Alligatoren und Kaimane

Keilkopf-Glattstirnkaiman

 Keilkopf-Glattstirnkaiman (Paleosuchus trigonatus) im Tiergarten Straubing Keilkopf-Glattstirnkaiman (Paleosuchus trigonatus) im Tiergarten Straubing
© Wolfgang Peter, TG Straubing

Ordnung: Krokodile (CROCODYLIA)
Familie: Alligatoren und Kaimane (Alligatoridae)

D VU 650

Keilkopf-Glattstirnkaiman

Paleosuchus trigonatus • The Wedge-headed Dwarf Caiman • Le caïman (nain) de Schneider

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Keilkopf-Glattstirnkaiman (Paleosuchus trigonatus) im Krefelder Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Keilkopf-Glattstirnkaimans (Paleosuchus trigonatus)

 

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Kopfansicht und -aufsicht des Keilkopf-Glattstirnkaimans (Paleosuchus trigonatus). Zeichnung Gerhard Richter, Berlin, für CITES ID-Manual

 

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Keilkopf-Glattstirnkaiman (Paleosuchus trigonatus) im Tiergarten Straubing © Wolfgang Peter, TG Straubing

 

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Keilkopf-Glattstirnkaiman (Paleosuchus trigonatus) im Krefelder Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Keilkopf-Glattstirnkaiman ist mit eine der kleinsten Arten der ganzen Krokodilverwandtschaft. Wegen seines geringen Raumanspruchs eignet er sich für die Umbesetzung ursprünglich für größere Arten gedachte, aber für diese kaum tiergerechte Anlagen. Er ist in Europa aber viel seltener zu sehen als der Brauen-Glattstirnkaiman.

Körperbau und Körperfunktionen

Als maximale Länge des Keilkopf-Glattstirnkaimans werden 230 cm angegeben [6]. Die Tiere werden aber meist aber nur um 110 cm lang und bleiben damit eher kleiner als Brauen-Glattstirnkaimane.  Die Schnauze ist mäßig lang und spitz zulaufend, von oben her gesehen also keilförmig. Oben sind 4 (im Zwischenkiefer) und 14-17 (im Oberkiefer), unten 21-22 Zähne in jeder Kieferhälfte vorhanden [1]. Wie bei allen Alligatoriden greifen die Zähne des Oberkiefers über jene des Unterkiefers. Die für die Gattung Caiman typische "Brille", ein Quersteg zwischen den vorderen Augenwinkeln, fehlt bei Paleosuchus, daher der Name "Glattstirnkaiman" [7]. Auf dem Hinterkopf meist nur eine Reihe von 4-6 vergrößerten und spitzen Schuppen, 4-5 Reihen Nackenhöcker, die vorderste und hinterste bestehend aus 2, die übrigen aus 2-3 Schildern. Die gekielten Rückenschilder sind in 17-18 Quer- und ca. 6 Längsreihen angeordnet. Die beiden mittleren Reihen der Schwanzschuppen sind gekielt, die Kiele laufen nach außen und ein zweites Kielpaar läuft in die seitlichen Schuppenkämme hinein. Diese vereinigen sich auf der Höhe der 10.-11. einem einzigen Schuppenkamm. Oberseits braun, die Jungen sind heller mit dunkeln Flecken und Querbändern. Unterseite hell mit dunkeln Flecken [1].

Verbreitung

Nördliches Südamerika: Nord-Bolivien, Nordwest-Brasilien, Ost-Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Peru, Surinam, Venezuela. Fehlt auf den Brasilianischen schild und dem einzugsgebiet des Río Paraguay [6].

Lebensraum und Lebensweise

Der dämmerungs- und nachtaktive Keilkopf-Glattstirnkaiman ist eine relativ terrestrische Art, die als Lebensraum kleine Waldbäche bevorzugt und sich oft im flachen Uferbereich aufhält [4]. Die Weibchen bauen ihre Nesthügel gerne angelehnt an einen Termitenstock, womit eine höhere Bebrütungstemperatur erreicht wrd. Die Eiablage beginnt zu Ende der Trockenzeit.Die Zeitigungsdauer übersteigt 100 Tage [6].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weit verbreitet und gebietsweise noch häufig. Sie gilt daher nach einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 1996 nicht als gefährdet [3].

Der internationaole Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die wirtschaftliche Bedeutung der Art ist gering, denn ihre Haut ist stark verknöchert und daher für die Verarbeitung zu Leder praktisch wertlos. In begrenztem Umfang dürfen in Guyana Tiere für den Heimtiermatkt gefangen werden [6]. Von 1995-2015 wurden aus Guyana insgesamt etwas über 8'000 Tiere ausgeführt [2].

Haltung

Es wird empfohlen, einem verträglichen Paar durchschnittlich großer Adulttiere mindestens einen Landteil von mindestens 3 m² und einen ebenso großen Wasserteil anzubieten. 20-30% des Wasserteils sollen von einer Flachwasserzone eingenommen werden, der Rest soll eine Tiefe von 30-100 cm haben (N.B. Diese Werte können eventuell unter den gesetzlichen bzw. behördlichen Mindestanforderungen liegen!). Da die Art in schnell fließenden, kühleren Flüssen lebt, ist der Einbau einer Strömungspumpe zu empfehlen. Es wird grundsätzlich Paarhaltung empfohlen. Bei Gruppenhaltung sollen für jedes zusätzliche Tier 1 m² Land- und 1 m² Wasserfläche mehr zur Verfügung stehen. Die Temperatur soll zwischen 20-30°C liegen (für Jungtiere etwas höher) und es sind punktuell wärmere Bereiche zu schaffen, zu denen die Tiere ungehindert Zugang haben. Im Sommer, wenn die Tagestemperatur über 25°C liegt, können die Tiere auch im Freien gehalten werden [4; 5]. 

Glattstirnkaimane werden in einzelnen deutschen Bundesländern als "Gefahrtiere" angesehen, deren Haltung  unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist.

Höchstalter im Zoo: Der älteste bekannte Keilkopf-Glattstirnkaiman wurde in verschiedenen amerikanischen Einrichtungen gehalten. Im Juni 2014 war das Tier nach einer Haltungsdauer von über 40 Jahren immer noch am Leben [10].

Haltung in europäischen Zoos: Mit rund 20 Haltungen, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden, ist der Keilkopf-Glattstirnkaiman in europäischen Zoos sehr viel schwächer vertreten als Paleosuchus palpebrosus. Für Details siehe Zootierliste. Die europäische Erstzucht gelang im Jahr 2005 dem Krefelder Zoo [8]. Als klein bleibende Art ist der Keilkopf-Glattstirnkaiman auch für die Haltung durch qualifizierte Privatpersonen geeignet.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll eine Anlage für ein Paar einen Landteil beinhalten, dessen Fläche mindestens 4x so lang und 3x so breit sein soll wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Der Wasserteil soll das 5x4-fache und der Wasserstand 30% der Kopf-Rumpflänge betragen. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil 20% und beim Landteil 10% zur Basisfläche dazu. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Land- und einem Wasserteil vor, die je das 4x2-fache der Kopf-Rumpflänge messen. Für jedes weitere Tier kommen je 50% der Basisflächen dazu. Die Wassertiefe muss 50% der Kopf-Rumpflänge betragen. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist für 1-2 erwachsene Tiere ein Landteil von 3 und ein Wasserteil von 6 m²anzubieten. Die Wassertiefe muss 80 cm betragen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1801 vom sächsischen Naturforscher vor Johann Gottlob Theaenus SCHNEIDER als "Crocodilus trigonatus" beschrieben. Die heute gülige Gattungsbezeichnung geht auf das Jahr 1862 zurück [9].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. CROCODILE SPECIALIST GROUP (1996). Paleosuchus trigonatus. The IUCN Red List of Threatened Species 1996: e.T46588A11063247. http://www.iucnredlist.org/details/46588/0. Downloaded on 25 June 2017.
  4. JENSCH, B., BAUR, M., BRANDSTÄTTER, F., FRIZ, T., KÖLPIN, T., SCHMIDT, F., SOMMERLAD, R. & VOIGT, K.-H. (2009)
  5. JENSCH, B., BAUR, M., BRANDSTÄTTER, F., FRIZ, T., KÖLPIN, T., SCHMIDT, F., SOMMERLAD, R. & VOIGT, K.-H. (2009A)
  6. MAGNUSSON, W. E. & CAMPOS, Z. (2010A)
  7. NIETZKE, G. (1969)
  8. SCHÜRER, U. (2012)
  9. THE REPTILE DATA BASE
  10. WEIGL, R. (2014)

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Gelesen 4190 mal Letzte Änderung am Dienstag, 03 September 2019 23:10
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx