17 Quer- und 4-6 Längsreihen angeordnet. Die beiden mittleren Reihen der Schwanzschuppen sind gekielt, die Kielreihen verlaufen bis zum Ende parallel. Die seitlichen Schuppenkämme vereinigen sich auf der Höhe 18.-19. Schuppe zu einem einzigen Schuppenkamm. Die Oberseite ist dunkel-olive, bei jüngeren Tieren etwas heller mit dunkeln Querbändern an den Flanken und auf den Schwanz. Unterseits hell ohne dunkle Flecken [2; 6].

Verbreitung

Mittelamerika: Atlantikseite von Belize, Guatemala und Mexiko [1; 6]

Lebensraum und Lebensweise

Die Art besiedelt unterschiedliche Süßgewässer, wie Flüsse, Altwasser, Sümpfe, Weiher und temporäre Gewässer, wird aber gelegentlich auch im Brack- oder Salzwasser angetroffen. Ihr Vorkommen überlappt sich mit jenem des Spitzkrokodils, und gelegentlich kommt es zu Hybriden. Im Freiland werden Weibchen mit 7-8 Jahren und einer Länge von 1.5 m geschlechtsreif, bei gehaltenen Tieren tritt die Geschlechtsreife früher ein. Sie bauen einen Nesthügel aus frischem und verrottendem Pflanzenmaterial, in den sie am Ende der Trockenzeit (meist Mitte Mai bis anfangs Juli) 20-50 Eier legen und danach bewachen. Die Jungen schlüpfen nach 75-85 Tagen im August / September. Die Mutter öffnet die Nestkammer mit Maul und Füßen und trägt ihren Nachwuchs im Maul zum Wasser, wo sie ihn weiterhin beschützt [6].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände des Beulenkrokodils sind in der Mitte des letzten Jahrhunderts stark zurückgegangen. Der Grund dafür war vor allem die unkontrollierte Jagd, welche es auf die Haut dieser Tiere abgesehen hatte. In ihrem ganzen Verbreitungsgebiet waren sie vor 40 Jahren fast ausgerottet. Das Beulenkrokodil wird heute aber nicht mehr als gefährdet angesehen, weil die illegale Jagd auf Grund von Schutzmassnahmen stark zurückgegangen ist. Der Zoo Atlanta, dem 1971 die Welterstzucht gelang [4], und weitere Institutionen in Amerika und Mexiko widmeten sich intensiv ihrer Nachzucht und kümmerten sich um den in situ-Schutz der Art. 2006 wurde der Bestand an Adulttieren auf 79-100'000 geschätzt [1; 6].

Der Internationale Handel ist in Guatemala nach CITES Anhang I eingeschränkt. Die Bestände in Belize und Mexiko sind nach CITES Anhang II geschützt. Wilde Beulenkrokodile und deren Produkte aus Belize dürfen allerdings nicht für kommerzielle Zwecke exportiert werden.

Bedeutung für den Menschen

Hauptsächlich in den 1940-50er-Jahren blühte eine unkontrollierte Jagd zur Gewinnung von Häuten. Die Jäger ahmten bisweilen die Rufe der Jungen nach, um weibliche Tiere bis in Schussweite anzulocken. In den 1970er Jahren wurden Jagdverbote erlassen. Für den Eigenbedarf werden aber in ländlichen Gegenden immer noch Tiere geschossen [6].

In den Internationalen Handel gelangen vorab Exemplare aus zwei registrierten Zuchtfarmen in Mexiko [6]. Von 1980-2015 wurden aus den drei Ursprungsländern nebst Lederwaren und anderen Erzeugnissen 15'799 Häute, 455 lebende Tiere und 1'760 Eier für die Ausfuhr genehmigt [3].

Haltung

JENSCH et al. [5] geben für diese Art keine Haltungsempfehlung. 

Krokodile gehören zu den "Gefahrtieren", deren Haltung in manchen deutschen Bundesländern unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist.

Höchstalter im Zoo: Das älteste bekannte Beulenkrokodil in Menschenobhut wurde 1957 auf einer Rinderfarm in Mexiko gefangen und dem Zoo von Tuxtla Gutierrez geschenkt, wo es nach einer Haltungsdauer von etwa 42 Jahren starb [8].

Haltung in europäischen Zoos: Beulenkrokodile werden in etwas über 20 europäischen Zoos gehalten, davon etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum. Für Details siehe Zootierliste.  

Seit 1993 hält der Tiergarten Schönbrunn ein Paar Beulenkrokodile. 2008 wurde die Anlage erneuert und ein Abrichtungsprogramm entwickelt und eingeführt, das nicht nur den Alltag der Tiere bereichert, sondern auch dazu beiträgt, dass sich das Krokodilweibchen beim Brutgeschäft durch nichts stören lässt. Bereits 2009 zeigte es normales Brutverhalten, wobei sich allerdings die Eier, wahrscheinlich aufgrund zu hoher Bodentemperatur, an der Stelle des Bruthügels nicht entwickelten. Mit dem neu gewonnenen Wissen wurden beim zweiten Brutversuch einige Eier aus dem Bruthügel entnommen, und drei Tiere schlüpften im November 2010 im Brutapparat (PM Tiergarten Schönbrunn vom 21.01.2011).

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll eine Anlage für ein Paar einen Landteil beinhalten, dessen Fläche mindestens 4x so lang und 3x so breit sein soll wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Der Wasserteil soll das 5x4-fache und der Wasserstand 30% der Kopf-Rumpflänge betragen. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil 20% und beim Landteil 10% zur Basisfläche dazu. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Land- und einem Wasserteil vor, die je das 4x2-fache der Kopf-Rumpflänge messen. Für jedes weitere Tier kommen je 50% der Basisflächen dazu. Die Wassertiefe muss 50% der Kopf-Rumpflänge betragen. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist für 1-2 erwachsene Tiere ein Landteil von 12 und ein Wasserteil von 15 m²anzubieten, für jedes weitere Tier braucht es je 3 m² mehr. Die Wassertiefe muss 80 cm betragen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1835 von den französischen Zoologen André Marie Constant DUMÉRIL und Gabriel BIBRON als "Crocodilus Moreletii" beschrieben. Die Schreibweise "Crocodylus" setzte sich um die Mitte des 20. Jahrhunderts durch [7].

Literatur und Internetquellen

  1. CEDEÑO-VÁSQUEZ, J.R., PLATT, S.G. & THORBJARNARSON, J. (IUCN Crocodile Specialist Group). (2012). Crocodylus moreletii. The IUCN Red List of Threatened Species 2012: e.T5663A3045579. http://www.iucnredlist.org/details/5663/0. Downloaded on 26 June 2017.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. HUNT, R.H. (1973).
  5. JENSCH, B., BAUR, M., BRANDSTÄTTER, F., FRIZ, T., KÖLPIN, T., SCHMIDT, F., SOMMERLAD, R. & VOIGT, K.-H. (2009A)
  6. PLATT, S. G., SIGLER, L. & RAINWATER, T. R. (2010)
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. WEIGL, R. (2014)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx