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ROBIN, K., MÜLLER, J.P., PACHLATKO, T. & BUCHLI, C. (2004)

Das Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen ist 25-jährig: Ein Überblick.

Der Ornithologische Beobachter 101: 1–18.

Zusammenfassung:

Der Bartgeier Gypaetus barbatus wurde in der Schweiz im 19. Jahrhundert ausgerottet, weil er als Schaf- und Ziegenräuber und als Gefahr für Kinder im Alpenraum verschrien war. Im gleichen Zeitraumsammelten private Sammler und öffentliche Museen intensiv Eier, Küken, immature und adulte Bartgeier. Nach der vollständigen Ausrottung des Bartgeiers in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts und als erste Wiederansiedlungsversuche in den frühen 70er-Jahren misslangen, begann Ende des gleichen Jahrzehnts ein internationales Programm mit stetiger wissenschaftlicher Begleitung. Bartgeier aus Zoos und Tierparks aus ganz Europa wurden zu einem wirksamen Zuchtprogramm zusammengefasst. Daraus konnten ab 1986 jedes Jahr junge Bartgeier in Kunsthorsten in vier Alpenregionen freigelassen werden. Bis und mit 2003 sind insgesamt 121 Bartgeier an sechs verschiedenen Orten in den Alpen von Österreich, Frankreich, Italien und der Schweiz ausgesetzt worden. Als wichtiger Schritt im Ansiedlungsprogramm schlüpfte 1997 in Hochsavoyen in freier Natur wieder der erste Jungvogel und flog als «Phénix» aus. In den folgenden Jahren haben sich vier weitere Paare und ein Trio gebildet. Bis 2003 sind insgesamt 15 Jungtiere ausgeflogen. Neuerdings haben sich drei weitere Paare geformt; eine Brut kam bei ihnen aber bisher nicht zustande. Das Monitoring des Zuchtstockes, die Kontrolle in der Ansiedlungsphase, die Überwachung während der Paarbildung und der Brut sind gut etabliert. Neue Techniken wie die DNS-Analyse erbringen wichtige Informationen über die Identität, die Verwandtschaft und das Geschlecht angesiedelter und in der Naturgeschlüpfter Vögel. Mit gefundenen Federn, die genetisch untersucht werden, lassen sich die freigesetzten Vögel verfolgen und die Identität der Eltern der aus Freibruten stammenden Jungvögel identifizieren. Das Bartgeier-Ansiedlungsprogramm war für die Medien und die Öffentlichkeit hoch attraktiv. Die Programm-Koordinatoren, das ganze Team und einige spezialisierte Journalisten bauten auf diesem Interesse eine langfristige Informationskampagne auf, mit der das schlechte Image des Bartgeiers als einer Gefahr für Mensch und Haustier langfristig verändert werden konnte. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, und es braucht noch Jahre intensiver Arbeit. Die Anzeichen stehen jedoch gut, dass in baldiger Zukunft der Bartgeier wieder zur heimischen Tierwelt der Alpen gezählt werden kann.

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx